Julia Görges im Interview: „Für mich ist es das Beste, in Deutschland zu spielen“ – Sport

Julia Görges spielt inzwischen auch gern auf Rasen.FOTO: DPA
Julia Görges, 31, hat in ihrer Tenniskarriere sieben Turniere gewonnen. In der Weltrangliste beendete sie das Jahr 2019 auf Position 28. Im kommenden Juni wird Sie bei den Grass Court Championships in Berlin im Steffi-Graf-Stadion mit dabei sein. Am vergangenen Donnerstag schaute sie schon einmal auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß vorbei. Dabei hatten wir Gelegenheit, mit ihr zu sprechen.

Julia Görges, Sie sind eines der Gesichter des neuen Rasenturniers beim LTTC Rot-Weiß. Wie groß ist die Vorfreude auf Berlin?

Ich freue mich schon sehr auf das Turnier, weil es immer schön ist, an einen Ort zurückzukommen, an dem man vor zwölf Jahren schon einmal aufgeschlagen hat.

Sie sprechen die letzten German Open 2008 an, wo Sie als 19-Jährige damals noch auf Sand mitgespielt haben. Gab es seither Berührungspunkte mit Berlin?
Eine meiner besten Freundinnen lebt in Berlin. Ich habe also schon einen Bezug zur Stadt. In den vergangenen Jahren war ich insgesamt vielleicht drei- oder viermal hier, also nicht so häufig. Aber wenn in der Hauptstadt so ein Turnier veranstaltet wird, hat das schon etwas sehr Besonderes.

Inwieweit denken Sie denn jetzt schon an ein Turnier wie das in Berlin, das erst in über einem halben Jahr stattfindet?
Komisch ist das nicht für mich, weil man ja eigentlich schon weiß, was für Turniere in der Saison anstehen. Da finde ich es sogar besser, wenn man solche Termine wie den Spatenstich auf der Anlage am Donnerstag dann hat, wenn die Zeit da ist.

Sie galten immer als Allrounderin mit kleiner Rasenallergie. Aber seit zwei Jahren spiele sie auf Rasen stark und freuen sich vielleicht auch besonders auf solche Turniere.
Früher war Rasen wirklich nicht so meins, aber da habe ich mittlerweile auch mein Spiel gefunden. Auf Hartplatz und Sand habe ich in der Vergangenheit meine Turniere gewonnen, auf Hartplatz ist die Chance natürlich auch größer, weil man dort drei Viertel des Jahres spielt. Grundsätzlich bin ich aber zufrieden, wie ich mein Spiel auf jedem Belag einsetze.

Wurde über das neue Turnier auf Rasen in Berlin unter den Spielerinnen vorab gesprochen? Also in die Richtung, dass man da gern dabei sein möchte?
Ich weiß, dass viele Spielerinnen sehr gern bei einem Premier-Event auf Rasen spielen. Dazu kommt, dass Berlin als Hauptstadt natürlich zieht. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die jüngeren Spielerinnen die ganze Historie mit Steffi Graf so kennen. Dadurch, dass Berlin aber gut zu erreichen ist und weil viele wissen, wie die deutschen Turniere so gehandhabt werden, wird da schon viel Mundpropaganda gemacht. Da kommt bestimmt ein gutes Feld zusammen. Und für mich ist es sowieso immer das Beste, in Deutschland zu spielen.

Haben denn Barbara Rittner oder Edwin Weindorfer schon mal angefragt, ob sie nicht die eine oder andere Spielerin für Berlin werben wollen? Sie verstehen sich ja beispielsweise sehr gut mit der Weltranglistenersten Ashleigh Barty.
Ich werde mit ihr ja im nächsten Jahr Doppel zusammenspielen. Und wenn sie mich dann fragt, werde ich ihr sicherlich meinen positiven Input geben (lacht).

Worauf freuen Sie sich denn am meisten, wenn Sie an das Turnier in Berlin denken?
Erst einmal, dass es in Deutschland stattfindet. Deutsche Zuschauer sind immer etwas Besonderes für mich. Ich bin sehr heimatverbunden, ich spiele und bin auch gern hier. Und jetzt in Berlin im Steffi-Graf-Stadion wird es sowieso speziell, weil man ja so ein bisschen die Generation nach Steffi ist, die zwar auch einiges geleistet hat. Aber klar, Steffi sticht natürlich immer heraus.

Sie haben mit Jens Gerlach einen neuen Trainer. Worauf legen Sie in der Vorbereitung auf die Saison besonderen Wert?
Erst einmal geht es darum, sich in Sachen Trainingsarbeit kennenzulernen. Wir haben ja am Ende der abgelaufenen Saison schon zwei Wochen in Linz und Luxemburg zusammengearbeitet, was natürlich ein Vorteil ist, weil man weiß, wie der andere tickt im Turnieralltag. Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden, wie der Anfang gelaufen ist. Ich schätze Jens sehr, er bringt sehr viel Erfahrung mit und hat mit Anastassija Myskina auch schon einen Grand Slam gewonnen (2004, die French Open, d. Red). Und das ist für mich natürlich auch ein Ziel. Aber es geht auch darum, spielerisch eine klare Linie zu haben. Ich möchte jetzt die Julia Görges formen, die ich dann im nächsten Jahr sein will. Da ist natürlich auch mein eigener Input wichtig.

Welche Rolle spielt es in einer Spieler-Trainer-Beziehung, dass man sich wie in ihrem Falle schon länger kennt?
Es ist schon ein Vorteil, dass er als Fed-Cup-Kapitän mit auf der Bank saß. Auf der WTA-Tour gibt es ja auch die Möglichkeit, des On-Court-Coachings. Aber das wollen wir auch im Hinblick auf die Grand Slams eher geringhalten, weil es dort nicht diese Möglichkeit gibt. Außerdem wird man als Spieler ja auch erwachsener, wenn man bestimmte Situationen selbst reflektiert und analysiert.

Sie sind in der Vergangenheit oft gut in eine Saison gestartet. Kann dieses Wissen gerade in einer Phase des Umbruchs hilfreich sein?
Die Tour in Australien, aber auch die Turniere in Indian Wells und Miami – das ist für mich immer besonders. Ich genieße es, dahin zurückzukehren. Gerade Auckland, wo ich jetzt elf Jahre gespielt habe, ist fast wie eine Familie für mich. Ich werde mit einem frischen Mindset auch diesmal wieder alles versuchen, damit dort Positives herauskommt.

Sie sind seit ein paar Wochen 31. Wie gefällt es Ihnen als Veteranin bezeichnet zu werden, die im Herbst Ihrer Karriere steht?
Da muss ich schmunzeln, weil, ich weiß ja, was ich noch vorhabe in meinem Leben, aber auch in meiner Karriere. Und heute ist 30 im Tennis ja auch überhaupt kein Alter mehr.

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