Kribbeln in den Beinen kann auf Multiple Sklerose hindeuten

Empfindungsstörungen in den Beinen können ein erster Hinweis auf Multiple Sklerose sein. (Quelle: PORNCHAI SODA/Getty Images)

Multiple Sklerose ist im Frühstadium meist schwer zu erkennen, da die ersten Symptome eher unspezifisch sind. Welche Frühsymptome zuerst auftreten, hängt davon ab, in welchen Bereichen des zentralen Nervensystems Entzündungen vorliegen. Lesen Sie hier, welche Warnsignale Sie ernst nehmen sollten und warum eine frühe Therapie wichtig ist.

Vielfältige Symptomatik bei Multipler Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung, durch die im Gehirn Entzündungen aufflammen und wieder abklingen. Sie verläuft meist in Schüben, deren Auswirkungen sehr unterschiedlich sind. Die Ursachen, warum es zu einer Multiplen Sklerose kommt, sind bis heute nicht vollständig geklärt. Sicher ist aber, dass das Immunsystem dabei eine wesentliche Rolle spielt.

Das Erscheinungsbild einer MS ist vielschichtig und weist individuell große Unterschiede auf. Multiple Sklerose wird deshalb auch die „Krankheit mit den 1.000 Gesichtern“ genannt. Bei manchen Patienten zeigen sich nur wenige MS-Symptome, bei anderen mehrere gleichzeitig.

Die ersten MS-Anzeichen zeigen sich relativ rasch innerhalb von Stunden oder Tagen. Nur bei wenigen Patienten beginnt die Erkrankung langsam mit mal weniger, mal stärkeren Beschwerden, sodass die Betroffenen kaum merken, dass sie eine ernsthafte Krankheit haben.

Motorische Störungen und Lähmungen

Zu Beginn einer MS-Erkrankung kommt es häufig zu Störungen der Muskelfunktion. Sie äußern sich als Kraftlosigkeit oder erhöhter Muskelsteifigkeit. Gleichzeitig treten motorische Störungen wie Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen auf, die sich in Unsicherheit beim Gehen, Stehen oder Greifen von Gegenständen bemerkbar machen können.

Im Verlauf der MS nehmen Lähmungserscheinungen zu. Sie sind häufig mit einem Steifigkeitsgefühl verbunden, auch Spastik genannt. Spastische Lähmungserscheinungen betreffen vor allem die Beine. Sie können so stark sein, dass es den Betroffenen immer schwerer fällt, eigenständig zu gehen. Auch Schmerzen können infolge der Verkrampfungen auftreten.

Empfindungsstörungen

Ähnlich oft bemerken MS-Patienten zu Beginn Gefühlsstörungen der Haut wie ein „Ameisen­kribbeln“, das häufig an den Beinen, manchmal aber auch an den Armen auftritt. Auch Überempfindlichkeit auf Wärme und Kälte an verschiedenen Körperstellen sowie Taubheitsgefühle und Missempfindungen in Beinen und Armen gehören zu den möglichen Frühsymptomen der Nervenerkrankung.

Einige Betroffene weisen dadurch einen unsicheren Gang auf und stolpern vermehrt. Schwindel, lokale Schmerzen, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen und häufige Erschöpfungszustände zählen ebenfalls zu den möglichen MS-Warnzeichen.

Sehstörungen

Ein weiteres Frühsymptom für MS können Sehstörungen sein. Sie treten nach Auskunft des Portals „Neurologen und Psychiater im Netz“ bei 30 Prozent der Betroffenen auf und sind die Folge einer Sehnerventzündung (Optikusneuritis). Betroffene sehen plötzlich verschwommen oder nehmen Farben nicht mehr richtig wahr.

Sehstörungen, die durch MS bedingt sind, bilden sich in der Regel von selbst zurück. Die Symptome verschwinden meist nach ein paar Tagen wieder. Bei schwereren Fällen kann es allerdings zwei Wochen oder länger dauern, bis eine Besserung eintritt.

Blasenstörungen

Bei vielen MS-Patienten kommt es im frühen Krankheitsstadium vor, dass die Nervenleitung zwischen Blase und Gehirn nicht mehr richtig funktioniert. Experten sprechen hier von einer neurogenen Blasenstörung. Ein wesentlicher Teil der Blasenaktivität wird über das Rückenmark gesteuert – nicht zuletzt deshalb treten Blasenstörungen oft gemeinsam mit Muskelspasmen auf. Schwierigkeiten beim Wasserhalten und -lassen sind die Folge. Auch Harnwegsinfekte treten gehäuft auf.

