Inflation schnell erklärt: Die Definition und der Einfluss auf Verbraucher

Einkaufswagen mit Lebensmitteln: Preise für Waren und Dienstleistungen verändern sich. Steigt das gesamte Preisniveau anhaltend, ist der Euro weniger wert. Man spricht von Inflation. (Quelle: Jens Büttner/dpa)

„Die Inflation ist auf niedrigem Stand“, „Preise treiben die Inflation an“ – der Begriff der Inflation ist ein zentraler der Wirtschaft. Doch was ist die Inflation genau? Und was heißt sie für Verbraucher?

Preisschwankungen sind nicht ungewöhnlich. Steigen die Preise für Waren und Dienstleistungen jedoch anhaltend, spricht man von einer Inflation, auch Teuerung genannt. Der Wert des Geldes – und damit die Kaufkraft – nimmt ab.

Ab wann die Inflation gefährlich werden kann, bei wem sich die Teuerung besonders bemerkbar macht, wer womöglich profitiert und welche Geldanlagen in diesem Szenario eine Überlegung wert sind, lesen Sie in unserer Zusammenstellung.

Was ist Inflation?

Inflation können wir relativ einfach in unserem Geldbeutel feststellen, wenn wir für Waren und Dienstleistungen mehr ausgeben müssen als zuvor. Entgegen einer gefühlten Inflation, dass alles irgendwie teurer wird, spiegelt sich die reale Preissteigerung auf nahezu allen Ebenen wider. Das Geld, das wir zur Verfügung haben, ist weniger wert.

Der Begriff Inflation entstammt dem Lateinischen „inflare“ und bedeutet so viel wie aufblähen. Steigt das Preisniveau anhaltend, verringert sich die Kaufkraft des Geldes. Die Teuerung führt dazu, dass ein Euro weniger wert ist. Aus diesem Grund spricht man bei einer Inflation auch von einer Geldentwertung. Eine leichte Teuerung hingegen ist volkswirtschaftlich durchaus gewünscht.

Für die Einschätzung des Preisauftriebs ist die Geschwindigkeit der Geldentwertung – man spricht auch von der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes – von Bedeutung. Neben der schleichenden Inflation auf der einen Seite markiert die Hyperinflation das andere Ende des Inflationsspektrums.

Reichsbanknote der Weimarer Republik: Während der Hyperinflation von 1914 bis 1923 verlor die deutsche Währung rasant an Wert. (Quelle: Getty Images/Max Köhler)Reichsbanknote der Weimarer Republik: Während der Hyperinflation von 1914 bis 1923 verlor die deutsche Währung rasant an Wert. (Quelle: Max Köhler/Getty Images)

Extreme Geldentwertung – die Hyperinflation: Klettert die Inflationsrate auf mehr als 50 Prozent pro Monat, wird die Geldentwertung quasi unkontrollierbar. Man spricht in diesem Fall von einer Hyperinflation. In Deutschland war dies nach dem Ersten Weltkrieg der Fall: Das Geld verlor so schnell an Wert, dass man es sofort ausgeben musste, um überhaupt noch etwas dafür zu erhalten. Auf dem Höhepunkt der Inflation kostete ein Brot 200 Milliarden Reichsmark. 1923 wurde die Hyperinflation durch die Einführung der neuen Währung Rentenmark gestoppt.

Wie entsteht Inflation?

Inflation kann durch steigende Verbraucherpreise oder auch durch die Erhöhung der Geldmenge gefördert werden. Beides hat die schleichende Geldentwertung zur Folge.

Angebotsinflation: Unternehmen können eine Inflation forcieren, wenn sie ihre Preise erhöhen, um zum Beispiel ihren Gewinn zu maximieren oder für sie steigende Kosten – wie für Energie oder steigende Lohnkosten – an die Konsumenten weiterzugeben.

