Das plant Mini in den nächsten Jahren – Auto & Mobil


Die BMW-Tochter hat viel vor: Drei neue Modelle kommen aus China, eines aus Europa. Darunter auch ein Kleinst-Elektroauto. Mehr als 5000 pro Jahr will Mini davon aber nicht bauen.

Hätte, wäre, könnte, sollte. Ist aber nicht. Die Strategie von Peter Schwarzenbauer, der aus Mini eine rein elektrische Marke machen wollte, war dem Vorstand wohl zu riskant. Statt nach dem Vorbild von Smart in Zukunft dem Verbrenner abzuschwören, fahren die BMW-Manager lieber zweigleisig. Diese Entscheidung ist umstritten, denn die Treue zum Benziner schadet der CO₂-Bilanz, die auch durch den hohen Anteil an Cooper-Modellen den Flottenverbrauch nicht wie geplant entlastet. Wachstum führt für Mini und den chinesischen Partner Great Wall aber nur über die Stromtankstelle, zumal die Regierung in Peking 2022 über eine höhere Leistungsdichte der Zelle ein weiteres Zulassungskriterium einführen will, das perfekt in den Zeitplan der Mini-Strategen passt. Bei den Akkus geht das Joint Venture auf Nummer sicher. Die optimierten Lithium-Ionen-Batterien sollen sich schneller laden lassen, über die Lebensdauer langsamer abbauen, weniger temperaturempfindlich sein und geringere Kosten verursachen.

Mit dem Elektro-Mini-Cooper E, der dieser Tage zur ersten Vorserienfahrt zur Verfügung steht, haben die EVs von morgen nur wenig zu tun. Unter der geschickt auf Stromer getrimmten Karosserie des Dreitürers stecken eine 35 kWh starke Batterie nach Art des BMW i3, und der abgewandelte Triebkopf aus dem i8, der gut 150 PS mobilisiert. Mit diesem Modell zeigt die Marke Flagge, aber sie kann mit der grünen Kurzware nicht ins Volumen gehen, ohne dabei Geld zu verbrennen. Bis Ende 2022 sind daher im Schnitt nur rund 5000 Fahrzeuge pro Jahr vorgesehen. Die Preise dürften bei knapp unter 30 000 Euro beginnen – der i3 kostet schon aufgrund der Karbon-Karosse deutlich mehr. Eine stärkere 50 kWh-Variante wäre als Cooper SE darstellbar, ist aber nicht entschieden.

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Von Peter Fahrenholz


Künftig zwei Produktlinien

Die neue Mini-Zeitrechnung beginnt 2022 mit der nächsten Fahrzeuggeneration. BMW will die Mini-Familie künftig in zwei Produktlinien aufsplitten – drei Modelle kommen aus China, mindestens eines aus Europa. Mit Great Wall entstehen die Varianten MiniMini, Mini Dreitürer und Mini SAV (Sports Activity Vehicle). Der zweisitzige MiniMini ist im Prinzip eine Neuinterpretation des Rocketman Konzepts, der als Stadtflitzer zu kurz war für die erste Plattform-Generation. Der Dreitürer bleibt im Programm, wird aber in Zukunft in China vom Band laufen. Fünftürer und Clubman glänzen in den Projektlisten durch Abwesenheit, das Cabrio steht auf der Kippe. Neu im Angebot ist der ebenfalls im Doppelpack mit Great Wall realisierte Mini SAV, ein knuffig-kompakter SUV mit viel Sex-Appeal. Der MiniMini könnte als Metroman auf den Markt kommen, für den auf Stadtguerilla getrimmten SUV sind Bushman, Fieldsman und Surfman im Gespräch.