MS-Patienten mit fortgeschrittenen Blasenstörungen fühlen sich in ihrer Lebensqualität häufig eingeschränkt. Viele klagen über Inkontinenz oder benötigen einen Katheter, um den Urin regelmäßig abzulassen.

Bei Multipler Sklerose wird die Schicht, von der Nervenbahnen schützend umgeben sind – die Myelinscheiden – zerstört. (Quelle: Getty Images/normaals)
(Quelle: Getty Images/normaals)

Müdigkeit und Konzentrationsstörungen

Neben den genannten Symptomen können Beschwerden eine wichtige Rolle spielen, die nicht gut fassbar und sichtbar sind. Dazu gehören eine abnorme Müdigkeit (Fatigue), Einschränkungen bei Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit und Konzentration und depressive Verstimmungen. Besonders für berufstätige MS-Kranke sind diese Symptome unangenehm. Ihnen fällt es nicht leicht, ihrem Umfeld von der Krankheit und ihren Symptomen zu erzählen. Häufig werden diese als peinlich empfunden oder man fürchtet, dass „Müdigkeit“ nicht als ernstes Problem und schweres Symptom einer Krankheit akzeptiert wird.

Depressionen

Die vielen verschiedenen Symptome, die Beeinträchtigung der motorischen und kognitiven Fähigkeiten, aber auch die Unsicherheit, wie die Krankheit verlaufen wird, können zu starken psychischen Belastungen führen. Depressionen sind daher eine häufige Begleiterscheinung der MS-Erkrankung. Viele Patienten fühlen sich leer, empfinden keine Freude und entwickeln Schuldgefühle, weil sie anderen Menschen vermeintlich zur Last fallen.

Symptome ernst nehmen und zum Arzt gehen

Meist treten die ersten MS-Symptome im Alter von 20 bis 40 Jahren auf. Lassen sich die Beschwerden wiederholt beobachten, sollte rasch ein Neurologe aufgesucht werden. Da viele Symptome unspezifisch sind, ist die Diagnose „MS“ zunächst eine Ausschlussdiagnose. Das heißt: Es müssen zunächst zahlreiche andere Erkrankungen, die als Ursache für die genannten Symptome in Frage kommen, ausgeschlossen werden, bevor eine Multiple Sklerose festgestellt werden kann.

Bestätigt sich die Diagnose Multiple Sklerose, kann eine frühe Therapie die Beschwerden lindern und den Verlauf verlangsamen. Das Ziel der Behandlung ist die Kontrolle der Entzündungsaktivität. Betroffene sollten die therapeutischen Möglichkeiten frühzeitig nutzen.

Multiple Sklerose ist bislang unheilbar

Bei einer schwer verlaufenden MS bleibt es häufig nicht bei den unsichtbaren Symptomen. Ein Schub hat dann die Folge, dass schlagartig Arme oder Beine nicht mehr bewegt werden können. Auch ist es möglich, dass die Funktion der Beine dauerhaft beeinträchtigt bleibt und der Patient einen Rollstuhl braucht. Man geht davon aus, dass eine Fehlfunktion des Immunsystems für die Entstehung der Multiplen Sklerose verantwortlich ist. Doch auch genetische Ursachen werden vermutet und von Forschern untersucht.

Der Schub bei Multipler Sklerose: MS beginnt meist mit Symptomen, die nach 24 Stunden bis vier Wochen ganz oder zum Teil wieder verschwinden. Dann „schläft“ die Krankheit erst einmal eine Weile. Irgendwann treten die Beschwerden jedoch wieder auf oder verstärken sich sogar. Das bezeichnen Mediziner als neuen Schub.

Ein Medikament, das Multiple Sklerose heilen kann, gibt es bislang nicht. Die Behandlung der Krankheit basiert vor allem auf zwei „Therapiesäulen“: Zum einen ist das die Schubtherapie, bei der zur Linderung der Beschwerden Kortikosteroide wie Cortison verabreicht werden, und zum anderen die vorbeugende immunprophylaktische Therapie. Durch sie soll sowohl die Anzahl als auch die Schwere von Schüben reduziert werden. Ziel ist es, den Verlauf der Krankheit positiv zu beeinflussen und eine mögliche spätere Behinderung zu verhindern. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, mit der Therapie möglichst früh zu beginnen. Allerdings können die hier angewendeten Medikamente erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen.

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