Nachfrageinflation: Bei der Nachfrageinflation werden dagegen so viele Güter von den Konsumenten nachgefragt, dass das Angebot dafür nicht ausreicht. Die steigende Nachfrage treibt die Preise. Denn: Befürchten Verbraucher, dass Waren und Dienstleistungen bald teurer sein könnten, schlagen sie lieber heute als morgen zu. Die Nachfrage steigt weiter und mit ihr die Preise. Ziehen mit den Preisen auch die Löhne an, kann sich eine selbst verstärkende Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen, die die Inflation weiter befeuert.

Bei der Erhöhung der Geldmenge spielen geldpolitische Faktoren wie die Geldwertstabilität eine wichtige Rolle. Notenbanken pumpen Geld in die Märkte, um die Konjunktur anzukurbeln und die Inflation anzuheizen. Die Geldmenge erhöht sich, ohne dass das Angebot an Waren und Dienstleistungen in gleichem Maße zunimmt.

Euromünzen: Steigen die Preise anhaltend und über alle Waren und Dienstleistungen hinweg, spricht man von Inflation. Das Geld verliert an Wert, die Kaufkraft nimmt ab. (Quelle: Getty Images/anyaberkut)Euromünzen: Steigen die Preise anhaltend und über alle Waren und Dienstleistungen hinweg, spricht man von Inflation. Das Geld verliert an Wert, die Kaufkraft nimmt ab. (Quelle: anyaberkut/Getty Images)

Geringe Preisschwankungen sind uns allen vertraut und sind normal. Steigen oder sinken die Preise jedoch anhaltend, gerät die Preisstabilität und mit ihr die Währung ins Wanken. Die Europäische Zentralbank sieht bereits eine Teuerung von mehr als zwei Prozent als Gefahr für die Geldwertstabilität.

Das Problem: Nimmt der Wert des Geldes im Zuge einer Inflation ab, verlieren die Verbraucher unter Umständen das Vertrauen in die Währung – beziehungsweise in das Papiergeld als Tauschmittel. Die Sparneigung der Bevölkerung geht zurück, das Geld wird entweder ausgegeben, in Sachwerte investiert oder in andere Währungen umgeschichtet.

Geldwertstabilität: Die Geldwertstabilität ist ein wichtiges Ziel der Geldpolitik. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat als Ziel eine jährliche Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent ausgegeben. Daran orientieren sich die geldpolitischen Aktionen der Notenbank der Eurostaaten.

Die Inflationsrate – Gradmesser der Inflation

Gradmesser der Inflation ist der Preisindex. Der bekannteste im Euroraum ist der sogenannte Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI). Dieser umfasst einen imaginären Warenkorb mit rund 700 Waren und Dienstleistungen, die ein privater Haushalt konsumiert oder in Anspruch nimmt, unterteilt in: Alltagsprodukte, langlebige Gebrauchsgüter und Dienstleistungen.

Die Inflationsrate wird aus dem Preis des gesamten Warenkorbs in einem Monat im Vergleich zum Preis desselben Warenkorbes im Monat des Vorjahres errechnet. Die Teuerungsrate bezeichnet demnach die prozentuale Veränderung der Lebenshaltungskosten.

Bei der Ermittlung der Inflationsrate spielt die Gewichtung der Güter eine nicht unwesentliche Rolle. Dabei wird den Preisen von Produkten, für die im Durchschnitt mehr Geld ausgegeben wird – wie zum Beispiel Strom – eine größere Bedeutung beigemessen als zum Beispiel Produkten, für die weniger Geld ausgegeben wird.

Geldentwertung – Wen die Inflation besonders trifft

Geringverdiener, die einen Großteil ihres Einkommens für Lebensmittel und Energie wie Strom, Heizöl oder Sprit aufwenden müssen, spüren die Inflation besonders deutlich. Denn diese Preise steigen vergleichsweise beträchtlich, während Preise für große, aber seltenere Anschaffungen wie Technik häufig sogar sinken.

