Bundesliga startet in der zweiten Maihälfte: Der Fußball bekommt seinen Willen

Anpfiff. Die Bundesliga darf weitermachen.FOTO: IMAGO IMAGES/REVIERFOTO

Eigentlich kann dem Fußball, der dazu neigt, sich ein bisschen zu überhöhen, diese Form der Geringschätzung nicht gefallen. Bei der Videokonferenz der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder stand er erst ganz am Ende auf der Tagesordnung, und als Angela Merkel später vor der Presse die Ergebnisse der Verhandlungen vorstellte, wurde er nur in einem Nebensatz abgehandelt. Aber letztlich konnte es dem Fußball egal sein. Entscheidend ist: Er hat seinen Willen bekommen. Bundesliga und Zweite Liga dürfen ab Mitte Mai wieder spielen. Wann genau, das steht allerdings noch nicht fest.

Als Termin für den Neustart stehen der 15. und der 22. Mai zur Debatte. Die Politik konnte sich in dieser Frage nicht einigen. Das Land Bremen hatte für den späteren Termin plädiert – aus Gründen der Wettbewerbsgleichheit. Da in Bremen besonders strenge Regeln gelten, darf der SV Werder bisher nur in Kleingruppen mit maximal vier Personen trainieren, während andere Klubs sogar schon das Mannschaftstraining begonnen haben.

In dieser Frage ist es laut Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) „ordentlich zur Sache“ gegangen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Der 15. Mai sei weder aus gesundheitlicher noch aus arbeitsschutzrechtlicher Sicht sinnvoll, warnte Bovenschulte. Wegen der knappen Vorbereitungszeit sei die Gesundheit der Spieler gefährdet.

Über den genauen Termin für den Neustart der Bundesliga soll nun die Deutsche Fußball-Liga entscheiden. Da die DFL so schnell wie möglich loslegen will, spricht einiges dafür, dass schon Ende kommender Woche wieder gespielt werden kann – es wäre genau das Wochenende, an dem unter normalen Umständen die Saison 2019/20 in der Bundesliga und der Zweiten Liga zu Ende gegangen wäre.

Um die Details des Neustarts zu regeln, hat die DFL ihre 36 Mitglieder aus der Ersten und Zweiten Liga für diesen Donnerstag zu einer Mitgliederversammlung eingeladen. Wahrscheinlich wird die Saison mit dem Spieltag fortgesetzt, der bei der Unterbrechung Mitte März angestanden hätte. Das erste Spiel nach der Pause wäre dann die Partie zwischen Fortuna Düsseldorf und dem SC Paderborn. Der 1. FC Union Berlin würde Bayern München im eigenen Stadion empfangen, Hertha BSC müsste beim Debüt des neuen Trainers Bruno Labbadia bei der TSG Hoffenheim antreten.

„Wir wissen: Es ist kontrovers“, sagte Söder

„Wir wissen, dass das sehr kontrovers ist“, sagte der bayrische Ministerpräsident Markus Söder zur Spielgenehmigung für den Profifußball. Auch um nicht den Eindruck zu erwecken, dass es für den Profisport eine Sonderregelung gibt, haben Bund und Länder am Mittwoch den Trainingsbetrieb im Breiten- und Freizeitsport unter freiem Himmel ebenfalls wieder erlaubt, wenn auch auf einige Sportarten beschränkt.

In der Bundesliga ruht wegen der Coronavirus-Pandemie seit acht Wochen der Spielbetrieb. Am 11. März trafen Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln in einem Nachholspiel aufeinander. Schon diese Begegnung fand in einem leeren Stadion unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. An dieses Bild werden sich die Fußballfans erst einmal gewöhnen müssen. Zuschauer werden in den Stadien nicht erlaubt sein. Trotzdem hatten die Klubs vehement für die Fortsetzung des Spielbetriebs plädiert – weil bei einem großen Teil von ihnen das wirtschaftliche Überleben davon abhängt.

„Spiele ohne Stadion-Zuschauer sind für niemanden eine ideale Lösung“, sagte Christian Seifert, der Geschäftsführer der DFL. „Es ist in einer für einige Klubs existenzbedrohenden Krise allerdings die einzige Möglichkeit, den Fortbestand der Ligen in ihrer jetzigen Form zu bewahren.“ Die Vereine der Ersten und Zweiten Liga sind in hohem Maße von den Beträgen aus der Fernsehvermarktung abhängig. Mit diesem Geld können sie dank der Wiederaufnahme des Betriebs nun – halbwegs – sicher planen. Bei einem vorzeitigen Abbruch der Saison hätten ihnen Schätzungen zufolge 750 Millionen Euro gefehlt. Rund einem Drittel der Erst- und Zweitligisten hätte unter diesen Voraussetzungen die Insolvenz gedroht.

82 Spiele stehen noch aus

Neun komplette Spieltage stehen noch aus, dazu das Nachholspiel zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt, also insgesamt 82 Begegnungen. Ziel der DFL ist es, die Saison bis zum 30. Juni abzuschließen. Auch der DFB-Pokal und die Europapokalwettbewerbe sind wegen Corona unterbrochen worden. Wann und wie es dort weitergeht, ist noch fraglich.

In Frankreich und Holland sind die Ligawettbewerbe bereits offiziell beendet worden; in anderen Ländern wird es bis zum Neustart der Spiele wohl noch dauern. Dass die Bundesliga nun den Anfang macht, liegt daran, dass sie ein umfassendes „Medizinisches Konzept für Training und Spielbetrieb im professionellen Fußball unter Bedingungen der SARS-CoV-2-Pandemie“ vorgelegt hat.

Söder kritisiert Herthas Kalou

Mit diesem Konzept soll das Risiko für die Spieler, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, auf ein Minimum reduziert werden. „Aber es sollten sich die Spieler auch an die Regeln halten“, sagte Bayerns Ministerpräsident Söder mit Blick auf die Bilder, die Anfang dieser Woche aus der Kabine von Hertha BSC zu sehen waren. Die Hygienevorschriften gälten nicht nur für normale Menschen, sondern auch für „solche, die sehr, sehr gut verdienen“. Das Video von Herthas Salomon Kalou sei daher „schon ein schweres Eigentor“ gewesen. Gut für Kalou und Hertha BSC: Dieses Eigentor war am Ende nicht mehr spielentscheidend.

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