BlackPods Pro im Test: Lasst Euch nicht veräppeln

Nicht zuletzt aufgrund diverser YouTube-Reviews erfreuen sich Fake-AirPods großer Beliebtheit. Sogenannte BlackPods kosten ein Bruchteil der Original-Kopfhörer von Apple. Wir haben ein Exemplar der Billig-AirPods getestet.

Alles nur gefaked

Im Netz tummeln sich etliche Reviews sogenannter BlackPods. Die Fake-Apple-Kopfhörer wurden gehypet – ein gefährlicher Hype, wie sich schnell herausgestellt hatte. Denn die meisten Shops, die die vermeintlichen Alleskönner vertreiben, werden von Betrügern aufgesetzt. Oftmals gibt es keine Ware für die bis zu 70 Euro, die ein Paar der Kopfhörer im Apple-Design kosten. Manchmal erhält man Ware – diese hat aber mit den gehypten Produkten in Reviews wenig zu tun.

In seriösen Shops könnt Ihr immer per PayPal zahlen und seid über den Käuferschutz abgesichert. Unseriöse Anbieter fordern ausschließlich die Zahlung per Kreditkarte – wer zahlt, ist selbst schuld. Das musste ich im vergangenen Jahr am eigenen Leib erfahren, denn nach einem Review von Fake AirPods des Tech-YouTubers Unbox Therapy bin ich auf einen BlackPods-Betrug hereingefallen. Ich bekam nur die Hälfte meiner Bestellung geliefert und die Kopfhörer im Wert von 60 Euro waren nicht mal sechs Prozent des Verkaufspreises wert – ich konnte nur mit Kreditkarte zahlen und blieb auf den Kosten sitzen.

Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass der Onlineshop Lectrify uns die BlackPods Pro für ein Review zur Verfügung gestellt hat. So manche Bewertungen im Netz hauen einen aber auch wirklich vom Stuhl. Die BlackPods Pro sollen ziemlich viel können, was auch Apples teure originale AirPods Pro leisten:

  1. Smartes Ladecase mit Wireless Charge
  2. Noise Cancelling
  3. Transparenzmodus
  4. Belüftung für Druckausgleich
  5. Siri-Kompatibilität
  6. Sagenhafter Audiogenuss dank H1-Chip
  7. Lange Akkulaufzeit

Ich habe mir die aufgezählten Disziplinen genauer angesehen und verrate Euch, was Fake ist und was gut funktioniert.

1. Smartes Ladecase mit Wireless Charge

Beim Auspacken der BlackPods, die uns zugeschickt wurden, war ich schon erstaunt, wie hochwertig das Ladecase aussieht und sich auch anfühlt. Das matte Schwarz knistert schön samtig auf den Fingerkuppen und die abgerundeten Ecken laden zum Anfassen ein. Wie bei den echten Apple-Kopfhörern ist der Deckel mit einem Magnetverschluss versehen, der einen sehr angenehmen Widerstand beim Öffnen und Schließen bietet. Smart ist auch das Ladecase der BlackPods Pro, denn mein iPhone 11 Pro erkannte die Kopfhörer als AirPods Pro innerhalb von Sekunden nach Öffnen der Schachtel. Das machte direkt Lust auf mehr.

Doch zunächst wollte ich herausfinden, ob das auf der Website versprochene kabellose Laden funktioniert. Oder besser gesagt: Ob das Produkt vorgibt, zu funktionieren. Denn bei BlackPods müssen wir ganz strikt zwischen „funktioniert“ und „tut so als ob“ unterscheiden, wie ich schnell herausfand. Lege ich die BlackPods Pro auf ein Ladepad, blinkt das grüne Lämpchen zwar. Leider konnte ich nicht herausfinden, ob die Kopfhörer wirklich aufladen, denn beim Auf- und Zuklappen wird auf dem iPhone-Screen jedes Mal ein anderer Ladestand angezeigt. Die Werte sind für rechten Kopfhörer, linken Kopfhörer und Ladecase wahllos zusammengewürfelt. Seht selbst und achtet auf die Uhrzeit im Hintergrund:

Halten wir also fest: Das Ladecase ist durchaus smart, ja. Es verbindet die Kopfhörer problemlos mit dem iPhone beim Aufklappen. Wireless Charge an Bord? Das kann ich nicht verifizieren. Auch die Batterieanzeige in der Widgets-Übersicht, die beispielsweise den Ladestand einer Apple-Watch oder meiner Sony-Kopfhörer anzeigt, zeigt Fake-Werte für die BlackPods an.

2. Noise Cancelling

Ich habe nicht wirklich mit einer aktiven Geräuschunterdrückung bei den BlackPods gerechnet, aber andere tun das. Den Begriff „ANC“ nimmt der Online-Shop auch nicht in den Mund, nutzt aber munter Apples Visualisierungen und zeigt gezeichnete Schallwellen im entsprechenden Bereich auf der Website. Tatsächlich bieten die BlackPods Pro nur natürliche Geräuschunterdrückung, die durch den Unterdruck beim Tragen im Gehörgang entsteht. Und der ist mehr als dürftig. Das Wort „Geräuschunterdrückung“ wird meiner Meinung nach ohnehin von Werbebetrügern missbraucht – es wird eine vorhandene Technologie suggeriert.

