Endet die Pandemie von allein? WHO-Chef wagt hoffnungsvolle Prognose

Ein ehemaliger WHO-Direktor äußerte bei Twitter die Hoffnung, dass die Corona-Pandemie sich von allein im Sande verlaufen könnte. Ist das wirklich möglich?Bild: denisismagilov/AdobeStock

Neues Futter für alle Gegner der Corona-Pandemie-Maßnahmen. Ausgerechnet der ehemalige Direktor der Weltgesundheitsorganisation „WHO“ äußerte öffentlich die Hoffnung, dass das Sars-CoV-2-Virus ganz von allein verschwinden könnte. Doch Entwarnung gibt er trotzdem noch nicht. Das hat es damit auf sich.

Ehemaliger WHO-Chef twittert hoffnungsvolles Corona-Ende

Der britische Arzt und ehemalige WHO-Direktor Prof. Karol Sikora (Universität Buckingham) ist der Auffassung, dass die Corona-Pandemie auf natürliche Weise zu enden gehen könnte. Und zwar bevor es überhaupt einen Impfstoff gibt. „There is a real chance that the virus will burn out naturally before any vaccine is developed.“ (auf Deutsch: „Es gibt eine echt Chance, dass das Virus auf natürliche Weise ausbrennen wird, bevor eine Impfung entwickelt wurde“), konstatiert Sikora auf seinem Twitter-Account.

Ehemaliger WHO-Direktor schließt von anderen Viren auf Corona

Sikora fügt an „We are seeing a roughly similar pattern everywhere – I suspect we have more immunity than estimated“ („Wir sehen überall ähnliche Muster – ich vermute, wir sind immuner, als geschätzt“). Dennoch sieht er keinen Anlass, das Virus einfach zu ignorieren: „We need to keep slowing the virus, but it could be petering out by itself“ („Wir müssen das Virus weiterhin ausbremsen, doch dann könnte es von allein verblassen.“)

Um das zu erreichen, müssen die Menschen aber weiterhin Abstand halten. Bisher wisse niemand, was passieren werde.

Ist es möglich, dass Corona von allein verschwindet?

Generell ist es möglich, dass Viren irgendwann verschwinden, wenn sie keine Wirte mehr finden, um sich zu vermehren. Das sei zum Beispiel bei der Pocken-Erregern der Fall gewesen, die mithilfe von breitflächigen Impfprogrammen ausgerottet werden konnten.

Hohe Dunkelziffer bedeutet nicht automatisch Immunität

Sikora ist nicht der erste Wissenschaftler, der die Dunkelziffer an bereits Genesenen anbringt. Virologen und Epidemiologen wie Christian Drosten und Karl Lauterbach weisen jedoch darauf hin, dass es selbst nach ausgestandener Covid-19-Erkrankung noch nicht geklärt ist, ob und wie lange eine Immunität anhält. Man weiß noch zu wenig über das Virus, um das mit Sicherheit sagen zu können.

Das sagt Virologe Schmidt-Chanasit zu Theorie des Ex-WHO-Chefs

Gegenüber der „Bild“-Zeitungerklärt der deutsche Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit von der Universität Hamburg: „Dass dieses Virus in der jetzigen Situation komplett verschwindet, wir nennen das Eradikation, glaube ich nicht.“ Der Tropen-Virologe glaubt also nicht an Sikoras Theorie, und das, obwohl Schmidt-Chanasit zu den Experten gehört, die zumeist eher moderate statt alarmierende Töne anschlagen.

Zum Thema Immunität meint Schmidt-Chanasit gegenüber „Bild“: „Dann müssten ja alle Menschen, oder zumindest ein sehr großer Teil, immun sein. Möglich ist aber, dass es keine zweite Welle geben wird. Es wird allerdings zunächst immer wieder neue Infektionen geben.“

Virologe Dr. Martin Stürmer äußert sich ebenfalls kritisch

Auch Virologe Dr. Martin Stürmer (Universität Frankfurt), der selbst an Covid-19 erkrankt war und seitdem noch immer mit den Folgeschäden wie der Beeinträchtigung seines Geruchs- und Geschmackssinns zu kämpfen hat, äußerte sich gegenüber dem Nachrichten-Sender „Welt“ kritisch über den Tweet des ehemaligen WHO-Direktors. Stürmer glaubt, dass wir noch weit von einer Herdenimmunität und somit von einem Ende der Pandemie entfernt sind.

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