Mozilla testet Firefox-Plugin mit eingebautem Nachrichten-Abo

Für ein paar Dollar im Monat Zugriff auf Dutzende werbefreier Websites – das verspricht die neue Initiative „Firefox Better Web with Scroll“. Durch die Integration des News-Startups Scroll will der Browser-Hersteller einen neuen Einnahmekanal etablieren.

Scroll war Ende Januar in den USA gestartet. Das Angebot: Für fünf Dollar im Monat wird die Werbung auf knapp 50 amerikanischen Websites ausgeblendet. Das eingenommene Geld wird dabei an die Betreiber der Websites verteilt. Der Anteil des Geldes richtet sich danach, wie oft die Nutzer auf die entsprechenden Angebote zugegriffen haben.

Laut Eigenwerbung ist das Modell bereits erfolgreich. So haben sich Angebote von der Tech-Website „The Verge“ über „Buzzfeed News“ bis hin zur Satire-Website „The Onion“ angeschlossen. Laut „The Scroll“ reicht der Mitgliedsbeitrag derzeit nicht nur dazu aus, die entgangenen Werbeeinnahmen auszugleichen, sondern sogar ein Plus von 40 Prozent pro Leser zu machen.

Für Mozilla ist das Geschäftsmodell ein möglicher Ausweg aus dem überbordenden Werbesystem. Hier seien Werbeblocker alleine keine nachhaltige Lösung. „Wenn wir ein besseres Internet für alle schaffen wollen, müssen wir auch einen Weg finden, wie wir die Publisher mit ins Boot nehmen können“, begründet Mozilla-Manager Matt Grimes die neue Zusammenarbeit in einem Blogbeitrag.

Zum Start bietet Mozilla den Nutzern einen vergünstigten Einstiegstarif von 2,50 US-Dollar, nach sechs Monaten sind die vollen 5 Dollar fällig. Dazu müssen die Nutzer ein Plugin im Rahmen des TestPilot-Programms installieren. Ob und wann der Versuch auf europäische Nutzer ausgeweitet werden kann, ist derzeit nicht bekannt. Wer will, kann weiter einen separaten Adblocker benutzen, muss aber eventuell die von Scroll benötigten Tracker freischalten.

Die Idee ist nicht neu. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Verlage den Lesern eine Möglichkeit gegeben, ihre Angebote ohne oder mit weniger Werbung anzusehen. Doch die Nachfrage hält sich in Grenzen. Erfolgreicher sind in der Regel Paywalls, bei denen Nutzer für den Zugang zu Exklusiv-Inhalten zahlen.

Auch Adblocker-Modell versuchen sich schon länger daran, sich als Bezahlplattformen zu etablieren. So hatte Adblock Plus den Crowd-Bezahlservice Flattr übernommen, kam damit aber auf keinen grünen Zweig. Der Browser-Hersteller Brave hatte ebenfalls ein Modell versprochen, bei dem Publisher mit privatsphäre-schondender Werbeausspielung finanziert werden sollten, konnte aber noch keine Website-Betreiber zu einer tatsächlichen Kooperation überreden. Zwar können Nutzer Mini-Beiträge in Form einer eigenen Crypto-Währung an einige Website-Betreiber schicken, Werbekooperationen oder aufgehobene Paywalls für Brave-Nutzer gibt es aber bisher nicht.

Mozilla versucht mit solchen kostenpflichtigen Angeboten ebenfalls einen Einnahmekanal für sich selbst zu generieren. So hatte die Stiftung auch den Linkservice Pocket übernommen, konnte damit aber bisher noch wenige Abogebühren generieren. Die Haupt-Einnahmequelle der Stiftung sind nach wie vor Werbeprovisionen, die für die Integration von Diensten ins Suchmaschinenfeld des Browsers bezahlt werden. Da diese Einnahmen sinken, versucht Mozilla sein Portfolio durch kostenpflichtige Dienste wie etwa eine integrierte VPN-Funktion zu erweitern. Da diese Einnahmen aber zu langsam wachsen, musste Mozilla im Januar 70 Angestellte entlassen.

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