Bernhard Mattes: Deutschlands wichtigster Autolobbyist geht – wer übernimmt?

Paukenschlag während der IAA: Chef des Verbands der Automobilindustrie tritt zurück

Der VDA ist einer der einflussreichsten Lobbyverbände in Deutschland. Nun kündigt Präsident Bernhard Mattes überraschend seinen Rücktritt an – mitten zur IAA und in einer schwierigen Phase der Autoindustrie. Als sein Nachfolger wird der ehemalige Ministerpräsident und EU-Kommissar Günther Oettinger gehandelt.

Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie, Bernhard Mattes, legt zum Jahresende sein Amt nieder. Mattes werde sich neuen Aufgaben zuwenden, teilte der VDA am Donnerstag mit. Zu den Gründen wurde zunächst nichts bekannt. Der frühere Ford-Manager ist erst seit März 2018 VDA-Präsident. Der Verband gilt als einer der einflussreichsten Lobbyverbände in Deutschland. Der Schritt kommt mitten zur Internationalen Automesse IAA in Frankfurt.

Am Vormittag hatte der 63-Jährige noch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Automesse eröffnet. Zu den Gründen für den Rücktritt wurde zunächst nichts bekannt.

Der frühere Ford-Manager ist erst seit März 2018 VDA-Präsident, seine Amtszeit lief eigentlich bis Ende 2020. Der Verband gilt als einer der einflussreichsten Lobbyverbände in Deutschland, die Autobranche mit mehr als 800.000 direkt Beschäftigten als Schlüsselindustrie.

Lob für Matthes von Daimler und Continental

Ein Daimler-Sprecher sagte: „Wir bedauern diese Entscheidung.“ Daimler sei mit der Zusammenarbeit zufrieden gewesen. Der Chef des Autozulieferers Continental, Elmar Degenhart, ließ mitteilen, er habe die Ankündigung mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Ruhig, sachlich und zielorientiert habe Mattes versucht, dem Verband in einer Phase des Umbruchs eine einheitliche Stimme zu geben. Nun müsse der VDA seine Neuorientierung fortsetzen und die notwendigen Veränderungen einleiten.

Der „Spiegel“ hatte vor kurzem berichtet, an Mattes werde Kritik laut. Es gebe „Defizite in der politischen Unterstützung“ für die Industrie, hatte das Magazin unter Berufung auf einen hochrangigen Automanager berichtet. Der VDA verkaufe sich unter Wert.

Volvos Edel-Stromer im ersten Check: Wie Tesla, nur ohne abfallende Teile

Oettinger könnte neuer VDA-Chef werden

Kritiker hielten Mattes laut Magazin vor, er sei nicht eng genug mit den Entscheidungsträgern in Berlin und Brüssel vernetzt. Gerade jetzt, wo die Politik die Klimaziele verschärfe, brauche die Autoindustrie eine stärkere Stimme. Der „Spiegel“ berichtete, es kursiere bereits der Name eines möglichen Nachfolgers: Günther Oettinger, der im November seinen Posten als EU-Kommissar aufgibt.

Angesprochen auf seine Zukunft nach seiner Zeit als EU-Kommissar sagte Oettinger am Montag auf der Digitalkonferenz DLD in Brüssel, dass er „noch nicht in Rente“ gehen wolle. Er plane, sich als Steuerberater unternehmerisch selbstständig zu machen und habe darüber hinaus viele Ideen. Eine endgültige Entscheidung wolle er allerdings erst Ende Oktober treffen.

Auto-Industrie im Wandel

Die Autoindustrie befindet sich derzeit in einem grundlegenden Wandel, hin zu mehr alternativen Antrieben wie der Elektromobilität. Die Hersteller sind wegen strengerer EU-Umweltvorgaben unter Druck. Für den Umbau werden Milliarden benötigt. Zugleich wird aus Klimaschutzgründen die Kritik immer lauter an schweren Sport-Geländewagen (SUV), die aber eine hohe Rendite abwerfen.

Mattes hatte sich auf der IAA gegen eine Verschärfung der bereits geltenden Klimaziele gewandt. Zunächst müsse das erledigt werden, was vereinbart worden sei, sagte er in Richtung Politik. Während die Industrie Technologien zur Verfügung stelle, halte die notwendige Infrastruktur für alternative Antriebe nicht mit.

Turbulente Szene: Mann stürmt bei Merkel-Auftritt die Bühne

 

flr/dpa


Source link

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.