Ferdinand Piëchs Erbe: So ist der Nachlass des Ex-VW-Chefs geregelt


  • Ferdinand Piech war jahrelang der Chef des Volkswagen-Konzerns
  • Montagabend teilte die Witwe Ursula Piëch mit, dass Ihr Ehemann „plötzlich und unerwartet verstorben“ sei
  • Wie der ehemalige VW-Chef sein Erbe geregelt hat, lesen Sie hier

Rund eine Milliarde Euro schwer war Ferdinand Piëch zum Zeitpunkt seines Todes. Ein solches Vermögen weiterzuvererben, ist schwierig. Schließlich will jeder der Nachkommen ein Stück vom Milliardenkuchen und Nachkommen hat Piëch reichlich.

Dreizehn Kinder von vier Frauen, darunter zwei Ehefrauen, sind zu bedenken. Piëch hat sich früh darüber Gedanken gemacht. Schon 2011 schloss er in seiner Salzburger Villa einen Vertrag. Zwei Stiftungen wurden gegründet, in die Piëch seine Anteile an der Porsche SE, der Holdinggesellschaft, die die Mehrheit am Autobauer Volkswagen besitzt, einbrachte.

Der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte Piëch vor vielen Jahren: „Diese Erbengesellschaft widert mich richtig an.“ Und er fügte hinzu: „Für das Verprassen habe ich nicht das geringste Verständnis. Erben ist eine Glückssache. Aber das ist kein Recht, es zu vergeuden.“

Piëchs Anteile hatten einen Wert von 1,1 Milliarden Euro

Der Besitz am Stiftungsvermögen wird demnach nach seinem jetzigen Tod zu gleichen Teilen unter seinen vier Frauen und 13 Kindern aufgeteilt, wobei die Nachkommen mit seiner ersten Frau und Jugendliebe Corina sowie die seiner letzten Ehefrau Ursula doppeltes Stimmrecht im Zweifelsfall besitzen. Ursula darf die Statuten zudem ändern, so lange sie niemanden enterbt oder neu heiratet.

Als Piëch den Vertrag aufsetzte, da ging es noch um rund 15 Prozent der Anteile an der Porsche SE. Die hatten 2011 einen Wert von etwa 1,1 Milliarden Euro. Heute wären sie rund 200 Millionen Euro mehr wert, aber so viel Geld werden seine Frauen und Kinder nicht erhalten.

Piëch verkaufte seine Anteile schon 2017

Denn 2017 kam es zum Familienstreit. Piëch saß seit 2002 an der Spitze des VW-Aufsichtsrates und griff von dort oft massiv in das operative Geschäft des Autobauers ein. 2015 legte er seine Ämter nach einem internen Machtkampf mit dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn nieder, behielt aber einen Sitz im Aufsichtsrat der Porsche SE. Dieses Mandat drohten seine Verwandten, nun nicht zu verlängern.

Um sie zu besänftigen, verkaufte Piëch ihnen nahezu alle seiner Anteile an der Holding. Nur einer seiner beiden Stiftungen behielt einen kleinen Aktienanteil, der nie näher beziffert wurde. Ebenso unklar ist der Preis, den Piëch seinen Verwandten abnahm. Zum fraglichen Zeitpunkt wären seine 14,7 Prozent an der Porsche SE rund 1,1 Milliarden Euro an der Börse wert gewesen.

Familien Porsche und Piëch seit Firmengründung verknüpft

So besteht das Erbe des Ferdinand Piëch heute „nur“ aus Geld. Allerdings wird seine Familie weiter die Macht in der Porsche Holding und damit im VW-Konzern behalten. Die Piëchs und Porsches haben seit der Gründung von VW und Porsche die Macht in beiden Konzernen.

Ferdinand Porsche gründete einst 1931 die Automarke Porsche und bekam drei Jahre später von den Nationalsozialisten den Auftrag zur Entwicklung des ersten Volkswagens. Anton Piëch leitete als sein Schwiegersohn jahrelang des Wolfsburger Stammwerk und besaß zehn Prozent der Firmenanteile. Ferdinand Piëch war sein zweitgeborener Sohn.

Auch heute sind die Linien Porsche und Piëch noch verknüpft. Ferdinand Piëch hat zum Beispiel auch Kinder aus einer Affäre mit Marlene Porsche, der Ex-Frau seines Cousins Gerd Porsche.

Wer die Macht im Konzern jetzt hat

Die Mehrheit in der Porsche Holding besitzt heute die „Familien Porsche-Daxer-Piëch Beteiligung GmbH“, in der die Anteile von Gerhard Porsche (Enkel von Firmengründer Ferdinand Porsche), Ferdinand Oliver Porsche (Urenkel des Firmengründers) und Louise Daxer-Piëch (Enkelin des Firmengründers) zusammengefasst sind.

Zweitgrößter Anteilseigner ist die „Familie Porsche Beteiligung GmbH“ in der die Brüder Wolfgang und Hans-Peter Porsche, beide Enkel von Ferdinand Porsche, ihre Anteile zusammengefasst haben. Dahinter folgt Ferdinand Piëchs Bruder Hans Michel.

Wolfgang und Hans Michel sind nach Ferdinand Piëchs Tod die beiden starken Männer in der Porsche Holding. Sie halten den Vorsitz des Aufsichtsrates und sitzen im selben Gremium auch bei Volkswagen und Audi sowie diversen Porsche-Tochterfirmen.

Die Urenkel streben nach oben

Mit Ferdinand Piëchs Neffen Stefan und Peter Daniell Porsche sind zudem vergangenes Jahr die ersten beiden Mitglieder der vierten Generation, also die Ur-Enkel der Firmengründer, in den Aufsichtsrat eingezogen. Ihnen wird ein sozialeres Engagement nachgesagt als den alten Firmenmagnaten vom Schlage Ferdinand Piëchs.

So betreibt Stefan Piëch etwa von München aus einen privaten Kinderfernsehsender und sitzt im Aufsichtsrat der SOS-Kinderdörfer in Deutschland. Peter Daniell sitzt in der VW-Belegschaftsstiftung und ist Stifter der Ernst-Michael-Kranich-Stiftung sowie der Emil-Molt-Stiftung, die sich beide für Waldorfpädagogik einsetzen. Bis die beiden Urenkel Ferdinand Porsches die komplette Macht von ihren Vätern und Großvätern übernehmen, wird es aber noch einige Jahre dauern.

Auch in die erste Reihe gerückt ist Louise Kiesling, die Nichte von Ferdinand Piëch. Sie sitzt ebenfalls im VW-Aufsichtsrat. Julia Kuhn-Piëch, Tochter von Hans Michel, ist im Audi-Aufsichtsrat vertreten.

Folgen Sie dem Autor auf Facebook

Folgen Sie dem Autor auf Twitter

Mehr zu Ferdinand Piëch

  • Die Witwe von Ferdinand Piëch bestätigt am späten Montagabend den Tod ihres Ehemannes und erklärte, dass er „plötzlich und unerwartet verstorben“ sei. Zuvor war der ehemalige VW-Chef am Sonntag in einem Restaurant von Starkoch Heinz Winkler kollabiert. Lesen Sie, wie Heinz Winkler die Geschehnisse schildert.
  • Bei den Medien war Piëch nie beliebt. Aber was machte die VW-Legende eigentlich aus? Lesen Sie hier mehr. 
  • Zwei Tage vor dem Tod von Ferdinand Piech sollen sich ein Sohn und ein Enkel ein illegales Autorennen geliefert haben. Lesen Sie hier, was die Raser in einem solchen Fall vor Gericht erwartet.





Source link

Reply