Corona: Zwei Serien thematisieren das Leben mit der Pandemie

Szene aus

Corona ist eine Herausforderung für die Fernsehproduzierenden. Denn ein Film, eine Serie oder eine Show sind immer das Produkt vieler verschiedener Menschen. Regisseure, Autoren, Cutter, Setdesigner, Maskenbildner und nicht zuletzt die Schauspieler müssen zusammenkommen, um gemeinsam etwas zu schaffen, das sich andere Menschen gerne ansehen.

In Zeiten von Kontaktsperren und Social Distancing ist es kaum möglich, neue Fernsehinhalte zu produzieren. Oder doch? Zwei neue Serien zeigen, dass es auch gegenwärtig möglich ist, Serien zu drehen. Beide sind für ZDFneo entstanden. Und beide erzählen von unserem Leben mit der Pandemie.

Lavinia Wilsons täglicher Kampf im Homeoffice

Am schnellsten auf die neue Lage reagiert hat die btf aus Köln. Die Produktionsfirma, die für Jan Böhmermanns Show ebenso verantwortlich war wie für die hoch gelobte Netflix-Serie „How To Sell Drugs Online (Fast)“. Und nun hat das Autorenteam des „Neo Magazin Royale“ – Max Bierhals, Tarkan Bagci, Patrick Stenzel, Giulia Becker – in kürzester Zeit die Serie „Drinnen – Im Internet sind alle gleich“ aus dem Boden gestampft. In 15 zwischen acht und zwölf Minuten langen Folgen wird die Geschichte von Charlotte (Lavinia Wilson) erzählt, einer Werberin, die wie so viele gerade im Homeoffice arbeitet und ihr Leben über den Bildschirm führt. (Alle Folgen sind in der ZDF-Mediathek abrufbar)

Ihren Mann (Barnaby Metschurat, der auch im echten Leben mit Wilson verheiratet ist) und ihre drei Kinder hat sie unter einem Vorwand vorübergehend ausquartiert, um ungestört tindern zu können. So ist ihr Leben ein stressiges Hin und Her zwischen beruflichen Videokonferenzen, nervigen Anrufen der Eltern, heißen Tinderflirts und Telefonaten mit ihrem Ehemann.

Bisweilen ist das Geschehen auf Charlottes Monitor arg hektisch, und als Zuschauer hat man immer Angst, etwas zu verpassen. Andererseits ist hier ordentlich was los, trotz der Reduktion auf die Wohnung kommt hier nicht eine Sekunde Langeweile auf. Zum Ende hin nimmt die Geschichte sogar tragische wie humorige Wendungen. Dran bleiben lohnt sich also.

In der ersten Folge von "Liebe. Jetzt!" versuchen Thorsten (Jürgen Vogel) und seine schwangere Freundin Jana (Natalia Belitski) per Videochat mit der Paartherapeutin ihre Beziehung zu retten.  ©Juan Sarmiento G.ZDF
In der ersten Folge von „Liebe. Jetzt!“ versuchen Thorsten (Jürgen Vogel) und seine schwangere Freundin Jana (Natalia Belitski) per Videochat mit der Paartherapeutin ihre Beziehung zu retten. ©Juan Sarmiento G.ZDF

Einen ganz anderen Ansatz wählt „Liebe. Jetzt!“, (ab dem 1. Mai in der ZDF-Mediathek abrufbar, am 3. Mai am Stück auf ZDFneo). Hier handelt es sich streng genommen nicht um eine Serie, da die sechs rund 20 bis 25 Minuten langen Episoden für sich stehen und Corona nur die Klammer ist, die das Geschehen vereinigt. Das ZDF spricht deshalb auch von „sechs Kurzgeschichten“, die von sechs verschiedenen Autoren geschrieben worden sind und von ganz unterschiedlichen Menschen erzählen.

Jürgen Vogel mit Beziehungsstress

In der ersten Folge versuchen Thorsten (Jürgen Vogel) und seine schwangere Freundin Jana (Natalia Belitski, auch in der Realität Vogels Partnerin) ihre Beziehungsprobleme in den Griff zu bekommen. Via Videokonferenz lassen sie sich von der Paartherapeutin Lamia (Dela Dabulamanzi) coachen.

Die zweite Folge erzählt dagegen sehr einfühlsam von der sich anbahnenden Liebe zwischen den Studenten, die sich zwar schon länger kennen, aber erst näher kommen, als Max (Leonard Scheicher) in Wien strandet und ihm Lucy (Lea Zoe Voss) eine Unterkunft organisiert. Via Videocalls kommen sich beide in intensiven Tagen näher.

Kim Kardashian: Tochter North stört Ansprache

Auch wenn wenn man beiden Serien mitunter anmerkt, dass sie unter Hochdruck entstanden sind, so ist die Originalität zu bewundern. Verglichen mit dem Tempo, mit dem die Mühlen im deutschen Fernsehen mahlen. Bis etwa der erste „Tatort“ zu sehen sein wird, der Corona thematisiert, wird das Virus vermutlich schon besiegt sein.

Der einzige Knackpunkt könnte werden: Möchten Menschen, die den ganzen Tag ohnehin zu Hause bleiben müssen, im Fernsehen anderen Menschen dabei zu sehen, wie sie ihr Leben ebenfalls in den eigenen vier Wänden führen? Doch auch wen das Setting abschreckt – beide Formate zeigen, was Fernsehen zu leisten imstande ist und verdienen deshalb einen Blick.

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