Zu den Verlierern einer Inflation zählen auch Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Rentner, deren staatlichen Leistungen nicht im gleichen Maße zeitnah erhöht werden, sodass diese die Inflation auffangen können. Auch Sparer verlieren einen Teil ihres Vermögens, wenn die Zinsen für die Geldanlage unterhalb der Inflationsrate liegen.

Schulden – Wer von einer Inflation profitiert

Die Inflation kommt vor allem Schuldnern entgegen. Verbraucher, Unternehmen oder auch der Staat können sich leichter entschulden. Denn: Steigt das Preisniveau, verlieren Schulden relativ an Wert.

Schuldner können sich schneller mit Geld eindecken, während sich der reale Wert des Kredits verringert und schneller zurückgezahlt werden kann. Jedoch müssen sich zum Ausgleich der Inflation auch die Einkommen erhöhen, damit die Verbraucher die Entwertung ihrer Schulden auch wirklich spüren.

Goldbarren: Im Zuge einer Inflation nimmt der Wert des Geldes als Tauschmittel in einer Wirtschaft ab. Um dem Wertverlust entgegenzuwirken, flüchten Anleger vermehrt in Sachwerte. (Quelle: dpa/Sven Hoppe)Goldbarren: Im Zuge einer Inflation nimmt der Wert des Geldes als Tauschmittel in einer Wirtschaft ab. Um dem Wertverlust entgegenzuwirken, flüchten Anleger vermehrt in Sachwerte. (Quelle: Sven Hoppe/dpa)

Kann man der Geldentwertung entkommen?

Während die Inflation langsam aber sicher die Sparguthaben auffrisst, suchen Verbraucher Wege, ihr Geld inflationsgeschützt anzulegen. Sparer können umschichten: Wenn der Goldpreis steigt, ist das stets ein Zeichen, dass Anleger in sichere Häfen flüchten. Beliebt in Inflationszeiten sind auch Immobilien, das sogenannte Betongold.

Tagesgeld- und Festgeldkonten

Wenn möglich sollten Anleger darauf achten, dass die Zinsen auf den Tagesgeld- und Festgeldkonten oberhalb der Inflationsrate liegen und auch die Steuerzahlungen auf Zinseinnahmen mögliche Gewinne nicht pulverisieren.

In Niedrigzinsphasen sollten Sparer neben der Verzinsung auch die Laufzeit im Auge haben. Das Geld sollte nicht langfristig im niedrigen Zinsbereich gebunden sein. Anleger, die mit steigenden Inflationsraten rechnen, sollten ebenfalls auf eine langfristige Bindung ihrer Guthaben verzichten.

Edelmetalle

Gold gilt vielen Anlegern als sicherer Hafen gegen die schleichende Geldentwertung. Dabei kommt dem Edelmetall, sowie auch Silber und Platin zugute, dass es nicht beliebig reproduzierbar ist. Zwar gibt es hier und da neue Goldvorkommen, doch kann die Menge an Gold – anders als beim Papiergeld – nicht wesentlich steigen. Der Wert des Rohstoffs hingegen kann durchaus schwanken. Steigt die Nachfrage, steigen auch an den Rohstoffbörsen die Preise.

Werden andere Anlageformen – zum Beispiel Aktien oder Anleihen – attraktiver, verlieren Rohstoffe auch wieder schnell an Wert. Für Anleger, die nicht direkt in physisches Gold investieren wollen oder können, bieten Finanzprodukte mit Gold als Basiswert zur Beimischung im Portfolio eine Alternative.

Immobilien

Aus Sorge um die Geldwertstabilität schauen viele Anleger auf Immobilien als Geldanlage. Die steigenden Preise für Immobilien und Mieten in vielen Städten aber auch Gemeinden scheinen ihnen Recht zu geben. Doch Haus ist nicht gleich Haus.

Nicht alle Immobilien erfüllen die Voraussetzung für einen Inflationsschutz. Wichtig sind die Lage – wenn möglich in einem nachgefragten Gebiet – sowie die Mieterstruktur – wenn möglich solvente langfristige Mieter.

