Organspende: Joko Winterscheidt appelliert an euch

Manchmal ist es ja wie vernagelt. Man sucht einen Namen für etwas und findet einfach keinen. Sei es für ein Kind, den Hund oder einen Verein, den man gründet. Meine Freundin Claudia Kotter hat es damals richtig gemacht. Sie hat die „Jungen Helden“ ins Leben gerufen. Warum gerade dieser Name? Ganz einfach. Alle Mitglieder waren jung und wollten Helden sein. Wie Superhelden für ein lebenswichtiges Thema kämpfen: Organspende.

Nun sind die Jungen Helden aber kein klassischer Verein. Sie alle sind Freunde, eine Familie. Und ich bin seit einer gefühlten Ewigkeit Teil dieser Family. Was ich an den Jungen Helden so liebe: Ihnen ist egal, wer du bist, wo du herkommst, was du machst. Es geht allein um die Sache. Um eine so wichtige. Für die ich gern den Weihnachtsmann spiele, aber dazu später.

Nachdenken über Organspende – ohne Zeigefinger

Claudi hat den Verein 2003 gegründet. Sie musste selbst auf eine Spenderlunge warten und miterleben, wie unfassbar hart es ist, auf das lebensrettende Organ eines Spenders angewiesen zu sein, aber keins zu bekommen. Warum sie trotz ihrer Krankheit die Kraft aufgebracht und Junge Helden gegründet hat? Weil ein Großteil der Gesellschaft dem Thema gegenüber zwar sehr offen eingestellt ist und ein Organ spenden würde. Allerdings haben die wenigsten auch den dafür benötigten Spenderausweis. Ihre Idee: eine Initiative, die über den Ausweis aufklärt, ohne den Zeigefinger zu heben. Und ohne aktiv zur Organspende aufzurufen, im Gegenteil. Für die Jungen Helden ist es auch vollkommen cool, auf dem Ausweis „Nein“ anzukreuzen, „nicht spenden“. Der Ausweis als solcher, der ist halt wichtig. Auch das mag ich an den Jungen Helden. Sie diktieren nicht „das ist falsch“ oder „das ist richtig“. Sie sagen: „Hey, mach dir Gedanken und bringe sie durch den Ausweis zum Ausdruck.“

Claudi ist die krasseste Person, die ich bis heute kennengelernt habe, und ich habe einige Menschen kennengelernt. Sogar Obama. Aber Claudi war die krasseste. Wirklich. Als wir uns kennenlernten, wartete sie auf eine Lunge, war gezeichnet von den Strapazen und Medikamenten der Autoimmunkrankheit Sklerodermie, aber sie hat gestrahlt wie die Sonne. So viel Energie, unfassbar. Bis heute fehlt mir ihr lautes Lachen, das so ansteckend war. Claudi lebt nicht mehr. Sie ist gestorben. Im Alter von 30 Jahren. Herzversagen. Zwar hat sie irgendwann eine Spenderlunge bekommen, aber die hat sie nicht mehr gesund gemacht. Leider.

Warum schreibe ich all das? Damit ihr euch Gedanken zu diesem Thema macht. Und ein Kreuzchen setzt. Denn wenn ihr nichts vermerkt auf eurem Spenderausweis, dann müssen eure Angehörigen diese Entscheidung für euch treffen, wenn ihr im Sterben liegt. Eine beschissene Vorstellung, oder? Hier ist noch eine: Ihr habt gerade einen Menschen verloren, den ihr über alles liebt, und die Ärzte fragen euch: „Was machen wir mit den Organen, sollen die gespendet werden?“ Und dann trefft mal in einer solchen Situation solch eine Entscheidung … Wisst ihr, was ich meine?

Ein Silberstreif am Horizont

Im Dezember steht eine Entscheidung des Bundestags über die Zukunft der Organspende in Deutschland an. Die Gesetzeslage ändert sich dann hoffentlich dahingehend, dass wir in Deutschland – wie in vielen anderen europäische Staaten übrigens auch – per Gesetz automatisch Spender sind. Wenn wir nicht ausdrücklich widersprechen. Und die Angehörigen am Sterbebett sagen müssen: „Ja, so bleibt es!“ Oder: „Nein, bitte entnehmen Sie keine Organe.“ Doppelte Widerspruchslösung heißt das Ganze.

Ein unangenehmes Thema, ja. Uns Gedanken um unseren Tod zu machen. Aber wenn unser Tod andere Leben retten kann, dann finde ich das einen sehr schönen Gedanken.

Organspende: Organentnahme:

Vielleicht noch ein interessanter Fakt, bevor wir zu der Geschichte mit mir als Weihnachtsmann kommen. Jeder Bürger dieses Landes hat das Recht auf eine Organtransplantation im Krankheitsfall, aber nicht jeder ist Spender. