Firmentochter gegründet: VW will in fünf Jahren autonom fahren

Der Volkswagen-Konzern bündelt die Entwicklung selbstfahrender Autos in einer neuen Firmentochter. Die Technik könnte ein „Standardmodul“ für alle Konzernmarken werden.

Der Volkswagen-Konzern will selbstfahrende Autos künftig an weltweit drei Standorten entwickeln. Dazu sollen Tochtergesellschaften in Deutschland, im Silicon Valley und in China gegründet werden, teilte das Unternehmen am Montag in Wolfsburg mit. Erste Anwendungsfälle für die selbstfahrenden Systeme (Level 4) seien „Mobilitätslösungen für Personen und Waren im urbanen Raum“ wie autonome Taxis und Transporter. Etwa Mitte des kommenden Jahrzehnts wolle VW „mit der Kommerzialisierung des autonomen Fahrens in großem Maßstab beginnen“.

Die Volkswagen Autonomy GmbH (VWAT) soll ihren Sitz in Wolfsburg und München erhalten. Der Standort in der bayerischen Landeshauptstadt wurde auch deshalb gewählt, weil dort bereits die Konzerngesellschaft Autonomous Intelligent Driving GmbH (AID) ihren Sitz hat. Zudem soll München der europäische Hauptsitz von Argo AI werden. VW hat im Juli 2019 angekündigt, 2,6 Milliarden US-Dollar in das Startup zu investieren. Die Zahl der Mitarbeiter in München soll um 40 Prozent auf 700 aufgestockt werden.

200 Mitarbeiter weltweit

Die Firmentochter VWAT soll hingegen deutlich weniger Mitarbeiter haben. „Perspektivisch sollen in der Gesellschaft rund 200 Mitarbeiter tätig sein. Mehr als die Hälfte dieser Stellen werden in München und Wolfsburg sein“, teilte Firmensprecher Marc Langendorf auf Anfrage von Golem.de mit. VWAT solle sich „stark auf das Systems Engineering und die Industrialisierung fokussieren“, während Argo AI die eigentliche Steuerungssoftware entwickele.

Chef der neuen Firmentochter soll Alexander Hitzinger werden, derzeit Senior Vice President für Autonomes Fahren des Volkswagen-Konzerns und Markenvorstand für Technische Entwicklung bei Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN). Laut Hitzinger will Volkswagen „Synergien über alle Konzernmarken hinweg nutzen, um die Kosten für selbstfahrende Fahrzeuge, Hochleistungscomputer und Sensoren zu reduzieren“. Ziel sei es, perspektivisch ein selbstfahrendes System „als Standardmodul für alle Konzernmarken zu etablieren“.

Die US-Tochtergesellschaft im Silicon Valley soll im kommenden Jahr gegründet werden. Der chinesische Ableger soll im Jahr 2021 folgen. Das Silicon Valley sei wegen der Nähe zu Argo AI und als weltweit führender „Talentpool für autonomes Fahren“ gewählt worden. Ein Entwicklungsstandort in China sei notwendig, „um die lokalen gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen“.

Die VW-Marke für leichte Nutzfahrzeuge soll der erste Anwender eines solchen Systems sein. Offen bleibt, welche Auswirkungen die Neugründung für Konzernmarken wie Audi hat. Dort wurde unter anderem ein sogenannter Staupilot entwickelt, für den es jedoch immer noch keine Zulassungskriterien gibt.

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