Die Matrix der China-Connection hat kaum Gemeinsamkeiten mit dem von BMW entwickelten modularen FAAR-Bausatz (Frontantriebs-Architektur), mit der unter anderem der neue 1er unterwegs ist. Nach heutigem Informationsstand verwendet nicht nur der Countryman-Nachfolger die FAAR-DNA, sondern auch der Spaceman, der aus der sieben Jahre alten Konzeptstudie Roomba hervorgegangen ist. Die offizielle Freigabe steht noch aus, doch der Vertrieb fordert schon seit geraumer Zeit einen emotional gestalteten, raumfunktionalen MiniVan. Insider berichten darüber hinaus von einem dritten FAAR-Derivat, das als fünftüriges Crossover Coupé den wenig erfolgreichen Paceman neu erfinden könnte. In Summe über Laufzeit sollte es gelingen, inklusive der von Great Wall schon ab 2021 in Eigenregie vermarkteten Modelle, rund 700 000 China-Fahrzeuge abzusetzen und entsprechend schwarze Zahlen zu schreiben.

E-Bausteine kommen von lokalen Zulieferern

Great Wall hat sich mit den Marken Haval und WEY als größter SUV-Hersteller Chinas einen Namen gemacht. Im Gegensatz zu den meisten Anbietern war die Qualität der Great-Wall-Produkte schon früh auf Westniveau – das gilt bis heute für Werkstoffe, Elektronik und Verarbeitung. Als BMW mit den Chinesen am Rande der IAA vor zwei Jahren Gespräche über eine Kooperation führte, hat man für das Treffen zur Tarnung extra Limousinen des Konkurrenten Mercedes angemietet. Man darf gespannt sein, ob es gelingt, das durch Zeitverschiebung und Sprachbarriere erschwerte Zusammenspiel von neuem Auto, neuer Technik, neuem Werk und neuem Partner zur beidseitigen Zufriedenheit umzusetzen. BMW ist zwar eng in den Entwicklungsprozess eingebunden, doch anders als ursprünglich kolportiert, liegt die Systemführerschaft für das Projekt in Baoding. Die Chinesen können nämlich nicht nur erstaunlich günstig produzieren, sie wollen auch beim Einkauf alle Kostenregister ziehen. Trotzdem darf der als Weltauto konzipierte Mini aus China Mitte in keiner Kerndisziplin schlechter sein als der mit viel BMW-Technik angereicherte in Europa gebaute Vorgänger.

Die E-Bausteine kommen von lokalen Zulieferern und aus dem Great-Wall-Teileregal, aber wie steht es um die Verbrenner? Der von BMW zugelieferte Dreizylinder ist viel zu teuer und abgasseitig ab Euro 7 ein Problem, der 2,0 Liter-Vierzylinder passt nicht in diese Fahrzeugklasse. Bleibt als Königsweg nur ein in China entwickelter und gefertigter Benziner, der – analog zum E-Motor – die Vorderräder antreibt. Eine mögliche Option ist der bei Haval eingesetzte, vielfach skalierbare 1,5-Liter-Turbo. Für den China-Mini tabu ist dem Vernehmen nach der in diesem Segment kaum nachgefragte Allradantrieb.

Das von Oliver Heilmer verantwortete Design geht vor allem bei der Innenraumgestaltung neue Wege. Die Formensprache setzt künftig auf modernen Minimalismus, reduziert und funktionell, mit authentischen Werkstoffen statt greller Effekthascherei. Ein großes, zentral positioniertes, kreisrundes Display (drive pod) soll die Aufmerksamkeit bündeln, das aktuell in der Mittelkonsole wuchernde Unkraut wird konsequent gejätet, der Fokus liegt auf klassischen Mini-Stärken wie exzellenter Raumausnutzung trotz kompakten Maßen, tadelloser Rundumsicht und den besten Sitzen in dieser Klasse. Besonders großzügig sind die Platzverhältnisse in den Elektroversionen, die auf ein klassisches Armaturenbrett verzichten. Beim Exterieur gilt die Bestandsgarantie dem Vernehmen nach für das kontrastfarbige Dach, den sechseckigen Grill und die optische Kennzeichnung der Null-Emissions-Modelle.

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