Coronavirus: Kommt es zu Grenzschließungen für Reisende?

Am Flughafen: Eine Frau trägt eine Atemmaske neben ankommenden Reisenden ohne Mundschutz ©Nathan Denette/The Canadian Press/APDPA
Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 breitet sich auch in Europa weiter aus. Was zunächst nur ein Phänomen in China, auf einigen Kreuzfahrtschiffen in Asien und vereinzelt auch in weiteren Ländern war, entwickelt sich immer mehr zu einer globalen Bedrohung.

Wer reist, kommt zwangsläufig mit anderen Menschen in Kontakt. Ob beim Einsteigen ins Flugzeug oder in den Zug geht es in den Warteschlangen dicht gedrängt zu. Dabei kann es leichter zu Ansteckungen kommen.

Doch zum Glück herrscht im Moment keine Hochsaison, in der viele Urlauber unterwegs sind. Der Deutsche Reiseverband (DRV) als Vertretung der Tourismuswirtschaft in Deutschland verfolgt die Situation aufmerksam und steht im engen Austausch mit dem Robert Koch-Institut (RKI), wie eine Sprecherin auf Anfrage des stern mitteilte. „Eine große Verunsicherung gibt es (noch) nicht.“

Doch auch andere Reisende sind unsicher. Müssen wir unser Reiseverhalten ändern? Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Reisen und Sars-CoV-2, die wissenschaftliche Bezeichnung des Erregers, die die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst.

Gibt es in Europa bereits Reisebeschränkungen?

Auch nach den Erkrankungen in Italien plant die Bundesregierung keinerlei Grenzschließungen. Doch Gesundheitsminister Jens Spahn spricht von einer „sehr, sehr dynamischen Lage“. In Deutschland wurden bislang 16 Infektionen gemeldet. „Derzeit hat die Weltgesundheitsorganisation weder Beschränkungen für Fracht noch Passagiere empfohlen“, sagt EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides.

Doch am Sonntagabend mussten zwei Züge aus Italien mehrere Stunden am Brenner halten, weil bei zwei Deutschen der Verdacht auf eine Infektion bestand – ein Fehlalarm, wie sich nach einem Test herausstellte.

Wie kommt es zur Übertragung?

Die Möglichkeit der Virusübertragung von Mensch zu Mensch ist bestätigt und findet „per Tröpfchen- oder Schmierinfektion statt“, schreibt der Gesundheitsdienst des Auswärtige Amtes in Berlin. Infektionen können von Personen übertragen werden, die Symptome zeigen. Unklar ist, ab wann und wie lange eine infizierte Person ansteckend ist und ob die Übertragung auch bei symptomlosen Infizierten stattfinden kann.

Wie lange beträgt die Inkubationszeit?

„Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Inkubationszeit bis zu 14 Tagen beträgt“, heißt es beim Robert Koch-Institut. In einer chinesischen Studie wurde eine durchschnittliche Inkubationszeit von drei Tagen berichtet; in einem Fall habe es eine Inkubationszeit sogar von 24 Tagen gegeben.

Prof. Dr. med. Johannes Knobloch

Welches sind die typischen Symptome?

Wie andere respiratorische Erreger kann eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zu Symptomen wie Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber führen. Einige Betroffene leiden auch an Durchfall. Bei einem Teil der Patienten scheint das Virus mit einem schweren Verlauf einherzugehen und zu Atemproblemen und Lungenentzündung zu führen.

Wie kann man sich vor Ansteckungen schützen?

Ähnlich wie bei einer Grippewelle wird zu guter Händehygiene wie gründliches Händewaschen geraten sowie entsprechende Husten- und Nies-Etikette: Abstand zu anderen Personen halten, möglichst in Einwegtaschentücher niesen oder husten. Notfalls ohne Taschentuch die Armbeuge vor Mund und Nase halten.

Hilft das Tragen von Atemmasken?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät nur besonders gefährdeten Personengruppen dazu. Zu dem Personenkreis gehören neben den Infizierten, deren Angehörige sowie medizinisches Personal. Experten bezweifeln den Schutz von einfachen Atemschutzmasken aus Stoff oder Papier bei gesunden Personen.

Gehören Desinfektionstücher mit ins Reisegepäck?

Flüssige Handdesinfektionsmittel oder -tücher sind nur erforderlich, wenn man in Regionen mit schlechten hygienischen Verhältnissen unterwegs ist, raten Experten. Wichtiger sei es, sich regelmäßig die Hände zu waschen und sich nicht mit den Händen ins Gesicht zu fassen.

Welche Orte sind als Risikogebiet eingestuft?

Das Robert Koch-Institut verwendet für die Ermittlung verschiedene Indikatoren wie Erkrankungshäufigkeit und Dynamik der Fallzahlen. Derzeit sind es laut RKI die chinesische Provinz Hubei mit Wuhan und die Städte Wenzhou, Hangzhou, Ningbo, Taizhou in der Provinz Zhejiang.

Trägt die Luft aus Klimaanlagen in Flugzeugen zur Verbreitung bei?

In modernen Verkehrsflugzeugen wird die Luft beim Reiseflug über Klimaanlagen kontinuierlich ausgetauscht. Dabei kommen Hochleistungsfilter wie in einem Operationssaal zum Einsatz, die die Luft von Verunreinigungen wie Staub, Bakterien und Viren reinigen.

Wie reagiert eine Airline, wenn ein Infizierter an Bord sein sollte?

Fast alle europäischen Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen zu Zielen in China ausgesetzt; die Airlines der Lufthansa-Gruppe bis zum 28. März. Bei Notfällen an Bord werden vom Personal Checklisten abgearbeitet. So können Infektionsschutzset zum Einsatz kommen. Mutmaßlich Infizierte werden von anderen Reisenden isoliert und in einer leeren Reihe untergebracht. Als Richtlinien gelten die Regeln im „WHO Handbook for Management of Public Health Events in Air Transport“.

Sind die deutschen Flughäfen für den Umgang mit Verdachtsfällen des Coronavirus vorbereitet?

Die WHO sieht für Deutschland fünf Flughäfen vor, die zum Schutz der öffentlichen Gesundheit „Kernkapazitäten vorhalten müssen“, heißt es beim Flughafenverband ADV. Im Falle der Ankunft eines Flugzeuges, das einen Ver­dachtsfall an Bord hat, würde die betreffende Maschine zu einem dieser Flughäfen umgeleitet. Dabei handelt es sich um die Airports Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München und Berlin.

Source link

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.