Nicht nur als Renditeobjekt, sondern auch als Eigenheim ist die Geldanlage in Immobilien vielen Verbrauchern eine Überlegung wert. Wichtig ist, die Angebote zur Immobilienfinanzierung ausreichend zu vergleichen und sich günstige Konditionen langfristig zu sichern. Das gilt ebenfalls für die Anschlussfinanzierung bestehender Darlehen.

Aktien

Für viele Investoren manifestiert sich der Wert einer Aktie anhand der Kursbewegungen im Portfolio. Die Zeiten, in denen Anleger noch eine Urkunde über den Kauf des Wertpapiers überreicht bekamen, sind lange vorbei.

Doch selbst wenn Aktien in dem Sinne wenig greifbar sind, gehören sie – im Gegensatz zu festverzinslichen Rentenpapieren – zu den Sachwerten. Mit dem Kauf einer Aktie erwerben Anleger einen Anteil an dem jeweiligen Unternehmen, für den im Idealfall jährlich eine Dividende ausgeschüttet wird.

Steigen während einer Inflation die Preise, kann das Unternehmen zugutekommen, die diese an die Verbraucher weitergeben oder selbst festsetzen können. Der Gewinn erhöht sich, was sich wiederum in einer höheren Dividende niederschlagen kann.

Von diesem Szenario profitieren in erster Linie Unternehmen der so genannten Old Economy wie der Maschinenbau, die Automobilindustrie oder auch die Bau- und Chemiekonzerne. Zieht die Inflation jedoch in stärkerem Tempo an, können auch diese Branchen die höheren Kosten für Produktion und Löhne weder auffangen noch weiterreichen. Das Zusammenspiel von steigenden Kosten, sinkender Kaufkraft und abnehmenden Gewinnen drückt dann hier ebenfalls auf die reale Unternehmensrendite.

Und die Zinsen?

Gewinnt die Inflation an Fahrt, steigen in der Regel auch die Zinsen. Dies lässt die Nachfrage nach verzinslichen Rentenpapieren – Anleihenprodukte, die zu den Geldwerten zählen – ansteigen, während die Aktienmärkte im gleichen Zug meist nachgeben.

Eine gute Nachricht für Sparer, insofern die Zinsen über der Inflationsrate liegen. Ein Szenario, auf das Sparer in der aktuellen Niedrigzinsphase jedoch noch lange warten können.

Das Gegenstück zur Inflation – die Deflation

Bei einer Deflation sinkt das allgemeine Preisniveau langfristig, die Kaufkraft des Geldes steigt. Das Angebot übersteigt die Nachfrage, was zu weiter sinkenden Preisen führt. Dies kann eine deflationäre Abwärtsspirale in Gang setzen: Glauben Käufer, dass sie die Waren bald noch billiger bekommen, schieben sie den Kauf hinaus. Der sogenannte Käuferstreik drückt weiter auf die Preise.

Im gleichen Zug nimmt die Menge der angebotenen Waren weiter zu, während die Käufer ausbleiben. In den einbrechenden Märkten werden Stellen gestrichen – Firmeninsolvenzen und die Arbeitslosigkeit nehmen zu. Banken müssen verstärkt Kredite abschreiben. Zur Verringerung des Ausfallrisikos werden kaum weitere Kredite vergeben.

Die Deflation kommt deutlich seltener vor als die Inflation. Gefährlich wird es, wenn die gesamte Wirtschaftsleistung bis hin zur wirtschaftlichen Depression gedrückt wird. Da auch die Steuereinnahmen des Staates sinken, kann er immer weniger tun, um die Deflation aufzuhalten. Es ist deshalb unter anderem Aufgabe der Zentralbanken, die Geldentwicklung im Auge zu behalten und mit Maßnahmen zu reagieren, wenn eine zu starke Inflation oder eine Deflation drohen.

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