„Es wird keine Dauerbeschallung geben“

Auch wenn es uns nicht immer auffällt: Alles um uns herum macht Geräusche, und von der Chipstüte über die Kaffeemaschine bis zur Autotür steckt dahinter viel Planung und Wissenschaft. Einer dieser Sound-Designer ist Angelo D’Angelico, mit dem wir gesprochen haben.

Er hat für den Tatort den Ton gemischt und bei McDonald’s-Spots für den guten Klang gesorgt. Vor sechs Jahren beriet er die Vereinten Nationen, wie Elektro-Autos zu klingen haben. Und heute interessiert ihn vor allem, wie sich Licht anhört und ob die Verpackung beim Aufreißen eine Melodie macht. Wir haben mit dem Sound-Designer Angelo D’Angelico gesprochen.

t3n: Herr D’Angelico, Sie waren einer der ersten, die das Thema Akustik bei der Sicherheit von Elektrofahrzeugen ins Spiel gebracht haben. Wie kam das?

Angelo D’Angelico: „Die akustische Performance kleiner Kaffeemaschinen ist ja wirklich erbärmlich.“ (Foto: Angelo D’Angelico)

Angelo D’Angelico: Es gab 2011 Artikel, die über Unfälle und Beinaheunfälle berichteten, die ihre Ursache im geräuscharmen Fahren haben sollten. Wir haben dem Verkehrsministerium angeboten, das genau zu untersuchen. Insgesamt waren es zwei- bis dreihundert Artikel. Als wir die zum Ursprung verfolgten hatten, blieben noch fünf Artikel übrig. Alle anderen waren davon abgeleitet. Und auch bei den letzten fünf konnte nicht verifiziert werden, dass wirklich etwas passiert ist. Das war natürlich zu wenig.

Dann haben wir begonnen, dass selbst zu recherchieren und sind auf etwa zehn Szenarien gestoßen, in denen das fehlende Geräusch eines Motors mit ein Faktor für gefährliche Situationen war.

 

t3n: Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Alle hatten eines gemeinsam: Sie bezogen sich nur auf Situationen mit geräuscharmer Umgebung. Das können Großparkplätze sein oder Wohngebiete. Situationen, in denen sich der Mensch zunächst mit dem Ohr orientiert, weil er darauf vertraut, dass diese Orientierung erst einmal genügt. Das Visuelle wird hier noch nicht benötigt.

Was wir außerdem festgestellt haben ist, dass der Mensch deutlich darauf reagiert, wenn sich der synthetische Sound ähnlich anhört wie ein klassischer Verbrenner. Er erwartet zum Beispiel ein Ansteigen der Tonhöhe bei höheren Geschwindigkeiten.

Das habe ich 2013 der UN vorgestellt und vermutlich damit die Richtung der Gesetzgebung doch beeinflusst. Heute steht im Gesetz, dass ein Elektroauto wie ein „Fahrzeug“ klingen muß.

t3n: Haben Sie einen optimalen Sound im Kopf? Wie klingt der?

Man muss die Trennung zwischen Avas-Pflichtklang und Markenklang genau vornehmen. Im Bereich Pflichtklang kann man den noch etwas nach unten drücken. Was die Markenklänge angeht, bin ich immer mehr der Meinung, dass die Versuche, die Umgebung künstlich zu beschallen, zum Scheitern verurteilt sind.

Für realistischer halte ich, dass sie Fahrzeuge Sensoren haben, die die Fahrsituation erkennen und dann situationsspezifisch Töne ausspielen. Wenn sich ein elektrisches Fahrzeug von hinten nähert, könnte es die Situation bewerten und einen auch zur Marke passenden Klang ausspielen: „Paß auf, ich bin auch da.“ Es wird keine Dauerbeschallung geben.

Und hier reden wir dann von einer umfassenden Kommunikation durch das Auto. Das gilt auch für Warnklänge oder Hinweise in der Kabine. Leider musste ich aber bisher feststellen, dass die Verantwortlichen wenig Ahnung von aktuellem Sound-Design haben. Das hat sich ja in den letzten Jahren unglaublich weiterentwickelt. Die kommen dann gerne mit dem Windows98-Klang oder Star Wars. Da ist noch ein weiter Weg zu gehen, bis man von der Ingenieurssicht zur Designsicht kommt.

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