Huaweis AppGallery soll wachsen und das Google-Apple-Duopol schwächen

Huawei bereitet sich auf die Zeit nach den Google-Diensten vor und bietet App-Entwicklern je bis zu 20.000 Pfund. Diese sollen ihre Apps in der AppGallery veröffentlichen. Damit die Nutzer nach einem möglichen Aus der Google-Dienste auf Huawei-Geräten denselben Funktionsumfang haben, hat Huawei ein gewaltiges Framework mitsamt Software Development Kit vorgestellt. Dies könnte ein Präzendezfall werden, der das App-Duopol aus Google und Apple generell infragestellt.

Aus Sicht der Smartphone-Nutzer müssten wir mit ganz erheblichen Einschränkungen rechnen: Der Play Store als wichtigste Quelle für Apps verschwindet. Und selbst wenn man ihn durch einen Drittanbieter-Store ersetzen würde oder Huaweis vorinstallierte AppGallery verwendet, kommt es zu Beeinträchtigungen: Standortdienste, in Apps angezeigte Karten oder die Benachrichtigungen fast aller Apps werden von Google-Diensten verwaltet. Auch um finanziell kritische Komponenten wie Werbung und In-App-Käufe kümmert sich Google. Sind letztere nicht verwendbar, starten die meisten davon abhängigen Apps gar nicht erst.

Der Haken: Durch Googles Quasi-Monopol als Plattform für Android-Apps sind fast alle APKs (App-Installationspakete für Android) irgendwie Google-abhängig. Doch genau diese Abhängigkeit will Huawei jetzt zerschlagen, und damit das Monopol aufweichen.

Die AppGallery füllt sich geschwind mit hier relevanten Apps. / © AndroidPIT
Die AppGallery füllt sich geschwind mit hier relevanten Apps. / © AndroidPIT

Genau diese Abhängigkeit will Huawei jetzt beenden. Die dafür notwendigen Voraussetzungen will der Konzern jetzt geschaffen haben. In London hielt man dafür den Huawei Developer Day ab. Nicht nur zeigte Huawei neue Details zu Huawei Mobile Services (HMS) 4.0, seinem Ersatz für die potenziell bedrohten Google-Dienste. Auch lockt es irische und britische Entwickler mit bis zu 20.000 Pfund Bonus, wenn sie ihre App bis 31. Januar in der AppGallery veröffentlichen. Darüber hinaus soll ihr Umsatz-Anteil mit 85 Prozent deutlich höher ausfallen als im Play Store, wo Autoren von Verkäufen und In-App-Käufen nur 70 Prozent behalten dürfen.

Huawei könnte hier eine Lavine lostreten

Was Huawei dort angestoßen hat, könnte den Markt gehörig aufwühlen. Falls Entwickler tatsächlich ihre Apps mit wenig Aufwand von einer (de facto) Plattform auf die nächste portieren können und dafür reichlich belohnt werden, sollte sich zunächst die AppGallery schnell mit spannenden, teils sogar exklusiven Apps und Spielen füllen. Schon jetzt findet man dort den Gaming-Superhit Fortnite, der im Play Store fehlt.

Samsung wird diese Entwicklung mit Spannung verfolgen. Die Koreaner sind Huaweis interessantester Konkurrent, der weiterhin einen vergleichbaren Marktanteil an Android-Smartphones hat. Würden sie parallel zu den Play-Diensten ebenfalls ein HMS-ähnliches Framework etablieren und App-Entwicklern ein ähnlich verlockendes Angebot für das Publishing im Galaxy Store unterbreiten, hätten wir Anwender in zweierlei Hinsicht gewonnen:

  • Wir hätten eine Alternative zu den aus Datenschutz-Sicht fragwürdigen Google-Play-Diensten …
  • … außerhalb Chinas.

Dieser Wettbewerb kann jedoch nur entstehen, falls der Anpassungs-Aufwand sich für Entwickler rechnet. Idealerweise müssten sie in ihren Tools nur einmal den Export-Button drücken; Play-Store, AppGallery oder Galaxy Store auswählen; und die Schnittstellen ihrer App würden den APIs der jeweiligen Frameworks (Google, Huawei, … Samsung?) angepasst. Wäre dies nicht der Fall, drohe Huawei vielleicht ein Windows-Phone-Schicksal.

Manche Fallstricke bleiben für Huawei bestehen

Während meine Vorstellung von Samsungs Motivation rein hypothetischer, idealistischer Natur ist, steht Huawei vor einem dringenden und realen Problem. Der chinesische Hersteller steht unter latentem Zugzwang und ihm droht ein massiver Nachteil, falls er von heute auf morgen keine neuen Geräte mit Play Store mehr verkaufen darf beziehungsweise die Masse an Google-abhängigen Apps auf ihren Geräten nicht mehr funktioniert.

Selbst wenn HMS ein Erfolg wird und irische sowie britische App-Entwickler reihenweise die dicke Willkommens-Prämie abstauben, löst das einen großen Teil des ursprünglichen Problems nicht. Wichtige Apps von US-Firmen, also WhatsApp, Instagram, Uber, Microsoft Office, Netflix unterliegen weiterhin den drohenden Restriktionen. Denn ein Umrüsten von Google auf HMS geht mit einem Handel mit einer chinesischen Firma einher, den sich US-Unternehmen weiterhin (befristet) genehmigen lassen müssten.

Aber selbst wenn die befürchteten Restriktionen doch nicht kommen beziehungsweise wieder abgebaut werden sollten, hat Huawei eventuell genug Anreize geschaffen, dass hunderte andere relevante Apps in die hauseigene Play-Store-Alternative wandern. Dann hätte der Handelsstreit einen starken Konkurrenten hervorgebracht, der perspektivisch noch viele Nachahmer finden könnte. Und diese neue Konkurrenz brächte uns Nutzern endlich die bitter benötigten Alternativen zum bisherigen Duopol Google-vs.-Apple. Danke, Trump!

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