eSIM in Deutschland: Vorteile, Kosten, Geräte und Anbieter

Die Tage der klassischen SIM-Karte aus Plastik könnten schon lägst gezählt sein. Denn Provider und Hardware-Hersteller haben sich schon längst auf den Standard für einen vollständig elektronischen Nachfolger verständigt, das so genannte „embedded Subscriber Identity Module“ oder kurz eSIM. Doch was ist diese eSIM? Erfahrt hier, warum sie erfunden wurde, was sie bei deutschen Providern kostet, welche Smartphones und andere Geräte eSIM-fähig sind und wie Ihr eine eSIM bestellt, aktiviert und die damit einhergehenden eSIM-Profile verwaltet.

Was ist die eSIM?

Bevor wir diese Frage beantworten, gehen wir einen Schritt zurück und betrachten den Status quo. Derzeit schließt ihr einen neuen Mobilfunkvertrag ab, erhaltet wenig später per Post eine Plastikkarte (SIM) und setzt diese in euer Smartphone ein. Wechselt ihr den Provider, tauscht ihr die alte SIM-Karte durch die neue aus und werft die alte (hoffentlich) in den Sondermüll.

Das „Subscriber Identity Module“ (dafür steht „SIM“) einer SIM-Karte hat ein Provider-Profil und kann euch anhand eurer Vertragsdaten in das Mobilfunknetz eines bestimmten Providers einwählen. Ärgerlicherweise ist dieses Modul nicht veränderbar, so dass bei jedem Vertragswechsel die ganze Karte ausgetauscht werden muss.

Die Probleme mit diesem System sind leicht erkennbar: Die Post verursacht Verzögerungen, ist unsicher und fehleranfällig. Die Produktion der Plastikkarten mit dem Mikrochip ist teuer und ineffizient. Und bei der Entsorgung der SIM-Karten gehen wertvolle Ressourcen verloren.

Warum also nicht die SIM-Karte programmierbar machen und fest in Mobilfunk-Geräte als Teil des Chipsatzes einbetten? Die Idee der „embedded“-SIM, kurz eSIM wurde geboren. eSIM-Geräte haben einen winzigen Mikrochip, der die Plastikkarte samt SIM-Slot ablösen könnte. Statt per klassischer Brief-Post beliefert zu werden, könntet Ihr neue Mobilfunk-Profile herunterladen wie Apps. Alles ist spezifiziert, Provider und Geräte-Hersteller haben sich geeinigt. Und dennoch schleppt sich die Implementierung der eSIM in der wahren Welt.

Welche Handys und Geräte nutzen eSIM?

Auch drei Jahre nach der erfolgreichen Spezifizierung treffen wir nur wenige eSIM-fähige Smartphones an. Doch das ist wenig verwunderlich. Die eSIM spielt ihre Vorteile eher da aus, wo kleine Formfaktoren gefragt sind. Wenig verwunderlich waren Wearables wie Smartwatches die ersten Geräte in Deutschland, die die eSIM nutzten.

Handys mit eSIM

eSIM-fähige Smartphones bieten neben dem Einschub für die Plastik-SIM-Karte zusätzlich eine eSIM an. Bei manchen Geräten könnt Ihr das Smartphone so de facto als Dual-SIM-Gerät nutzen, bei dem beide SIM-„Karten“ parallel aktiv bleiben. Diese Hybrid-Lösung gilt als guter Kompromiss, um Kunden und Provider sanft auf das neue SIM-System umzustellen.

Tablets mit eSIM

  • Apple iPad Air (ab 3. Generation)
  • Apple iPad mini (ab 5. Generation)
  • Apple iPad Pro 11
  • Apple iPad Pro 12,9 (ab 3. Generation)

Apple hat die eSIM auch für seine Tablet-Familie entdeckt. Einst verwendete der Hersteller nur die „Apple SIM“; eine proprietäre Variante die nicht mit der eSIM-Spezifikation konform war. Für iPads lohnt sich die eSIM vor allem auf Reisen, wenn Touristen ihre Geräte auch fernab von WLANs nutzen wollen. Entsprechende eSIM-Profile laden iPad-Nutzer einfach in den Einstellungen herunter und bezahlen sie sofort.

