Einmal golden, immer golden (Tageszeitung junge Welt)


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Das Leben war schön: Argentiniens Oscar Furlong (Nummer acht) kämpft um den Ball, WM 1950

Einen wunderschönen guten Morgen! Wir erinnern uns, wie Franz Beckenbauer 1990 in Rom nach dem Titelgewinn der deutschen Mannschaft der Pressemeute in die Mikros diktierte, dass es ihm ja wirklich leid täte, aber mit den aus der DDR dazustoßenden Kickern sei Deutschland wohl auf lange Sicht hin unschlagbar. Anschließend dauerte es allerdings 24 Jahre, bis von Großdeutschland wieder ein WM-Titel gefeiert werden konnte. Immerhin, 1996 machte sich sein Nachfolger Hans-Hubert Vogts auch als Trainer unsterblich, indem er, Matthias Sammer und Dieter Eilts (Upgant-Schott, Ostfriesland) sensationell die EM in England gewannen. Wie schwer das ist, sieht man auch daran, dass mittlerweile 23 Jahre verstrichen sind, ohne dass die deutsche Bundesrepublik diesen Erfolg wiederholen konnte.

Im argentinischen Fußball sieht es noch deprimierender aus. Der letzte WM-Gewinn liegt bereits 33 Jahre zurück, und der letzte Titel überhaupt, der Gewinn der Copa América 1993 in Ecuador, ist auch schon 26 Jahre her. Ein halbes Menschenleben, denn die Guten sterben früh. Vergilbte Erinnerungen. Damals gewann die Truppe von Alfio »Coco« Basile das Finale im Estadio Monumental von Guayaquil gegen México durch zwei Tore von Gabriel Omar »Batigol« Batistuta Zilli mit 2:1. Es war der zweite reguläre Sieg der »Albiceleste« im Turnier, zuvor war nur Fußballschwergewicht Bolivien im Auftaktmatch mit 1:0 besiegt worden. Den Rest hatte man im Elfmeterschießen geregelt.

Der erste Fußballweltmeister war 1930 Uruguay. Der erste Basketballweltmeister 1950 hieß Argentinien. Aktuell ist die Truppe im Umbruch. Die »Goldene Generation« der Gauchos ist in Rente gegangen. Sie betörte die Welt. 2001 Amerikameister, 2002 Vizeweltmeister, 2004 olympisches Gold bei den Jahrhundertspielen in Athen. 2006 WM-Vierter, 2008 Bronze in Beijing und 2011 noch mal Amerikameister. Eine argentinische Erfolgsstory. Ich ertappte mich dabei, wie ich selbst Starschnitte erfand. Kein Zentimeter in meinem Domizil, der nicht mit weiß-hellblauen Basketball-Collagen vollgepropft war. Das Leben war schön. Man konnte sogar einen dazu heben, denn die aktive Zeit war seit Äonen vorbei. Der argentinische Fußball war interessant, der argentinische Basketball das Nonplusultra. Ich hasste es und hasse es, wenn dumpfpimpfige Heinis auf gedrucktem Papier darüber schwadronieren, dass die NBA die beste Liga der Welt sei. Denn das ist ja gar nicht wahr. Die NBA ist ein Event-Karzinom, und als solches verzichtbar. Wer richtigen Basketball sehen will, guckt nach Litauen, Rumänien, Serbien, Argentinien, Spanien, Griechenland, Italien, Türkei. Der Rest ist Dreck. Deutschland ist nach dem EM-Gewinn 1993 noch immer nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Ich habe kein Mitleid.

In Lima laufen noch bis zum Sonntag die 18. Panamerikanischen Spiele. Das letzte Mal, dass Argentinien im Basketball Gold holte, war 24 Jahre her. Damals, in Mar del Plata. Im Halbfinale am Samstag eliminierte die Truppe von Sergio Santos Hernández die USA mit 114:75! Angeführt von »Luifa« Scola, dem mit 39 Jahren letzten Überlebenden der »Generación Dorada« sowie Facundo Campazzo, Playmaker von Real Madrid. Gabriel Deck, Ex-San Lorenzo und heuer ebenfalls bei Real angestellt, steuerte 23 Punkte für das Gaucho-Quintett bei, Scola markierte 18 Punkte (davon zehn Freiwürfe), genau wie Aufbauspieler Nicolás Laprovíttola (ebenfalls Real).

Das Finale am Sonntag gegen Puerto Rico (84:66) war dann eine Show von Käppt’n Scola (28 Punkte, neun Rebounds) und Campazzo (12 Assists und MVP). Einmal golden, immer golden.



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