Ein guter Tag für den Osten | ZEIT ONLINE


Wer spielte wie gegen wen?

Immerhin die Herzchenwertung gewann der BVB gegen Union. Liebe Leserinnen und Leser, Sie haben einfach etwas übrig für die Verlierer.

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Union gegen den BVB. Man weiß gar nicht, was schöner war: die klammheimliche Häme über die Niederlage des Favoriten oder die Freude mit den Galliern aus Köpenick, die die Römer vermöbelten? In der Alten Försterei weinten manche vor Glück. Zweifacher Torschütze war Marius Bülter, 26. Vor gut einem Jahr kickte er noch in der Regionalliga, im Vorjahr stieg er mit Magdeburg ab. Noch bezeichnender: Union konnte es sich nicht mal leisten, ihn zu kaufen, sondern hat ihn von dem Drittligisten nur geliehen. Nach dem Bundesliga-Debüt der Eisernen, dem 0:4 gegen Leipzig vor zwei Wochen, hatte man fürchten können, das wird für sie alles ganz bitter. Seitdem haben sie kein Spiel mehr verloren.

Bei Dortmund stimmte es vorn und hinten nicht und in der Mitte am wenigsten. Manuel Akanji, im Vorjahr der stabilste Verteidiger des BVB, ist in diesem der fahrigste. Vor dem 2:1 spielte er den Ball wie aus einer Laune heraus dem Gegner in den Fuß. Mats Hummels schlug in Berlin ein paar schöne lange Pässe, aber noch mehr solche, die aus guten Gründen nicht in der Sportschau gezeigt werden. Marco Reus trug eine Tarnkappe. Und Julian Weigl ließ sich stets hinter die Abwehrlinie fallen, um angespielt zu werden. Auf Taktikneudeutsch heißt das „abkippender Sechser“, in der Kreisliga nennt man so was Alibifußball. Kein Wunder, dass der BVB den Ball meist in der eigenen Hälfte oder um die Mittellinie herum in den Reihen hielt, also im Niemandsland. Dortmund spielte defensiven Angriffsfußball und zeigte sich wie schon in Köln als schlecht geführte Mannschaft, die in dieser Besetzung keine große Meisterchance hat. Und Lucien Favre, der mit einer deutlich besser besetzten Elf bei einem Aufsteiger klar verlor, stellte anschließend die von Vorstand und Spielern festgelegten Titelambitionen infrage: „Wir müssen aufpassen, was wir sagen.“

Aufs Dach stiegen die Unioner den Borussen auch im Wortsinn. Ein paar Berliner Fans kletterten vor dem Spiel für eine Choreografie auf das Tribünendach des Gästeblocks. Als sie herunterstiegen, kam es zu Auseinandersetzungen und einem von der Dortmunder Fanhilfe heftig kritisierten Polizeieinsatz.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Bayern gegen Mainz. Das Ergebnis (6:1) war stark, die Leistung der Bayern eher mittelprächtig, in den ersten dreißig Minuten gar dünne. Die 2:1-Führung zur Pause war alles andere als zwingend. Noch zehn Minuten zuvor lagen die Mainzer vorn, ehe Ivan Perišić eine Flanke ins Zentrum schaufelte, die eine gute Abwehr nicht vor große Probleme gestellt hätte. Doch die Mainzer, die bisweilen gar übermütig wirkten, sprangen unter ihr hinweg und Benjamin Pavard bewies seine Fähigkeit zu eleganten Toren. Dem stand David Alaba nicht nach, kurz vor dem Halbzeitpfiff zirkelte er einen Freistoß in den Torgiebel. Doch der im Großen und Ganzen gute Schiedsrichter Markus Schmidt hätte anders entscheiden müssen, wenn er seiner Linie treu geblieben wäre. Die Mainzer reklamierten nicht zu Unrecht (aber folgenlos) auf Stürmerfoul von Robert Lewandowski, der nach hinten ausgeschlagen hatte. Sie erinnerten sich an eine ähnliche Situation kurz zuvor auf der anderen Seite, bei der Schmidt zugunsten des Münchner Abwehrspielers Lucas Hernández gepfiffen hatte. Das sind die kleinen Privilegien der Nationalspieler und Weltmeister, auf die es manchmal ankommt. In der zweiten Halbzeit griffen die Bayern zielstrebiger an, ohne in der Offensive völlig zu überzeugen. In der Bundesliga genügen den Bayern solche Leistungen mitunter zu Kantersiegen. Doch sie sollten sich von der Höhe des Sieges nicht täuschen lassen.

Wer stand im Blickpunkt?

Timo Werner. Erst mal schoss er drei Tore in einem Spiel. Die Gladbacher waren nicht viel schlechter als die Leipziger, ginterten in der Abwehr aber herum, sodass Werner seine Schnelligkeit ausspielen konnte. Kürzlich hatte er seinen Vertrag verlängert, jetzt schoss er Leipzig mit neun Punkten an die Spitze und man fragt sich: Geht da vielleicht mehr in dieser Saison? Mit Julian Nagelsmann kommt RB cooler daher, man erlebt nun das freundliche Sachsen.

Überhaupt war es ein guter Spieltag für den Osten. Union haute Dortmund weg. RB Leipzig, mindestens geographisch auch ein Ostverein, ist mit drei Siegen aus drei Spielen Tabellenführer. Und Dynamo Dresden holte immerhin ein 0:3 gegen St. Pauli auf, auch wenn ein paar dämliche Banner im Fanblock hingen und auch wenn sich der Torschütze Moussa Koné aus dem Senegal montagabends besser nicht in der Innenstadt zeigen sollte. Blühende Landschaften in der Bundesliga. Der Osten, wie er kickt und siegt.



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