eco: Mehr RZ-Leistung bei weniger Emissionen – sofern die Energiewende klappt

(Bild: VanderWolf Images/Shutterstock.com)

Schon heute seien Rechenzentren deutlich klimafreundlicher als noch vor zehn Jahren, verkündet der Verband der Internetwirtschaft eco auf Basis einer neuen Studie. Grundlage dieser Aussage ist die Feststellung, dass der Energiebedarf beim Vergleich der gleichen Menge übertragener Daten zwölfmal niedriger als noch 2010 sei. Gleichzeitig habe sich die benötigte Rechenleistung im selben Zeitraum lediglich verzehnfacht.

Optimistisch zeigt sich der eco ebenfalls beim Blick in die Zukunft: Seit 2015 seien die CO2-Emissionen von Rechenzentren in Europa bereits rückläufig und außerdem sei bis 2030 ein Rückgang um insgesamt 30 Prozent zu erwarten. Hierbei spielt die Herkunft des Stroms eine entscheidende Rolle: So hätten 2017 schon 30 Prozent der Betreiber in Deutschland ausschließlich erneuerbare Energien verwendet.

An dieser Stelle blickt der eco auf Deutschland und verweist auf einen hiesigen Anteil von Braun- und Steinkohle von etwa 33 Prozent. Ein schnellerer, politisch gesteuerter Kohleausstieg würde ebenfalls rascher zu niedrigeren CO2-Emissionen von Rechenzentren führen. Die aktuelle Gesetzeslage sieht einen Ausstieg bis zum Jahr 2038 vor.

Ein Blick auf die ersten Ergebnisse zeigt, dass die Studie auch für die Zukunft von einem höheren Energiebedarf ausgeht. Insbesondere die Rechenleistung der Server würde bis 2030 einen höheren Anteil einnehmen, während der Energiebedarf der technischen Gebäudeausstattung eine kleinere Rolle spielen werde.

Von 2010 bis 2020 sei der Energiebedarf um 55 Prozent gestiegen, für die nächsten zehn Jahre sieht die Studie jedoch bloß eine Steigerung von grob zehn Prozent vor. Allerdings gibt die Studie ebenfalls an, dass die Meinung über die Entwicklung des Strombedarfs auch unter Experten auseinander gehen – die ihr zugrundeliegenden Berechnungen können Leser auf eco.de nachvollziehen.

Parallel geht die Studie dennoch von niedrigeren CO2-Emissionen aus. Hier zeigen die Zahlen, dass sie für Rechenzentren von 2010 bis 2015 leicht stiegen und bis 2020 leicht unter das Ursprungsniveau sanken. Dieser Trend soll sich bis 2025 fortsetzen, sich anschließend in Europa bis 2030 allerdings deutlich beschleunigen. An dieser Stelle verweist der eco ebenfalls auf Frankreich, von dem Land seien aufgrund der Bedeutung der Kernenergie keine großen Reduktionen zu erwarten.

Die Studie geht ebenfalls darauf ein, dass sich die Art der von Rechenzentren abgefragten Leistung verändert: Seit 2010 sei der Anteil von Cloud-Systemen deutlich gestiegen, dieser Trend soll sich bis 2030 ungebremst fortsetzen. Auch Edge-Rechenzentren würden künftig einen größeren Anteil einnehmen, während die Bedeutung des klassischen RZ schrumpfe.

Abschließend verweist die Studie darauf, dass neue Entwicklungen in der IT immer wieder die gesteigerte Leistung von Rechenzentren ausschöpfen würden. So würden zum Beispiel KI-Anwendungen und das Krypto-Mining die Infrastruktur deutlich stärker fordern. Im schlimmsten Fall würden bislang unbekannte Einsatzzwecke den Energiebedarf markant steigen lassen – jedoch bloß mit leicht höheren CO2-Emissionen.

Keine Rolle spielen in der aktuell vorliegenden Studie die Auswirkungen der Entwicklung, Produktion und Entsorgung von Rechenzentrumsinfrastruktur auf den Energiebedarf. Jedoch verweist der eco darauf, dass sich laut mancher Experten die Leistungs- und Effizienzsteigerungen der Komponenten nicht wie in den letzten fünfzig Jahren – Moore’s und Koomey’s Law – fortsetzen würden.

In seiner Pressemitteilung geht der eco darüber hinaus davon aus, dass die Digitalisierung das Potenzial habe, mehr Emissionen einzusparen, als der Rechenzentrumsbetrieb verursacht – ein Potenzial, das um den Faktor von drei bis zehn über letzteren liege. Der Verband führt hier ebenfalls Inger Paus, Geschäftsführerin des Vodafone Instituts und Vorsitzende der Geschäftsführung der Vodafone Stiftung Deutschland, an: Die Studie zeige nicht nur, dass Rechenzentren ihre Ökobilanz kontinuierlich verbessern würden, sondern auch, dass sie als Rückgrat der Digitalisierung ein wesentlicher Teil der Lösung seien.

An derselben Stelle nennt der eco als Beispiel für ein solches Potenzial die Cloud: Neben vieler anderer Vorteile habe diese für sie einsetzende Organisationen ein Senken ihres Strombedarfs um bis zu 84 Prozent bedeutet. Hier liege Europa im Vergleich zum Rest der Welt zurück, denn „nur 26 Prozent der EU-Unternehmen im Jahr 2018 [würden] bezahlte Cloud Services“ nutzen.

Bei der Studie handelt es sich um den ersten Teil, der zweite soll auf mögliche Entwicklungen und Einflussnahmen eingehen, die die Energieentwicklung beeinflussen können.

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