„Ich habe mal eine Blockflöte geklaut“ | ZEIT ONLINE


DIE ZEIT:
Eigentlich heißen Sie Dido Florian Cloud de Bounevialle O’Malley Armstrong. Sorgt dieser
Name manchmal für Verwirrung in Ihrem Alltag?

Dido:
Besonders in Deutschland tut er das, wenn ich zum Beispiel im Hotel einchecken will. Weil
ich Florian heiße, hält man mich oft für einen Mann. Die Mails beginnen gerne mal mit
„Willkommen, Mr. Armstrong“. Ich habe mich mit den Jahren daran gewöhnt. Vor allem als ich
noch jung war, war das nicht immer leicht.

ZEIT:
Ihr neues Album
Still on My Mind
hat ihr Bruder Rowland Constantine O’Malley Armstrong produziert, der Einfachheit halber Rollo genannt, mit dem Sie einst bei der Band
Faithless zusammengearbeitet haben. Was sind die Vorteile, mit seinem Bruder zu arbeiten –
und was die Nachteile?

Dido:
Nachteile? Die gibt es nicht! Ich habe im Verlauf meiner Karriere mit vielen Produzenten
gearbeitet, und deshalb kann ich sehr gut beurteilen, wie begabt mein Bruder ist. Er hat ein
gutes Gespür dafür, wann er sich einmischt und wann er einfach die Dinge laufen lässt. Wir
teilen außerdem die Liebe für elektronische Musik: Als Teenager verbrachte ich viele Nächte
in Clubs, und die Musik, die da lief, inspirierte mich zu meinen ersten Dance-Tracks. Und
dann kam Faithless.

ZEIT:
Nach fünfzehn Jahren Auszeit gehen Sie nun wieder auf Tournee. Sechs Jahre sind seit Ihrem
letzten Album vergangen. In letzter Zeit erscheint die Idee des Albums zunehmend als ein
altertümliches Konzept – heutige Musiker konzentrieren sich lieber auf einzelne Tracks.

Dido:
Ich sehe da kein Richtig oder Falsch. Natürlich hat ein Album eine Dramaturgie: Im
Idealfall nimmt man den Hörer auf eine Reise mit – so habe ich auch die Songs und ihre
Reihenfolge ausgewählt. Aber wenn das jemandem völlig gleichgültig ist, bin ich auch nicht
traurig.

ZEIT:
Das glaube ich Ihnen nicht!

Dido:
Doch, das meine ich so! Einzelne Tracks bekommen doch im Idealfall in einer Playlist, die
jemand anderes zusammengestellt hat, einen frischen Kontext. Der ist auch dem Künstler erst
einmal völlig neu. Was soll daran problematisch sein?

ZEIT:
Würde es Sie stören, wenn ich mir Ihr neues Album herunterlade, ohne dafür zu zahlen?

Dido:
Tun Sie sich keinen Zwang an. Solange Ihnen die Musik gefällt, ist mir das herzlich egal.
Das sah ich schon immer so – ich hatte auch nie ein einfaches Verhältnis zu Plattenfirmen.
Mir geht es darum, dass meine Musik ein Publikum findet. Ich will gehört werden. Aber
natürlich leiden auch viele Musiker darunter, dass ihre Musik einfach gestohlen wird:
Plattenfirmen machen dicht, Künstler verlieren ihre Verträge. Das ist ein schwieriges
Thema.

ZEIT:
Sie können sich Lässigkeit leisten, denn gleich ihre beiden ersten Alben haben in England
Umsatzrekorde gebrochen. Werden Hits jemals zur Routine?

Dido:
Nein, das nicht, aber das Spektrum der Dinge, die einen erfreuen, erweitert sich mit der
Zeit. So wie ich mich über jeden neuen Hit freue, freue ich mich darüber, wenn zum Beispiel
ein Taxifahrer in Thailand an mir vorbeirauscht, der laut meinen Song
Thank You
singt. So ein Erlebnis macht einen wirklich glücklich.



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