Dank Kaufprämie: Elektromobilität nimmt Fahrt auf

Nicht nur die Kaufprämie senkt die Kosten, auch die Hersteller bieten die Elektrovarianten ihrer Modelle oft schon günstiger an. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB. (Quelle: dpa)
München (dpa) – 2020 muss das Jahr der Elektromobilität werden. Seit diesem Jahr zündet die Verschärfung der CO2-Grenzwerte der EU. Ohne einen signifikanten Anteil von Elektroautos und Hybriden in der verkauften Flotte sind die kaum zu schaffen, auch wenn es dieses Jahr noch Erleichterungen gibt.

Trotz Anstiegen in den vergangenen Jahren führen die elektrifizierten Antriebe noch ein Schattendasein in den Zulassungszahlen. Doch es sieht so aus, als könnten sie gerade rechtzeitig kräftig vorankommen.

Anschub durch Kaufprämie

Einer der wichtigsten Gründe ist die eben erhöhte Kaufprämie für Elektroautos. „Das hat Euphorie entfacht, wir haben die Werbung sofort umgestellt“, sagt Thomas Peckruhn, Skoda-Händler und Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK). „Das frühere Argument, dass Elektromobilität deutlich teurer ist, greift jetzt nicht mehr.“ Gerade bei kleineren, günstigeren Elektroautos werde die Prämie „Druck auf den Kessel bringen“.

Dabei hat die seit längerem diskutierte Prämienerhöhung offenbar schon vor ihrer Einführung Wirkung entfaltet. Seit Sommer 2019 verzeichnet der Online-Neuwagenvermittler Meinauto.de einen starken Anstieg bei den Anfragen zu Elektroautos und Hybriden. Der Anteil dieser Antriebe hat sich fast verdreifacht, der bisherige Höhepunkt wurde mit knapp 18 Prozent aller Anfragen im Dezember erreicht.

Beim Konkurrenten Carwow liegt der Anteil von Stromern und Hybriden in den Anfragen mit zuletzt mehr als 29 Prozent sogar noch höher und drei Mal so hoch wie im vergangenen Sommer. Bei den Verkäufen über die Plattform war er mit 34 Prozent sogar noch deutlicher. „Wir sehen seit Oktober einen massiven Anstieg des Interesses“, sagt Mitgründer Philipp Sayler von Amende.

Elektrovarianten werden günstiger

Zwar ist nicht zu erwarten, dass sich diese Werte eins zu eins in den Neuzulassungen wiederfinden, schließlich sprechen die beiden Anbieter vor allem internetaffine Privatkäufer an. Doch der starke Anstieg der vergangenen Monate zeigt, wohin die Reise gehen könnte. Denn was heute bestellt wird, taucht erst eine monatelange Lieferzeit später in der Zulassungsstatistik auf. ZDK-Vizepräsident Peckruhn erwartet ebenfalls einen deutlichen Anstieg und sieht die elektrifizierten Antriebe künftig „stabil im zweistelligen Prozentbereich“. In den Bestellungen sehe man das schon jetzt, bis zum Sommer könne es auch in den Zulassungen ankommen. 2019 wurden in Deutschland insgesamt 63 281 reine Elektroautos zugelassen, was einem Marktanteil von 1,8 Prozent entsprach. 1,3 Prozent der Neuzulassungen waren Plug-in-Hybride, weitere 5,4 Prozent klassische Hybride.

Die erhöhte Förderung, die bis zu 3000 Euro vom Staat plus einen Rabatt in mindestens gleicher Höhe durch die Hersteller umfasst, ist aber bei weitem nicht der einzige Treiber für die Elektromobilität: Denn auch die Hersteller hätten zuletzt angefangen, die Modelle stark zu pushen, sagt Sayler von Amende. Teilweise bekomme man die Elektrovarianten von Modellen derzeit billiger als die Verbrenner. Dabei nehmen die Hersteller auch ihren Handel in die Pflicht. „Insbesondere die Marken, bei denen es schwierig werden könnte, die CO2-Ziele zu erreichen, machen riesigen Druck auf ihre Händler“, sagt Peckruhn.

Nachfrage auch bei Geschäftskunden

Und auch die Geschäftskunden, die in Deutschland für einen großen Teil der Neuzulassungen verantwortlich sind, zeigen verstärktes Interesse an elektrifizierten Autos. „Anders als die Privatkunden bevorzugen sie aber Plug-in-Hybride gegenüber reinen Stromern“, sagt Rudolf Rizzolli. Er ist Chef der Mobility Holding zu der Meinauto.de gehört, aber auch der Fuhrparkdienstleister Mobility Concept. Entscheidender Treiber ist hier, dass die Mitarbeiter bei solchen Firmenwagen deutlich weniger Steuern für die Privatnutzung bezahlen. Auch der Flottendienstleister Arval bestätigt ein „kontinuierliches Ansteigen“ bei Plug-in-Hybriden. Bei reinen Elektroautos seien die Firmen dagegen noch zögerlich – auch weil das Angebot noch gering sei.

Doch das Portfolio wächst – und das kommt laut Peckruhn auch bei den Kunden an. „Und ich kann als Händler auch nur das gut verkaufen, was ich habe. Die Leute wollen die Autos ausprobieren und anfassen. Wenn die neuen Autos in den Verkaufsräumen stehen, gibt das dem Geschäft einen weiteren Schub.“

Die nächste Frage wird dann allerdings sein, wie lange Kunden auf ihre Autos warten müssen. Carwow ermittelte zuletzt durchschnittliche Wartezeiten von einem knappen halben Jahr für Elektroautos – deutlich mehr als bei Verbrennern. „Ich glaube, dass das nochmal ein Thema wird“, sagt Peckruhn. Bisher seien die Kunden aber geduldig und sprängen kaum ab, wenn sie länger warten müssten.

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