Bahn und Gewerkschaften vertagen Tarifverhandlungen | ZEIT ONLINE


Tarifstreit – Bahn will weiter mit Gewerkschaften verhandeln
Die Lokführergewerkschaft GDL hatte die Gespräche mit der Bahn als gescheitert bezeichnet. Die Bahn will die Verhandlungen jetzt mit einem besseren Angebot wieder aufnehmen.

© Foto: Christoph Soeder

Die Deutsche Bahn steht im Tarifstreit mit der Lokführergewerkschaft GDL sowie der Eisenbahn- und
Verkehrsgewerkschaft (EVG) vor langwierigen Verhandlungen. So wurden die Gespräche mit den Vertretern der EVG abgebrochen und auf diesen Mittwoch vertagt. Die Arbeitnehmervertreter der Lokführer verlangen nun ultimativ ein neues Angebot der Bahn. Laut GDL-Chef Claus Weselsky soll dies bis um zum frühen Vormittag vorliegen.

„Das jüngste Angebot über die Erhöhung
des Entgelts in Verbindung mit der vorgeschlagenen Laufzeit war nicht
akzeptabel“, sagte Weselsky. Es sei nun nur noch bis neun Uhr Zeit, „um die strittigen Punkte einer Lösung in freien Verhandlungen zuzuführen“, ergänzte der Gewerkschaftschef. Die Bundestarifkommission und der Hauptvorstand seiner GDL wollen dann den Stand
der Tarifverhandlungen bewerten „und anschließend die
erforderlichen Beschlüsse fassen“. Die GDL könnte das Scheitern
der Verhandlungen erklären und damit ein Schlichtungsverfahren
einleiten. Erst danach darf sie nach geltender Vereinbarung zu einem
Streik aufrufen.

Auch bei den parallel stattfindenden Verhandlungen der Bahn mit der EVG gibt es bislang keine Einigung. Wie schon am vergangenen Samstag unterbrachen die Gewerkschafter die Verhandlungen auch am Dienstagabend.
Trotz des Warnstreiks am Montag konnte die Gewerkschaft die Bahn bislang zu keinen großen Zugeständnissen bewegen.

Beide Gewerkschaften fordern 7,5 Prozent mehr Lohn

Vor zwei
Monaten waren beide Gewerkschaften mit einer Forderung nach 7,5
Prozent mehr Einkommen in die Tarifrunde eingestiegen. Die Bahn hatte
am Wochenende eine Einkommenserhöhung in zwei Stufen angeboten: 2,5
Prozent zum 1. März 2019, weitere 2,6 Prozent zum 1. Januar 2020,
bei einer Vertragslaufzeit von 29 Monaten. Für die Monate Oktober
2018 bis Februar 2019 sollte eine Einmalzahlung von 500 Euro
hinzukommen.

Die EVG verlangte zuletzt für die erste
Erhöhungsstufe 3,5 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Laut
der Gewerkschaft sollte zumindest eine drei vor dem Komma stehen.

Die Bahn strebt an,
bei den übergreifenden Tariffragen wie dem Entgelt mit EVG und GDL
gleiche Abschlüsse zu erzielen. Bahn-Personalvorstand Martin Seiler
hat mehrmals klargemacht, er wolle möglichst mit beiden
Gewerkschaften „für gleiche Berufsgruppen auch zu vergleichbaren
Ergebnissen kommen“. Während die EVG etwa 160.000
Inlandsbeschäftigte der Bahn vertritt, verhandelt die kleinere GDL
für einen Teil davon – rund 36.000 Beschäftigte. Darunter vor allem
Lokführerinnen und Lokführer, Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter, sowie Bordgastronomen.



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