Drei Zinnen in den Dolomiten: Mit dieser Erstbesteigung beginnt der Alpinismus


Das ist heute kaum noch vorstellbar: Vor 150 Jahren waren die Alpen noch unerschlossen. Es gab keinerlei touristische Infrastruktur, keine markierten Wege und keine Schutzhütten. Und die meisten Gipfel waren noch unbestiegen. Doch in den Sextner Dolomiten gilt das Jahr 1869 als der Startschuss für den Alpinismus in Südtirol.

In jenem Sommer erreichte Franz Innerkofler aus dem Ort Sexten im Pustertal den höchsten Berg seiner Heimat: Zusammen mit dem Wiener Paul Grohmann und Peter Salcher glückte ihnen am 18. Juli der Aufstieg zur 3145 Meter hohen Dreischusterspitze. Einen Monat später gelang der Seilschaft ein weiterer Gipfelsieg: die Erstbesteigung der Großen Zinne – in nur drei Stunden. Bis heute ist ihre Route der Normalweg, eine Tour im III. Schwierigkeitsgrat.

Der höchste der drei Felsriesen misst zwar nur 2999 Meter, aber „die Kühnheit ihres Baues“, so Grohmann, faszinierte die Pioniere. Durch ihre senkrechten bis überhängenden Nordwände gehören die Drei Zinnen zu den markantesten Felsformationen in den Alpen. Sie symbolisieren das Weltnaturerbe Dolomiten, die wegen ihrer einzigartigen Gebirgslandschaft 2009 von der Unesco ausgezeichnet wurden.

Alle drei Nordwände an einem Tag

Seit Jahrzehnten ziehen die Drei Zinnen die Kletterelite in ihren Bann. Inzwischen führen Dutzende von Routen durch die Nordwände, die in den 1930er Jahren erstmals bezwungen wurden. Ab den späten 1950er Jahren folgten die Neueröffnungen wie die Direttissima-Routen und in diesem Jahrtausend die „Bellavista“ an der Westlichen Zinne-Nordwand, die erste Klettertour im XI. Schwierigkeitsgrad in den Alpen.

Die Drei Zinnen als Modell in Toblach mit den verschiedenen Kletterrouten durch die Nordwände

Die Drei Zinnen als Modell in Toblach mit den verschiedenen Kletterrouten durch die Nordwände

Der vor zwei Jahren im Everest-Gebiet abgestürzte Schweizer Ueli Steck setzte 2014 einen neuen Rekord. Zusammen mit Michael Wohlleben kletterten er alle drei klassischen Nordwand-Routen an nur einem Tag im Winter.

1869: Das Geburtsjahr des DAV

Doch zurück zum Jahr 1869. Noch einen weiteren bedeutenden Berg bestieg die erfolgreiche Dreier-Seilschaft unter der Führung von Franz Innerkofler zum ersten Mal in jenem Sommer: den 3181 Meter hohen Langkofel in den Grödner Dolomiten. Jener Normalweg gilt bis heute als anspruchsvolle neunstündige Tour, mit fünfstündiger Kletterei im III. Schwierigkeitsgrad.

Im Osten der Seiser Alm: der 3181 Meter hohe Langkofel und Plattkofel

Im Osten der Seiser Alm: der 3181 Meter hohe Langkofel und Plattkofel

Im selben Jahr formierte sich in München auch der „Bildungsbürgerliche Bergsteigerverein“, der Vorläufer des Deutschen Alpenvereins (DAV). Mit dem Wege- und Hüttenbau begann die Erschließung des Alpenraums und setzte der Tourismus ein. Mit mehr als 1,2 Millionen Mitgliedern ist der Verein heute die größte nationale Bergsteigervereinigung der Welt.

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