Die „Landshut“ war ein Symbol im Kampf gegen den Terror – Jetzt verrottet sie im Hangar

Die Boeing 737-200, Baujahr 1970, liegt im Hangar auf dem Bauch ohne Fahrwerk und Flügel. Über einen Zeitraum von 38 Jahren war der Jet flugfähig.  ©Till Bartels

[ad_1]Der Rumpf wird mit fünf gelben Bändern gesichert. Die „Landshut“ könnte sonst womöglich umkippen. An dem Flugzeug, dessen Name sich als Synonym für blanken Terror ins bundesdeutsche Gedächtnis gebrannt hat, fehlen die Flügel. Sie liegen wie auch andere Teile der kaum noch als Boeing 737 zu erkennenden Maschine verteilt in dem riesigen Hangar. Schrott im Wert von 20 000 Euro. Während die „Landshut“ in Friedrichshafen am Bodensee vor sich hin rottet, beharken sich die zuständigen Stellen in Berlin.

Bei der Suche nach einer tragfähigen Lösung für die Zukunft fühlt sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) vom Außenministerium allein gelassen. „Das Auswärtige Amt hat die „Landshut“ auf Initiative des damaligen Außenministers Sigmar Gabriel im Sommer 2017 in einer Hauruck-Aktion kurz vor der Bundestagswahl unter großem Medienrummel aus Brasilien nach Friedrichshafen gebracht“, sagt Grütters der dpa in Berlin. Das Auswärtige Amt sei bis heute Eigentümer der „Landshut“ und „damit auch verantwortlich für das, was mit der Maschine passiert“.

Entführter

Bis 1985 in der Flotte der Lufthansa

Die „Landshut“ steht symbolisch für das, war unter der Bezeichnung „Deutscher Herbst“ ein dunkles Kapitel Nachkriegsgeschichte markiert. Im Jahr 1977 gibt es eine Serie von Anschlägen. Nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto erreicht der Terror der „Roten Armee Fraktion“ (RAF) im September einen neuen Höhepunkt. Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer wird entführt, um die inhaftierten RAF-Leute um Andreas Baader und Gudrun Ensslin freizupressen.

Zur Unterstützung dieser Forderung bringen vier palästinensische Terroristen am 13. Oktober 1977 die „Landshut“ mit 82 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern in ihre Gewalt. Eine der Stationen der Entführung ist Aden, wo Flugkapitän Jürgen Schumann erschossen wird. Auf dem Flughafen der somalischen Stadt Mogadischu stürmt die GSG9 die Maschine und befreit die Geiseln unversehrt. Unmittelbar danach werden die Leichen der RAF-Häftlinge in ihren Zellen gefunden, Schleyer wird ermordet.

Die seit 1970 eingesetzte „Landshut“ bleibt bis 1985 im Flugbetrieb der Lufthansa. Nach dem Einsatz bei verschiedenen Gesellschaften wird die Maschine, zuletzt als Transportflugzeug genutzt, 2008 ausgemustert. Gabriel lässt die Boeing schließlich 2017 aus Brasilien nach Friedrichshafen am Bodensee bringen.

„Bei der „Landshut“ handelt es sich um ein wichtiges Stück Nachkriegsgeschichte“, sagt Grütters. Die RAF und das Jahr 1977 gehörten zur Geschichte der Bundesrepublik. Sie habe „großen Respekt vor den Opfern und ihren Nachfahren“.

Noch keine finale Standortentscheidung

Ein von Gabriel mit dem Dornier-Museum ins Auge gefasster Plan für eine Präsentation in Friedrichshafen gilt als gescheitert. Grütters lässt nach eigenen Angaben ein Ausstellungskonzept erarbeiten. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt sie. Zudem werde „mit Hochdruck an alternativen Standortlösungen“ gearbeitet. „Aber es ist nicht in erster Linie unsere Verantwortung, die liegt nach wie vor beim Auswärtigen Amt. Dort müsste über Alternativen nachgedacht werden. Das geschieht aber aus unserer Sicht nicht“, sagt Grütters.

Das Dornier-Museum gibt sich kooperativ: Unabhängig davon, an welchem Standort die Landshut-Ausstellung realisiert werde, wolle man das für die Bundesrepublik bedeutsame Ausstellungsprojekt im Rahmen der eigenen Möglichkeiten unterstützen, teilt ein Sprecher mit. Er sagt aber auch: „Der Dornier Stiftung für Luft- und Raumfahrt liegen bis heute keine Informationen über eine finale Standortentscheidung seitens der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien vor.“ Berichte darüber, dass der Fortbestand des Dornier-Museums über das Jahr 2025 hinaus nicht gesichert sei, weist der Sprecher zurück. Das Museum werde noch lange darüber hinaus existieren.

Die "Landhut" soll in einem Neubau neben dem Dornier-Museum ausgestellt werden. Barbara Wagner ist die kuratorische Projektleiterin. Sie entwirft zur Zeit ein Ausstellungskonzept mit. ©Till Bartels
Die „Landhut“ soll in einem Neubau neben dem Dornier-Museum ausgestellt werden. Barbara Wagner ist die kuratorische Projektleiterin. Sie entwirft zur Zeit ein Ausstellungskonzept mit. ©Till Bartels

Grütters geht dagegen davon aus, dass der Fortbestand nicht gesichert ist. „Das ist hochproblematisch.“ Wenn Bundesmittel fließen, müsse es aus haushaltsrechtlichen Gründen eine Zweckbindung von mindestens 20 Jahren geben. „Wir sind davon ausgegangen, dass der Standort Friedrichshafen durch das Auswärtige Amt vollumfänglich geprüft worden war“, sagt sie. Nur vor diesem Hintergrund habe ihr Haus der Bitte um Unterstützung zugestimmt. 

Keine Antwort vom Außenministerium

Gabriel hat sich inzwischen in die Rolle des Kritikers zurückgezogen. „Es ist aus meiner Sicht eine Schande, wie mit diesem Teil deutscher Nachkriegsgeschichte umgegangen wird“, sagte er der „Augsburger Allgemeinen“. Er bemängelte, dass zwei Jahre nach der Rückholung des Wracks nicht klar sei, was werden soll.

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Das will Grütters nicht so stehen lassen. „Herr Gabriel hatte zugesagt, persönlich um weitere potenzielle Partner sowie um finanzielle Unterstützung zu werben. Diese Versuche – sofern sie denn unternommen wurden – sind bis heute erfolglos geblieben“, sagt die CDU-Politikerin.

Sie lässt inzwischen alternative Standorte prüfen, wo die „Landshut“ langfristig gezeigt werden kann. „Dies ist in meinen Augen auch eine Chance – denn unser Ziel ist es, die Geschichte der „Landshut“ einem möglichst breiten Publikum zu erzählen.“

Im Außenministerium bleibt ein Fragenkatalog mehrfach unbeantwortet. Von dort heißt es nur, Grütters habe „für die kommenden Wochen Gespräche im Ressortkreis über die Erstellung und Umsetzung des Ausstellungskonzeptes angestoßen“. Daran werde sich auch das Auswärtige Amt beteiligen. „Gemeinsames Ziel der Bundesregierung ist, einen Ort für Erinnerung zu schaffen.“[ad_2]

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