3. Transparenzmodus

Auch Apples Transparenzmodus ist natürlich nicht an Bord. Dieser Modus soll bei den echten AirPods Pro Geräusche in den Gehörgang eindringen lassen. Durch Betätigen des Drucksensors an der Unterseite der AirPods Pro können auf diese Weise alle wichtigen Umweltgeschehnisse eingeblendet werden. Die BlackPods Pro geben aber auch an dieser Stelle vor, es dem teuren Original nachzutun. Denn im Kontrollcenter finden wir die BlackPods Pro gleich neben dem Schieberegler für die Helligkeit. Mit Druck auf das Symbol erscheint ein weiterführendes Menü, in dem ich manuell, also ohne Sensor am Kopfhörer, bei dem Original Noise Cancelling oder den Transparenzmodus bedienen kann. Die Fake-Kopfhörer lassen sich ebenfalls munter steuern, aber mit den Kopfhörern passiert nichts.

Das erinnert mich irgendwie an meine Kindheit, als ich über Miniaturausgaben echter technologischer Vorbilder verfügte und damit spielen konnte. Viele Spielsachen mit Batterie gaben vor, etwas zu können, aber es passierte dann einfach nichts beim Drücken – heute ist das genau so enttäuschend wie damals.

4. Belüftung für Druckausgleich

Können sie natürlich auch! Auf den ersten Blick fällt auf, dass wie beim Original für den ausgeklügelten Druckausgleich ein Schacht auf der Innenseite der AirPods Pro mit einem auffälligen schwarzen Gitter abgedeckt ist. Das Gitter weisen auch die BlackPods Pro auf. Den Sticker, der den Fake perfekt macht, hat man allerdings irgendwann im Gehörgang kleben. Danach schneiden die Kanten der Aufkleberaussparung unangenehm in die Haut ein.

5. Siri-Kompatibilität

Mit Druck auf die wirklich vorhandenen Sensoren an der Unterseite der Fake AirPods Pro pingt tatsächlich Siri auf und wartet auf Befehle. Zunächst dachte ich, dass das wirklich funktioniere – Siri erstellt Kalendereinträge, Erinnerungen und verschickt Nachrichten. Sobald man sich aber wenige Meter vom iPhone entfernt, funktioniert das Ganze nicht mehr. In diesem Zuge habe ich den nächsten Aufkleber-Schwindel enttarnt: Die Mikrofone an den Außenseiten existieren gar nicht. Der Druck auf die „Sensoren“ sendet lediglich ein Signal ans iPhone, Siri zu aktivieren. Die BlackPods Pro tun gar nichts. Ergo könnt Ihr mit den Dingern nicht mal ein Telefonat führen. Unglaublich frech.

6. Sagenhafter Audiogenuss dank H1-Chip

Dieser Punkt hat mich noch fassungsloser gemacht. Der Shop wirbt auf der Website tatsächlich ganz dreist mit dem H1-Chip von Apple, der sich im aktuellen AirPods-Pro-Modell befindet. Die Tatsache, dass man sogar mit geklauten Bildern wirbt, setzt der Dreistigkeit die Krone auf:

Hier werkelt kein H1-Chip, sondern billigste Schrott-Technik. Akku, Lautsprecher und Platine haben keinen Berührungspunkt zu Apples Kopfhörern. Ich habe sie für Euch mal auseinandergenommen:

Die Musik, die aus den Dingern rauskommt, klingt nicht absolut grausam, es ist in Ordnung.
Ich würde es vergleichen mit der Soundqualität, die man in Standardkopfhörern in Flugzeugen dargeboten bekommt. Doch die schaffen dank Kabel eine stabilere Verbindung – die BlackPods Pro, die ich getestete habe, ächzten alle fünf Minuten in meine Ohren aufgrund von Verbindungsproblemen. Dabei lag das iPhone nur 20 Zentimeter von ihnen entfernt.

7. Lange Akkulaufzeit

Dieser Punkt ist der einzige, den ich einigermaßen optimistisch bewerten kann. Aber ist doch auch klar: Die BlackPods Pro können nichts, leisten nichts, bieten die schlechteste Bluetooth-Verbindung, kein Mikrofon und keinen High-End-Audio-Chip. Natürlich hält der Akku lang. Wie lang genau, habe ich nicht festgehalten und konnte ich auch nicht ausprobieren, da mir nach wenigen Stunden In-Ears-Tragen die Ohren wehtun.

Kauft keine BlackPods Pro

Rund 60 Euro kosten die BlackPods Pro im Internet auf diversen Plattformen.Wir können Euch nicht empfehlen, die Kopfhörer zu kaufen, egal wo. Wir verlinken Euch deshalb auch keinen Shop. Die Sache mit den Fake AirPods hat sich zur absoluten Betrugsmasche entwickelt und nur aufgrund des Hypes von Technik-Reviewern haben die Kriminellen hier leichtes Spiel. Aber das ist ein anderes, aufwendigeres Thema, dem ich in einem gesonderten Artikel bald auf den Grund gehen werde. Für diese BlackPods Pro gilt: Werft Euer Geld lieber aus dem Fenster. Leider erlaubt unser Review-System die Vergabe von null Sternen logischerweise nicht.

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