Das Weltauto aus China | ZEIT ONLINE


Viele bekannte Automarken fehlen auf der IAA in Frankfurt. Dafür lernt man in Halle 8 neue Namen. Hier zeigen Wey, Hongqi und Byton ihre Fahrzeuge. Alle drei Autohersteller kommen aus China. „Wobei wir eine Menge deutsche DNA haben“, sagt Byton-CEO Daniel Kirchert im Gespräch. Das Design des ersten Elektroautos der Marke entstand in München. Viele Mitarbeiter haben zuvor bei deutschen Herstellern gearbeitet.

Zu Beginn hatte das 2016 gegründete Start-up ein deutsches Führungsduo. Inzwischen ist Kirchert alleiniger CEO. Er ist in Deutschland aufgewachsen, doch als Student zog es ihn nach China, um Land, Leute und die Sprache kennenzulernen, wie er sagt. Nach beruflichen Stationen bei BMW Brilliance und Infiniti in China landete der Automanager als Gründer und Vorstand bei Byton. Er ist mit einer Chinesin verheiratet und lebt die meiste Zeit in Nanjing, 300 km westlich von Shanghai.

In der Hauptstadt der Provinz Jiangsu befindet sich die Byton-Zentrale, hier entstand auch das Werk. Die Bauarbeiten in den Hallen sind abgeschlossen, im Oktober laufen Presse, Lackiererei sowie die Produktionsstraße mit 350 Robotern an. Zunächst nur testweise, im ersten Halbjahr 2020 sollen Serienfahrzeuge vom Band rollen, für Kunden in China.

Von den 50.000 Reservierungen stammen fast 20.000 aus Europa. Doch hier und in Nordamerika müssen sich die Interessenten bis 2021 gedulden. Darum ist der Messeauftritt in Frankfurt so erstaunlich. Byton hätte auch zur nächsten IAA kommen können. „Frankfurt ist wichtig für uns. Wir wollen zeigen, dass wir in Sachen Sicherheit und Qualität mit den deutschen Premiumherstellern mithalten können,“ sagt Kirchert, „und bei den digitalen Benutzeroberflächen überholen wir sogar.“

Bildschirm in voller Breite

Das internationale Entwicklerteam hatte eine Vorgabe: mehr digitale Stärke als Pferdestärke. Die Software für das Auto wird in Santa Clara im Silicon Valley programmiert. Jeder Platz im Fahrzeug bietet Zugriff auf einen Monitor, der über 5G mit dem Internet verbunden ist. Fahrer und Beifahrer blicken auf einen 126 cm breiten Bildschirm – das gab es in einem Pkw noch nie. Außer den Tasten für die Gangwahl gibt es nur noch am Lenkrad Knöpfe.

Im Lenkrad dominiert ein Tablet. Hier nimmt der Fahrer Einstellungen vor, denn der große Bildschirm ist kein Touchscreen. Damit auch der Beifahrer Musik auswählen oder die Klimaanlage einschalten kann, gibt es ein zweites Tablet in der Mittelkonsole. Alternativ bittet man Alexa per Sprachbefehl, eine Einstellung zu verändern. Die dritte Möglichkeit sind Gesten. Eine Kamera im Dach erkennt vorgegebene Handzeichen. „Lauter“, „nächster Titel“ oder „Telefonat annehmen“ lassen sich im Handumdrehen anzeigen.

Dieses Fahrzeug heißt M-Byte. Ein Name, der zu Recht an Speichervolumen erinnert. Byton hat sich eher bei Apple als bei Audi inspirieren lassen – es ist ein iPhone auf Rädern, das rollende zweite Wohn- oder Arbeitszimmer.

Die beiden Vordersitze lassen sich zehn Grad nach innen drehen, sodass man besser miteinander, als auch mit den Personen auf der Rückbank sprechen kann. Auf dem großen Bildschirm hat man die Wahl zwischen Straßenkarten, Musik, TV-Serien, Spielfilmen oder einem Chatverlauf. Das Autokino funktioniert natürlich nur, wenn der Wagen steht. 



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