Diesel-Urteil: Hardware-Nachrüstung schützt Autofahrer nicht mehr vor Fahrverbot


Umweltverbände, SPD und Grüne werben eigentlich eifrig für die Hardware-Nachrüstung an Dieselfahrzeugen – sie soll den Stickoxid-Ausstoß von Dieselautos im Realverkehr reduzieren. Technisch ist das bis zu einem gewissen Grad durchaus möglich. Es gibt sogar direkte Verbindungen der Umwelt-Lobby zu Nachrüst-Firmen .

Gestern nun beschloss das EU-Gericht, dass die Grenzwerte für Euro 6-Diesel nachträglich verschärft werden – mit erheblichen Konsequenzen: Die Übergangsfristen für Autohersteller fallen weg, die berühmten 80 mg sind sofort einzuhalten . Es gilt noch eine letzte Übergangsfrist von 14 Monaten. Heißt: Ab 2020 dürfen auch Euro 6-Diesel aus den Städten ausgesperrt werden, wenn sie die 80 mg nicht im Realverkehr einhalten. Da nützen alle nationalen oder regionalen Verhältnismäßigkeits-Abwägungen nichts, denn in der Normenhierarchie gilt: Ober sticht Unter.

Umwelt-Lobby hat Bauernfängerei betrieben

„Wir bekommen dadurch Rückenwind für unsere Klagen zur Luftreinhaltung“, sagt der Chef des Lobbyverbands Deutsche Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch. Auch die Grünen bejubelten das Urteil. Und merken dabei offenbar gar nicht, wie sie sich selbst ins Knie geschossen haben: Das unermüdliche Werben für die Hardware-Nachrüstung erweist sich nun nämlich als Bauernfängerei. Wenn selbst nagelneue Euro 6 -Diesel ausgesperrt werden dürfen, gilt das natürlich für umgerüstete Diesel genauso. Denn die erreichen nicht einmal annähernd den „Sauber-Modus“ der künftigen Euro 6 d-Norm – und nicht nur das: Wie das Verkehrsministerium bestätigt hat, werden auch umgerüstete Euro 4- oder Euro 5-Diesel nicht auf ein besseres Niveau umgeschlüsselt. Dies wäre auch gar nicht möglich, da eine Abgasvorschrift ja nicht nur isoliert auf einem Stickoxid-Grenzwert beruht. Ein Fahrverbot, das Euro 6-Diesel einschließt, wird aber jede Abgasnorm darunter nicht ausschließen können.

Kompromisse sind nichts mehr wert

Der von SPD und CDU/CSU ausgehandelte Kompromiss, nach dem umgerüstete Autos mit einem Stickoxid-Ausstoß von maximal 270 mg von Fahrverboten ausgenommen sind, ist mit dem Urteil ebenfalls hinfällig, wenn es Bestand hat. Das hatte die DUH sogar selbst vorhergesagt – gleichzeitig aber den Diesel-Besitzern die Hardware-Lösung ans Herz gelegt. Mit dem Urteil wird die nun aber endgültig sinnlos. Von den negativen Begleiterscheinungen wie Mehrverbauch und Garantie-Unsicherten mal ganz abgesehen. Die Daten des ADAC, der aktuell im Auftrag der Landesregierung Baden-Württemberg Hardware-Nachrüstungen an drei Autos in der Praxis testet, zeigen nach Informationen von FOCUS Online, dass der Wert von 80 mg nicht einmal annhähernd erreicht wird. Der beste erzielte Wert in der entscheidenden Realverkehrsmessung (RDE) liegt bei 194 mg.

Und diese Daten stammen noch aus dem Sommer: „Sicher ist, dass der Schadstoffgehalt der ungereinigten Abgase deutlich steigen wird und die SCR-Systeme im Winter einige Zeit warmlaufen müssen, um ihre vollen Wirkungsgrade zu erreichen“, erklärt ADAC-Technikchef Reinhard Kolke. „Deshalb rechnen wir mit einem insgesamt höheren Emissionsniveau“, so der Experte.

Die AdBlue-Leitung wird durch Kühlwasser erwärmt, damit in der Kälte eine Vereisung verhindert wird. Moderne Dieselmotoren benötigen Heiz-Katalysatoren, die das Abgas aufwärmen – denn nur dann kann auch die volle Reinigungswirkung des Systems erfolgen. Beim Kaltstart muss das System also elektrisch beheizt werden. Das wiederum steigert aber den Spritverbrauch um bis zu sechs Prozent, weil die Energie für die Heizsysteme von der Lichtmaschine erzeugt werden muss. Zu der für die neuen Grenzwerte völlig unzureichenden Stickoxid-Reduzierung kommt also noch ein höherer CO2-Ausstoß.

Selbst ins Knie geschossen

Die Hardware-Nachrüstung ist damit von vornherein zum Scheitern verurteilt – obwohl gerade die Lautsprecher, die jetzt über das neue EU-Urteil jubeln, sich doch so vehement dafür eingesetzt hatten. Auch für die Grünen und ihren Vize Oliver Krischer ist das peinlich, der die Nachrüstung quasi immer als Mutter aller Lösungen angepriesen hat – obwohl nahezu alle echten Abgas-Experten den Kosten-Nutzen-Effekt bezweifelt haben.

Die Umwelthilfe und der Lobby-Verband VCD wiederum, beide vom Steuerzahler mit Millionen-Summen zwangsfinanziert , lassen sich stattdessen dafür feiern, dass sie in Darmstadt  eine außergerichtliche Einigung erzielt haben: Mit Fahrverboten für zwei Straßen. Schon das Beispiel Hamburg hat gezeigt, dass das nicht funktioniert: Auf den Verbots-Straßen registrierten die Messstellen nun mehr Luftbelastung als vorher .

Das Diesel-Drama – das übrigens unterm Strich ein rein deutsches ist, denn kein einziges anderes EU-Land verhängt bereits ab 2019 Fahrverbote für noch junge Euro 5-Diesel – wird damit endgültig zur Farce, bei dem die Autobesitzer wirklich von allen Seiten betrogen wurden: Von den Autoherstellern, von der Politik und von der Umwelt-Lobby.

Dass die Deutsche nun auch gelbe Westen anziehen wie die Franzosen, darf man eher nicht erwarten. Doch der ein oder andere Autobesitzer wird wohl bis zur nächsten Wahl im Hinterkopf behalten, wie übel ihm mitgespielt wurde.



Source link

Reply