Matthias Politycki „Das kann uns keiner nehmen“: Ein Afrika-Roman über Deutschland

Matthias Politycki hat mit

[ad_1]Wer für die nächste Zeit einen Urlaub geplant hat, wird seine Pläne wohl knicken müssen. In den kommenden Wochen und Monaten wird sich das Leben der meisten innerhalb der eigenen vier Wände abspielen. Auf Reisen muss dennoch niemand verzichten: Gute Bücher nehmen einen überallhin. Wer schon immer mal Afrika kennen lernen wollte, dem sei „Das kann uns keiner nehmen“ von Matthias Politycki ans Herz gelegt.

Der neue Roman ist zunächst einmal ein ungemein persönliches Buch  – darin verarbeitet der 1955 geborene Schriftsteller Erlebnisse seiner ersten Afrika-Reise von 1993, bei der er um ein Haar umgekommen wäre.

Matthias Politycki erzählt auch von Deutschland

Dies ist aber nur der biografische Hintergrund eines Romans, der weit darüber hinausreicht. Es geht um Freundschaft, Liebe und Tod. Natürlich erfährt der Leser viel über Afrika. Am erstaunlichsten aber: „Das kann uns keiner nehmen“ wirft einen überraschenden Blick auf die deutsche Gegenwart.

Denn die beiden Protagonisten, die sich hier auf dem Gipfel des Kilimandscharos kennen lernen, sind Touristen aus Deutschland – und einander zunächst nicht sonderlich gewogen. In ihrer Heimat wären sie sich vermutlich nie über den Weg gelaufen. Hier der Schriftsteller Hans, ein Linksliberaler, wie er im Buche steht mit der festen Überzeugung, immer auf der richtigen Seite zu stehen. Dort der ungehobelte Bayer Tscharli, ein notorischer Sprücheklopfer – „Ich bin ganz Orinoco“ – und ein veritabler Bauerntölpel, wie es zunächst scheint..

Auf dem Dach Afrikas sind diese ungleichen Typen jedoch aufeinander angewiesen. Zwischen ihnen setzt allmählich ein Austausch ein, der hierzulande in der Form kaum noch geführt wird. Zu viele haben es sich in ihren Filterblasen bequem gemacht und nehmen nur noch Meinungen und Gedanken zur Kenntnis, die ihrem Weltbild widersprechen. Und so beginnt auf dem höchsten Berg Afrikas ein interessantes Gespräch, das gerade bei dem aufgeklärten und immer moralisch argumentierenden Hans viele Gewissheiten ins Wanken bringen wird.

„Refugees welcome“? Das freut nicht jeden Afrikaner

Im Gespräch mit dem afrikanischen Bergführer verteidigt der liberale Hanseat sein wie ein Glaubenssatz vor sich hergetragenes „Refugees welcome“. Der Einheimische konfrontiert ihn mit einer anderen Sicht: Ob ich schon einmal darüber nachgedacht hätte, was eine solche Einladung für Afrika bedeute? 

„Nun“, setzte ich an, schön korrekt und kompromißlos und durchaus mit Stolz, „zumindest die Gewißheit, daß es in Europa ein Asylrecht gibt, das Schutz gewährt.“

„Und die Gewißheit für uns hier“, ergänzte Solomon, ohne zu zögern, „daß das, was wir die letzten Jahre mit viel Mühe und noch viel mehr Hoffnung aufgebaut haben, nicht mehr zählt.“

So geraten bei Hans langsam Gewissheiten ins Wanken, die ihm unumstößlich schienen. Nach wenigen Tagen lässt er sich breitschlagen, den ihm anfangs so verhassten Tscharli auf eine Reise durch den Kontinent zu begleiten, auf der die beiden Männer zu Freunden werden, sich einander die Geschichte ihres Lebens – und ihrer großen Lieben – erzählen. Bis einer von beiden schließlich den Tod finden wird.

Für diese gewaltige Vielfalt an Themen, Eindrücken, an Landschaftsbeschreibungen braucht Politycki keine 300 Seiten. Dazu erzählt er in einem schnurrigen, klaren und hervorragend lesbaren Stil, der einen von Beginn an packt. So ist dieses Buch die großartige Gelegenheit, trotz Corona-Krise eine Reise ins ferne Afrika zu lesen und doch mit beiden Beinen im Hier und Jetzt verwurzelt zu bleiben. Am Ende dieser Reise ist man als Leser nicht nur um ein Abenteuer reicher, sondern hat den Tscharli fest ins Herz geschlossen. Lecko mio.[ad_2]

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