Game of Throones Finale in der Kritik: Ein Ende mit Schrecken



Achtung: Dieser Text verrät Inhalte der aktuellen achten Staffel von „Game of Thrones“ und aus allen bisherigen Staffeln. Wer noch nicht alle Folgen gesehen hat und sich lieber überraschen lassen möchte, sollte hier wirklich aufhören zu lesen.

Es ist vorbei. Acht Jahre, nachdem uns HBO und George R.R. Martin in die Welt von Ned Stark, Daenerys Targaryen, die Weißen Wanderer einführten, ist die Saga zu Ende gegangen. Doch was uns von den Machern D.B. Weiss und David Benioff präsentiert wurde ist kein „bittersüßes Ende“ – sondern vor allem eines mit Schrecken.

Was ist passiert?

Bis vor einer Folge galt Daenerys vielen Fans noch als die große Retterin von Westeros. Nach dem Massaker an Königsmund lassen die Macher wenig Zweifel: Die Drachenmutter ist eine Tyrannin ersten Grades. Der Gnom, einst treuer Berater der Khalisi hat ohnehin genug. Gerade hat er seine toten Geschwister gefunden. Obwohl die eigentlich unter einer ganzen Burg begraben waren, liegen sie erstaunlich gut auffindbar und ebenso erstaunlich intakt aussehend unter einem kleinen Steinhaufen. „Ihr habt euren Bruder befreit“, wirft ihm Daenerys vor. „Und ihr eine Stadt ausgelöscht“, kommt es von Tyrion zurück. Schon fliegt seine Brosche als Hand des Königs auf den Boden – und Tyrion in den Kerker.

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Jon ist ähnlich begeistert von seiner geliebten Königin. Im Gespräch mit Tyrion versucht er ihre Aktionen noch mit der Köpfung Missandes zu rechtfertigen, doch eigentlich weiß er: Dieser Königin will er nicht mehr dienen. Also tut er das für die Fans vor kurzem noch undenkbare – und ersticht die Königin mit dem Dolch, der auch den Nachtkönig tötete.

Danach erledigt sich sehr bald die Frage, die Fans sich seit Anfang der Serie stellen: Wer sitzt am Ende auf dem Eisernen Thron? Niemand, stellt sich heraus. Der um seine Mutter trauernde Drogon schmilzt das Symbol der Macht von Westeros in einen Klumpen Metall. Ein letztes „Dracarys“, bevor er mit der Leiche seiner Mutter in den Klauen davonfliegt.

Doch wer herrscht nun? Nachdem Sams Idee der Demokratie von allen nur ausgelacht wird, entscheidet ein Rat, in dem praktischerweise quasi nur bekannte Figuren sitzen, sich für Tyrions Vorschlag. Und damit für – Bran Stark. Das hat wohl keiner kommen sehen.  Als erste Amtshandlung setzt Bran dann Tyrion als seine Hand ein.

Dem fällt es so auch zu, den Königsmörder Jon zu bestrafen. Grauer Wurm will ihn tot sehen, Sansa nach Winterfell holen. Also schickt er ihn nach Norden, um das Schwarz wieder anzulegen. So bekommt wenigstens keiner, was er möchte. Auch eine Art der Gerechtigkeit. 

Danach werden eigentlich nur noch die übrigen Figuren abgewickelt. Sansa wird Königin des Nordens, Arya – die gerade noch betonte, dass das Rudel zusammenbleiben muss – will die Kontinente westlich von Westeros erkunden. Grauer Wurm und seine Unbefleckten werden nach Essos zurückgeschickt. Sie sollen ein eigenes Haus gründen, schlägt Davos vor. Wie die Nachfolge eines Hauses von Kastraten abläuft, hat er wohl nicht durchdacht. 

Der Rest der Hauptfiguren landet mehr oder weniger geschlossen im Rat des Königs. Bessere Leute als die Serienhelden scheint es in Westeros nicht zu geben.  Am Ende gibt es noch mal einen schicken Zusammenschnitt. Und Jon darf sich mit Tormund und Geist wiedervereinen. Am Ende bekommt sogar der Wolf die von Fans geforderte Schmuseeinheit.

Wie war die Inszenierung?

Auch wenn die Folge wieder spitze aussah, besonders gut inszeniert war sie eigentlich nicht. Vor allem Daenerys plötzliche Stilisierung als Tyrannin wirkt wie aus dem Klischee-Baukasten Hollywoods. Schon nach wenigen Minuten richten Grauer Wurm und seine Leute auf ihren Befehl gefangene Soldaten hin. Daenerys Rede vor Soldatenreihen und schwarz-roten Bannern erinnert sicher nicht zufällig an die NS-Zeit. Natürlich hielt sie die Rede nicht in Englisch, sondern Valyrisch. So klingt sie gleich viel fieser. Wie die Befreierin in wenigen Folgen zum Mini-Hitler umgeschrieben wurde, dürfte vielen Fans sauer aufstoßen.

Der Rest der Folge war in erster Linie pragmatisch: Man wollte klar zum Ende kommen. Immerhin gibt es zwischendurch mal einen Schmunzler, etwa wenn Tyrion entdeckt, dass er in der Geschichte des Landes der letzten Jahrzehnte einfach nicht vorkam. Trotzdem gehört das Finale eher zu den schwächeren Folgen der Serie und passt somit zum Rest der achten Staffel.

War es ein würdiges Ende?

Eigentlich nicht. Das, was „Game of Thrones” lange ausmachte – glaubwürdige Figuren, die in einer komplexen Handlung und starken Dialogen miteinander interagieren –  fehlte der Folge nahezu vollständig. Stattdessen gab es viel Fan-Service wie die Tatsache, dass nahezu alle Zuschauer-Lieblinge den König beraten. Ausgerechnet Halsabschneider Bronn als Schatzmeister einzusetzen, ist aus Sicht der Handlung schließlich völliger Unfug.

Auch die Wahl für Bran als König ist aus der Darstellung in der Serie eigentlich nicht erklärbar. Gerade hatte der als dreiäugiger Vogel identifizierende Tagträumer noch betont, dass er vor allem in der Vergangenheit leben würde, jetzt soll er über die Schicksale der Menschen entscheiden, mit denen er meistens nicht mal sprechen möchte. Die Serien-Macher mögen so die Zuschauer überrascht haben, glaubwürdig ist die Idee aber nicht. Eine Inszenierung von Bran als weisem Entscheider früher in der Serie hätte vielleicht die Überraschung verdorben, dem Ende hätte es aber gut getan.

Bester Satz der Folge:

 „Liebe ist der Tod der Pflicht“ zitiert Jon den alten Meister Aemon, der erste Targaryen den er traf und sein weiser Lehrer bei der Nachtwache. „Und manchmal ist die Pflicht der Tod der Liebe“, antwortet Tyrion. Kurz danach beendet Jon die Liebe zu Daenerys mit dem Dolch. Ein beiläufiger Satz eines Targaryen, der Jahre später einen anderen Targaryen dazu bringt, die letzte Königin des Drachenhauses zu töten. Das hätte auch von Martin kommen können.

Bester Moment der Folge:

Jon reitet mit Geist und Tormund in den Norden. Und endlich wird der arme Wolf geknuddelt.



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