Kolumne „Losgelaufen“: Was Läufer von Tieren lernen können – Sport



Weniger als fünf Wochen sind es noch bis zum Berlin-Marathon. Eigentlich sollte sich jetzt alles ums Kilometer schrubben drehen. Laufen, essen, schlafen, laufen. Ich dagegen war neulich im Zoo. Sollte man jetzt noch schnell machen, bevor die Massen wegen des erwarteten Panda-Babys anrücken. Einfach mal abschalten vom Großstadt- und Alltagsstress, Tiere beobachten und nicht an die inzwischen verhassten Laufschuhe denken. So war der Plan. Also vorbei an den Flamingos, Wildschweinen, Zebras und Rentieren bis zu den beiden Geparden. Die schnellsten Landtiere der Welt! Bis zu 120 Stundenkilometer – zumindest außerhalb des Zoos. Wie machen die das? Und: Kann ich mir nicht ein paar Lauftricks abschauen?

Die Idee ist nicht ganz neu. In der Technik versuchen Forscher unter dem Begriff „Bionik“, Phänomene der Natur für sich zu nutzen. Schon Leonardo da Vinci ließ sich vom leichten Körperbau von Vögeln für die Pläne einer Flugmaschine inspirieren, der Klettverschluss wurde in den 1950er Jahren nach dem Vorbild der Klettfrüchte entwickelt.


„Der Mensch hat sich schon einiges aus der Tierwelt abgeschaut“, sagt Zoo-Kurator Tobias Rahde. Er selbst ist Hobbyläufer und hat jeden Tag Gelegenheit, die Methoden der Tierprofis zu beobachten. „Sie haushalten allesamt sehr gut mit ihren Kräften.“ Löwen würden auf Regeneration setzen und 20 Stunden täglich schlafen. Ausdauerläufer wie verschiedene Antilopenarten seien dagegen stundenlang in Bewegung und junge Steinböcke würden aneinander hochspringen, um so Trittfestigkeit und Reaktionsschnelligkeit zu üben.

Rahdes Lieblingsläufer in der Tierwelt sind die afrikanischen Wildhunde, die über weite Strecken eine Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern halten könnten. Dabei hilft ihnen die ausgestreckte Zunge, mit der sie die maximale Sauerstoffzufuhr sicherstellen. Zum Vergleich: Ein Schäferhund bringt es auf gerade einmal 30 km/h – für einen kurzen Sprint. Das gleiche Tempo schafft ein eher versteckter Sportler unter den Tieren: das Flusspferd, das mit seinen 1,5 Tonnen Gewicht im Flucht- und Angriffsfall rasant beschleunigen kann.

Und wie machen das jetzt die Geparden? „Sie haben einen explosiven Start aus einer gespannten, tiefen Haltung“, analysiert Rahde. Von der Technik ähnlich wie startende Sprinter. Außerdem würden den Tieren ihre Krallen helfen, die wie Spikes eine effizientere Kraftübertragung ermöglichen. Rahdes Fazit: Eigentlich hat sich der Mensch schon die meisten Tricks aus der Tierwelt abgeschaut. Auf 120 Stundenkilometer werde ich es trotzdem nicht bringen. „Dafür müssten Sie sich zwei weitere Beine wachsen lassen.“ Mache aber nichts, sagt Rahde. „Auf der Marathondistanz würde ein Mensch gegen einen Geparden gewinnen.“ Ich bin beruhigt und gehe zum Panda-Gehege.



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