Smartwatches mit eSIM

  • Samsung Galaxy Watch/Active/2
  • Apple Watch Series 3/4/5

In Deutschland war die Samsung Gear S2 Classic 3G bei Vodafone und O2 das erste Gerät mit eSIM nach GSMA-Standard. Seit 2016 hat sich einiges getan und die Auswahl wurde größer. Etliche weitere Wearables haben eine eSIM. Diese wird jedoch oft in fester Verbindung zu einem Provider verkauft und entspricht so nicht dem eSIM-Standard. Führend in Deutschland gilt hierbei Vodafone mit seinen zahlreichen V-SIM-Geräten.

eSIM bestellen, aktivieren, einrichten

Verfügbar ist die eSIM bei…

  • Telekom
  • Vodafone
  • O2
  • Drillisch (winSIM, PremiumSIM, smartmobil, etc.)
  • 1&1

Die deutschen Mobilfunkanbieter tun sich noch schwer mit der eSIM. Eines der oben angeführten Probleme wollen die meisten partout nicht als solches wahrnehmen: Fast alle bis auf Drillisch und 1&1 schicken Euch das eSIM-Profil per Post zu. Nur letztere wickeln den Prozess komplett elektronisch ab. Die Aktivierung der eSIM erfolgt dann ähnlich wie bei den Österreichern von A1:

Einige Anbieter warten noch mit dem Launch der eSIM. So weiß noch niemand so recht, ob die eSIM bei Congstar noch 2019 kommt. Andere verbinden den Wechsel auf eSIM mit unangenehmen Kosten. Da die Tarif-Landschaft in Deutschland recht vielfältig ist, verweisen wir an dieser Stelle auf die aktuellen Daten bei Computerbild und bei Handyhase.

eSIM-Profile verwalten, übertragen, löschen

Einmal eingerichtet wird ein eSIM-Profil fest in eurem Gerät gespeichert. Wollt ihr etwa auf Reisen ein anderes verwenden, könnt ihr euer heimisches Profil einfach vorübergehend deaktivieren. Derzeit schöpfen Hersteller und Mobilfunkanbieter noch nicht alle Möglichkeiten der eSIM aus. In der Theorie könntet ihr Profile herunterladen, ähnlich wie Apps aus dem Play Store, und diese Profile bei Bedarf wechseln.

Leider könnt ihr einmal aktivierte eSIM-Profile nicht auf ein anderes Gerät übertragen. Wechselt ihr die Smartwatch oder das Smartphone, müsst ihr beim Provider ein neues Profil bestellen. Viele Provider verlangen für diesen Vorgang eine Gebühr, obwohl der völlig automatisiert ablaufen könnte. Besonders bei Anbietern wie Drillisch ist das schwer nachzuvollziehen, da diese nicht einmal das Brief-Porto als Rechtfertigung anbringen können.

Die eSIM lässt sich nicht physisch aus dem Gerät entnehmen, ohne es zu zerstören. Das hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist, dass gestohlene Smartphones von Euch und der Polizei länger anhand der SIM-Karte verfolgt werden können. Der Nachteil ist, dass ihr vor dem Verkaufen eures Smartphones das eSIM-Profil löschen müsst und für das neue Smartphone natürlich wieder ein neues Profil braucht oder eben eine klassische SIM-Karte.

Fazit

Weder die deutschen Provider noch Geräte-Hersteller nutzen das Potenzial der eSIM voll aus. Statt Müll und Aufwand beim Provider-Wechsel zu reduzieren, blockieren etliche Mobilfunk-Anbieter die Idee hinter der eSIM (Ressourcen-Einsparung etc.) mit unnötigen Hürden und Gebühren. Und da zum Beispiel das iPhone (als Zugpferd für manche Innovation in der Vergangenheit) noch immer einen klassischen SIM-Slot hat, fehlt der Industrie der wie so oft nötige Zugzwang.

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