Arne Friedrich wird bei Hertha BSC wieder geschätzt

Arne Friedrich und Hertha BSC schätzen sich wieder gegenseitig.FOTO: IMAGO

[ad_1]Arne Friedrich hat Jürgen Klinsmann und seine mitreißende Art schon in seiner Zeit als Fußball-Nationalspieler erlebt. Insofern dürfte er Ende November nicht allzu sehr vom Enthusiasmus seines früheren Nationaltrainers überrascht gewesen sein. Klinsmann hatte Friedrich in sein Hotel gebeten, um ihm den Posten als Performance Manager bei Hertha BSC anzutragen. Einzige Bedingung: Er müsse sich sofort entscheiden.

Jürgen Klinsmann ist bei Hertha längst Geschichte, auch seine Co-Trainer Alexander Nouri und Markus Feldhoff werden den Klub am Saisonende verlassen. Arne Friedrich aber, dessen bisheriger Vertrag ebenfalls nur Ende Juni gilt, könnte dem Berliner Bundesligisten noch deutlich länger erhalten bleiben.

Friedrich würde mehr sportliche Kompetenz in die Vereinsführung bringen

„Wir werden uns mit Arne bald über die auslaufende Vereinbarung unterhalten“, hat Herthas Manager Michael Preetz in einem Gespräch mit der „Bild“-Zeitung angekündigt. „Wir sind sehr zufrieden mit seiner Arbeit, würden gerne mit Arne weitermachen und ihn auf eine andere Position heben.“ Auch der Tagesspiegel erfuhr, dass Hertha Friedrich gerne in einer herausgehobenen Stellung binden möchte.

Ob es dabei um den Job des Sportdirektors oder eher den eines Teammanagers geht, das sei mal dahingestellt. Mit einer dauerhaften Anstellung des 40 Jahre alten Friedrich würde Hertha in jedem Fall einer Forderung nachkommen, mit der sich der Klub schon längere Zeit konfrontiert sieht. Mit der Forderung nämlich, mehr sportliche Kompetenz in die Vereinsführung zu holen. Auch als Korrektiv zu Geschäftsführer Preetz, der in elf Jahren Amtszeit immerhin zwei Abstiege und einige zweifelhafte Trainerentscheidungen – zuletzt die für Jürgen Klinsmann – zu verantworten hatte.

Friedrich hat von 2002 bis 2010 für Hertha BSC gespielt, er war sechs Jahre lang Kapitän des Teams und ist in Berlin zum Nationalspieler geworden. Allerdings ging seine Zeit bei Hertha nicht gerade harmonisch zu Ende. Friedrich wurde von der damals noch neuen Vereinsführung um Preetz und Präsident Werner Gegenbauer zumindest latent unterstellt, sich nicht mit aller Macht gegen den drohenden Abstieg zu wehren. Nach seinem Wechsel zum VfL Wolfsburg hatten sich beide Seiten erst einmal nichts mehr zu sagen – bis Friedrich sich sehr um einen Wiederannäherung bemühte.

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Inzwischen hat sich das Verhältnis längst wieder normalisiert. Preetz und Friedrich, die noch zusammen für Hertha gespielt haben, arbeiten vertrauensvoll zusammen. „Mit Arne habe ich einen sehr engen Austausch“, sagt Herthas Manager. Als Performance Manager hat sich Friedrich einen guten Ruf erarbeitet, bei Hertha im Allgemeinen, aber auch bei der Mannschaft im Speziellen. Er kennt den Verein und seine Strukturen, er kann sich in die Spieler hineinversetzen und ist immer noch mit allen sportlichen Themen vertraut. Deshalb, so Preetz’ Idee, solle Friedrich auch künftig „als Bindeglied zwischen Mannschaftskabine und Klub-Führung fungieren“.

Wenn man sich in der Bundesliga ein bisschen umschaut, wird man einige Vereine finden, die in den vergangenen Jahren vergleichbare Positionen in ihrer mittleren Leitungsebene geschaffen haben. Da gibt es den Teammanager, den Sportdirektor unterhalb der Geschäftsführung oder den Leiter Lizenzspielerabteilung. Doch so unterschiedlich die Jobtitel auch sein mögen, so sehr ähneln sich die angehenden Führungskräfte in ihrer Art und in ihren Biografien: Es handelt sich vornehmlich um kluge und smarte Managertypen, zumeist frühere Nationalspieler um die 40, die sich immer auch für andere Themen interessiert haben und nun in den Fußball zurückstreben. Zum Beispiel Simon Rolfes, 38, in Leverkusen, Sebastian Kehl, 40, in Dortmund oder Marcel Schäfer, 35, in Wolfsburg.

Bei genauerem Hinsehen erkennt man allerdings auch deutliche Unterschiede. Während Schäfer und Kehl ihr Betätigungsfeld vor allem rund um die Mannschaft haben, ist Rolfes bei Bayer 04 als Sportdirektor der designierte Nachfolger von Rudi Völler für den Posten des Sportgeschäftsführers. Völler, der nächsten Monat seinen 60. Geburtstag feiert, hat bereits vor anderthalb Jahren offen von seinem Abschied gesprochen. Rolfes ist schon jetzt als Leiter der Direktion Sport für 60 Mitarbeiter verantwortlich und steht jederzeit für Völlers Nachfolge bereit, wann auch immer es so weit sein wird.

Zuletzt hat Friedrich einiges ausprobiert, nun könnte seine Berufung gefunden haben

Die Arbeit von Arne Friedrich bei Hertha BSC ist damit kaum zu vergleichen. Sein Fokus ist sehr viel stärker auf die Mannschaft und deren Leistung ausgerichtet. Daher die Bezeichnung „Performance Manager“ – auch wenn sie in der Branche einigen Spott ausgelöst hat. Intern aber wird Friedrichs Wirken durchaus positiv bewertet. Deshalb ist es kein Wunder, dass Hertha über eine Weiterbeschäftigung in der bisherigen oder einer vergleichbaren Funktion nachdenkt.

Die Variante, dass Friedrich über Klinsmanns eigentliches Vertragsende in diesem Sommer hinaus bei Hertha bleiben könnte, ist schon bei seiner Anstellung zumindest einmal gedanklich durchgespielt worden. Die Frage ist, was Friedrich will. Seitdem er im Jahr 2013 wegen anhaltender Rückenprobleme seine Karriere beim MLS-Klub Chicago Fire beenden musste, hat er einiges ausprobiert, sich aber auch noch nicht endgültig festgelegt, wo er sein künftiges Betätigungsfeld sieht. Friedrich hat als Experte fürs Fernsehen gearbeitet, für eine große Sportmarketing-Agentur, aber auch als Co-Trainer der deutschen U-18-Nationalmannschaft. Zudem ist er bisher zwischen Berlin und Los Angeles gependelt.

Preetz und Friedrich sind in der Tat im Austausch darüber, ob und wie es mit ihrer Zusammenarbeit weitergehen könnte. Konkrete Verhandlungen aber gab es bisher keine. Und da Hertha alle personellen Planungen wegen der Coronakrise erst einmal auf Eis gelegt hat, wird es die so schnell wohl auch nicht geben.

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