Elektromobilität: China will Standards für Akkutausch einführen

Akkuwechselstation von Nio: Unternehmen anleiten, um die Akkuwechseltechnik zu verbessern (Bild: Nio
Die Idee war gut, konnte sich aber nicht durchsetzen: Statt Elektroautos an der Ladesäule zu laden, wollte das Startup Better Place eine Infrastruktur mit Stationen aufbauen, an denen Elektroautomobilisten einen leeren Akku gegen einen vollen tauschen. Inzwischen wird das Konzept in China jedoch wieder aufgenommen.

Chinesische Autohersteller haben die Idee von Better Place wieder aufgenommen. Inzwischen hat auch die chinesische Regierung die Vorteile des Akkutauschens entdeckt und fördert diese Technik: Die Behörden wollten Standards für die Hersteller einführen, damit die Fahrer von Elektroautos nicht auf die Stationen ihres Herstellers angewiesen seien, sondern beliebige Stationen ansteuern könnten, berichtet die US-Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Quellen mit Insiderwissen.

Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie bestätigte Bloomberg die Absichten: „Wir werden die Demonstrationsanwendung des Akkuwechsels aktiv fördern und das System sowie die Standardisierung verbessern“, heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums. „Im nächsten Schritt werden wir die Entwicklungsumgebung optimieren, Unternehmen anleiten, um die Akkuwechseltechnik zu verbessern, die Einrichtung eines ausgereiften Geschäftsmodells fördern und den Komfort der Nutzung von New-Energy-Fahrzeugen weiter verbessern.“ Weitere Details zu den Plänen gab das Ministerium keine bekannt.

Kilometer kaufen statt einen Akku

Vorteil des Akkutauschs ist nicht nur, dass das zum Teil langwierige Laden entfällt. Die Autos würden mit so einem Modell auch günstiger werden. Denn der Akku ist nicht Teil des Autos, sondern der Autobesitzer schließt einen Mietvertrag über den Akku und zahlt für die gefahrenen Kilometer, nicht für den Energiespeicher.

Der ehemalige SAP-Manager Shai Agassi hatte 2008 das Konzept des Akkuwechselns vorgestellt. Unter anderem plante sein Unternehmen Better Place den Aufbau entsprechender Infrastrukturen in Australien, Dänemark, Israel und in zwei US-Bundesstaaten. Der französische Autohersteller Renault beteiligte sich als Partner. 2013 jedoch gab Better Place auf.

Inzwischen ist die Idee wieder aufgelebt. Der taiwanische Motorroller-Hersteller Gogoro etwa stattet seine Fahrzeuge mit Wechselakkus aus, ebenso der deutsche Hersteller Kumpan. Das Berliner Startup Swobbee baut in Berlin eine Infrastruktur mit Lade- und Tauschstationen für Akkus auf, allerdings eher für Kleinfahrzuge wie E-Bikes oder Grünflächengeräte.

Die chinesischen Autohersteller Nio und BAIC haben das Konzept ebenfalls aufgenommen. Nios Elektro-SUVs haben austauschbare Akkus. Das Unternehmen hat Tauschstationen an Autobahnen von Peking nach Schanghai und von Peking nach Shenzhen aufgebaut. Inzwischen sind es über 120. BAIC betreibt in 15 chinesischen Städten knapp 200 Wechselstationen für 16.000 Elektrotaxis. Bis Ende 2022 sollen es 3.000 sein.

China ist der größte Markt für Elektroautos weltweit. Auch westliche Hersteller wie Volkswagen sind dort vertreten. Es wird spannend zu sehen, ob diese sich ebenfalls an mögliche Standards halten müssen und ob das auch Auswirkungen auf andere Regionen haben wird.

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