Expertenteam legt Maßgaben für Lockerungen vor – 4 Kriterien entscheidend

Polizisten patrouillieren im U-Bahnhof am Berliner Alexanderplatz.

Die von der Landesregierung in NRW eingesetzte Expertengruppe hat Maßgaben und Vorschläge für Lockerungen der strengen Corona-Einschränkungen vorgelegt. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Ministerpräsident Armin Laschet halte die Vorschläge für „transparent“ und „nachvollziehbar“.

In einem Papier der interdisziplinären Expertengruppe, das der „FAS“ vorliegt, heißt es demnach, über Lockerungen könne erst nachgedacht werden, wenn klar sei, dass das Gesundheitssystem „absehbar nicht überfordert ist“ und Voraussetzungen für ein besseres „Monitoring“ der Krise geschaffen seien. Dann aber könne die Rückkehr zur Normalität „schrittweise forciert werden“.

Fußballstadien sollen geschlossen bleiben

Ein möglicher Weg könne darin bestehen, „einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens nach und nach wieder zuzulassen“. Dazu gehörten Schulen, Universitäten und der Einzelhandel. Bei den Schulen solle es dabei zeitversetzten Unterricht und Unterschiede je nach Alter geben. In Kitas und im „Präsenzunterricht“ sollten zuerst vor allem Lehrkräfte arbeiten, die nicht zu Risikogruppen gehören.

Für die Wirtschaft stellen die Fachleute Reihenfolgen auf. So sollen zum Beispiel Läden früher öffnen als Discos. In Restaurants sollen Tische weit auseinander stehen; nur wenige Gäste werden zugelassen. Fußballspiele, Messen und Kongresse müssten hingegen noch länger verboten bleiben.

Konkrete Schritte sollen sich an vier Kriterien orientieren

Die konkreten Schritte und die Geschwindigkeit der Öffnung sollen sich dem Bericht zufolge an vier Kriterien orientieren. Zunächst müsse bestimmt werden, wo die Gefahr einer Ansteckung besonders hoch sei und wo weniger. Zweitens gelte die Frage: „Für wen wäre eine Ansteckung besonders gefährlich?“. Diese Gruppen müssten weiter besonders geschützt werden. Drittens komme es darauf an, was „für Wirtschaft und Gesellschaft besonders wichtig“ sei. Zuletzt schließlich müsse bedacht werden, wie gut sich im jeweiligen Bereich Schutzmaßnahmen umsetzen ließen.

„Was medizinisch notwendig ist, kann hohe ökonomische Schäden verursachen“

Ökonomie und Gesundheit dürften laut den Experten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Dabei gelte ein Grundsatz. „Was medizinisch notwendig ist, kann hohe ökonomische Schäden verursachen. Diese wiederum können ihrerseits wieder soziale, psychische, aber auch medizinische Folgen haben.“

Dass die aktuellen Einschränkungen nicht alle gleich hart treffen, könne den Experten zufolge zu Problemen führen. Es bestehe die Gefahr, dass Solidarität in Polarisierung umschlage. Trotz breiter Zustimmung für die Beschränkungen sind der „FAS“ zufolge nur noch vier von zehn Personen dafür, diese möglichst lange aufrecht zu erhalten.

Experten warnen vor verfrühtem Optimismus: Lernen, „vorerst mit dem Virus zu leben“

Die Experten warnten allerdings auch vor verfrühtem Optimismus. „Es wird Rückschritte geben. Wir werden mit hoher Wahrscheinlichkeit wiederholt mit einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen konfrontiert werden“, schreiben sie. „Es kann neue kleinere und vielleicht auch größere Infektionswellen geben.“

Dabei sei es auch möglich, dass man „Schritte wieder zurückgehen“ müsse. Deutschland werde lernen müssen „vorerst mit dem Virus zu leben, bis wir es gänzlich kontrollieren können.“ Dabei wäre ein „neues gesellschaftliches Verständnis von Nähe und Höflichkeit“ nötig. Kein Händeschütteln, keine Umarmungen, großer Abstand und möglicherweise das Tragen einer Schutzmaske – das Papier der Experten zeichnet ein Bild der Zukunft, das der momentanen Lage ähnelt.

Laschet macht Hoffnung auf Lockerung nach Ostern

Am Donnerstag hatte Laschet Hoffnung gemacht, dass sich bald etwas tun könnte: Er sprach sich dafür aus, das öffentliche Leben nach Ostern behutsam in eine „verantwortbare Normalität“ zurückzuführen.  Die Lockerung der Corona-Auflagen werde „behutsam“ und „nicht mit einem Schlag“ gehen, sagte er im Düsseldorfer Landtag: „Aber dass wir nach Ostern diesen Versuch wagen sollten, davon bin ich überzeugt.“ Es würden Freiheiten entstehen – so viel wie möglich, aber „in neuer Rücksichtnahme, neuer Verantwortung und in Distanz.“

Dabei plädiert Laschet auch für eine gemeinsame Linie aller Bundesländer beim Zeitplan für die Wiederöffnung von Schulen und Kitas. Zentrale Vorgaben für die Schulen sind in Deutschland nicht möglich, weil Bildung in der Zuständigkeit der Bundesländer liegt.

Karliczek und Laschet wollen gemeinsamen Bildungsweg in der Krise

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sagte, sie teile Laschets Auffassung. „Der Staat sollte in dieser Krise möglichst abgestimmt vorgehen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Die Länder sollten möglichst einheitliche Kriterien für eine Rückkehr in den normalen Schulbetrieb entwickeln.

Die Rückkehr in die Normalität werde er kommende Woche nach Ostern auch mit den Ministerpräsidenten der Länder und mit Kanzlerin Angela Merkel erörtern, sagte Laschet. Der Ministerpräsident will sich Ostersonntag im Radio und Fernsehen an die Bürger wenden.

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