Auch selbstfahrende Autos brauchen Airbag und Sicherheitsgurt | ZEIT ONLINE


Der Widerstand war groß, als 1976 die Anschnallpflicht in
Deutschland eingeführt
wurde. Autofahrerinnen und Autofahrer fühlten sich durch den Sicherheitsgurt
körperlich und in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeengt. Doch es half nichts,
der Gurt wurde Pflicht, und ist heute die wesentliche Schutzeinrichtung im Auto:
Er nimmt zwei Drittel der Energie eines Aufpralls auf. Unterstützt wird er
durch Airbags, die den Rest der Aufprallenergie absorbieren. Gurt und Airbag
funktionieren nur in Kombination: Der eine hält zurück, der andere dämpft ab.

Diese Grundfunktionen werden beide auch in autonom fahrenden
Autos erfüllt, denn ohne Gurt und Airbag fährt man auch dort nicht sicher.
Mehr noch: Das automatisierte Fahren und neue Formen der Antriebstechnik
bringen viele neue Aufgaben für das Lebensretterduo mit sich.

Heute ist die Sicherheitslage in einem Auto eindeutig
definierbar: Alle Insassen sitzen aufrecht und in Fahrtrichtung. Anhand dieser
Normposition werden Gurte und Airbags ausgelegt. Beim automatisierten Fahren
jedoch gibt es gleich mehrere Sitzpositionen, in denen Gurte und Airbags
schützen sollen: aufrecht sitzend, flach liegend, seitwärts gedreht, bis hin
zum 180-Grad-Dreh zu den Fondpassagieren. „Die Freiheitsgrade der Insassen in
ihren unterschiedlichen Sitzpositionen führen zu einem exponentiellen Anstieg
an Anwendungsfällen, in denen die Personen geschützt werden müssen“, sagt Michael Büchsner. Er leitet die Division Passive Sicherheitstechnik beim Zulieferer ZF Friedrichshafen.

Variable Sitzpositionen erfordern anderen Insassenschutz

Dort arbeiten Ingenieure an neuen Konzepten, wie Menschen in
autonom fahrenden Autos gut geschützt werden können
. Bei ZF ist man überzeugt:
Autonomes Fahren macht Sicherheitsgurt und Airbag nicht entbehrlich. Ganz im
Gegenteil: Beide Systeme müssen dann viel mehr Möglichkeiten abdecken als
heute, weil es erheblich mehr unterschiedliche Sitzszenarien gibt. Aus einem
heutigen frontalen Aufprall wird zum Beispiel bei gedrehtem Sitz plötzlich ein
Seitencrash. Das verändert die Art der Verletzungen bei einem Unfall.

„Um in all diesen Positionen zu schützen, muss die
Sicherheitstechnik näher an die Insassen rücken“, sagt Büchsner. So werden etwa
Sicherheitssysteme in die Sitze integriert. „Sicherheitsgurt, Airbag und Sitz
bilden dann mit dem Insassen eine Einheit“, erklärt Norbert Kagerer,
Entwicklungschef Integrated Safety bei ZF. Airbags schießen nach dem Zünden so
nicht mehr frontal auf die Passagiere zu, sondern kommen aus den Wangen des
Sitzes und umklammern den Fahrer.

Diese Luftsäcke werden jedoch nur einen Teil der Energie
abfangen können. Den anderen Teil übernehmen Airbags, die größere Bereiche, etwa
auf der Instrumententafel, absichern und teilweise aus dem Dachhimmel kommen, um
näher am Passagier zu sein. Das ist notwendig, weil sich wegen der
unterschiedlichen Sitzpositionen die Abstände, etwa zum Lenkrad, ändern – aus dem
schießt in konventionellen Fahrzeugen der Airbag, der Kopf und Brust schützt.



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