Coronavirus in China: Sind Schlangen schuld?

Werden als mögliches Reservoir für das Coronavirus in China diskutiert: Schlangen  ©Diego Azubel/EPADPA

[ad_1]Ratten, Krokodile, Füchse, Schlangen, Pfaue und Kamelfleisch: Die Angebote des Huanan-Marktes in der chinesischen Metropole Wuhan lesen sich wie eine lange Liste an Kuriositäten. Von diesem Markt aus verbreitete sich offenbar das Coronavirus, an dem mittlerweile Hunderte erkrankt und 26 Menschen gestorben sind. Die ersten Infizierten im Dezember 2019 waren zunächst Verkäufer, die dort gearbeitet hatten. Seit dem 1. Januar ist der Markt geschlossen. Die Örtlichkeit wurde gereinigt und desinfiziert. 

Schon früh nach Bekanntwerden der ersten Fälle vermuteten Wissenschaftler, es könne sich um ein zoonotisches Virus handeln – also einen Erreger, der von Tieren auf den Menschen übergegangen ist. Bleibt die Frage: Von welchem Tier? Das Coronavirus mit dem Kürzel 2019-nCoV ist genetisch eng verwandt mit dem Sars-Erreger, an dem in den Jahren 2002 und 2003 rund 800 Menschen starben. Das Virus ging damals von Zibetkatzen aus. Dabei handelt es sich marderähnliche Säugetiere, die überwiegend auf dem Boden leben.

Chinesische Wissenschaftler konnten 2019-nCoV relativ schnell isolieren, sequenzieren und veröffentlichten das Genom des Erregers in einer öffentlichen Datenbank. Forscher weltweit konnten dadurch Tests auf den Erreger entwickeln – eine wichtige Maßnahme, sollte sich der Erreger auch in anderen Ländern ausbreiten.

Andere Forscher nutzten das Erbgut, um den Ursprung des Virus zu bestimmen, darunter ein Team chinesischer Wissenschaftler um den Mikrobiologen Wei Ji. Das Ergebnis veröffentlichten sie Mitte dieser Woche im Fachblatt „Journal of Medical Virology“. Eine Analyse des Erbguts von 2019-nCoV habe demnach ergeben, dass Schlangen die „wahrscheinlichsten“ Träger des Virus in freier Wildbahn seien, schreiben die Forscher. Medien weltweit berichteten über die Studie. Schnell war die Rede von einer Art „Schlangen-Grippe“.

Heftige Kritik an der Studie

Andere Experten wie Edward Holmes, Zoologe an der University of Sydney, widersprechen der Theorie dagegen. Gegenüber dem Magazin „Wired“ fand Holmes deutliche Worte. Die Schlangen-Theorie ist seiner Meinung nach „Unsinn“. Zwar sei es gut, dass die viralen Sequenzen öffentlich zugänglich gemacht worden seien. „Der Nachteil ist, dass Menschen diese Daten dann nutzen, um Schlüsse zu ziehen, die sie eigentlich nicht ziehen sollten.“

Die chinesischen Wissenschaftler hatten Genom-Sequenzen des Virus mit denen potenzieller Wirte verglichen. Es ist bekannt, dass sich Viren an ihre Wirte anpassen können – bestimmte Eigenschaften können so miteinander verglichen werden. Ein Problem der Auswertung bestehe laut Holmes aber darin, dass die chinesischen Wissenschaftler nur eine Handvoll potenzieller Wirte miteinander verglichen hatten. Menschen zählten dazu, aber auch Fledermäuse, Hühner, Igel, Schuppentiere und Schlangen. Holmes ist das nicht aussagekräftig genug: „Es könnte leicht andere Arten geben, die noch mehr in Frage kommen als Schlangen, aber wir wissen es nicht, weil diese nicht in die Analysen aufgenommen wurden.“ Hinzu komme, dass sich die Biologie von Schlangen stark von Säugetieren unterscheide, so Holmes.

Ist die Schlangen-Theorie damit vom Tisch? Nathan Grubaugh, Epidemiologe an der Yala School of Public Health, beschwichtigt. „Ich sage nicht, dass es nicht möglich wäre. Es könnte so sein. In der Natur geschehen seltsame Dinge.“ Allerdings sei die Evidenz dafür gering.

Medizin-Forscherin im Labor

Fledermäuse als natürlicher Wirt?

Im Fachmagazin „Science China Life Sciences“ erschien dagegen bereits am Dienstag eine Studie, die Fledermäuse als mögliches Erreger-Reservoir anführt. Es gebe eine enge Beziehung zwischen dem Wuhan-Erreger und einem Virus, das natürlicherweise in Fledermäuse auftrete, heißt es darin. „Es wäre die logische und naheliegendste Schlussfolgerung, dass Fledermäuse der natürliche Wirt des Wuhan-CoV sind, auch wenn es wahrscheinlich ist, dass es einen oder mehrere Zwischenwirte bei der Übertragungskaskade von Fledermäusen zu Menschen gab“, schreiben die Wissenschaftler, die an Forschungsinstituten in China arbeiten. Welche Tiere das im Einzelnen sein könnten, darüber stellten die Forscher keine Spekulationen an. David Robertson, Virologe an der University of Glasgow, bezeichnete den unbekannten Zwischenwirt in „Nature“ als das „fehlende Puzzlestück“.

Fest steht: Es gibt nur eine Möglichkeit, den Ursprung des Erregers zweifelsfrei identifizieren zu können – und das wäre der direkte Nachweis des Erregers im Tier. Dafür wären Blutproben von allen Tieren notwendig, die auf dem Huanan-Markt verkauft wurden. Entsprechende Untersuchungen würden derzeit laufen, heißt es seitens der WHO – ein Puzzle mit (noch) offenem Ausgang.

Quellen: Nature / Journal of Medical Virology / Wired [ad_2]

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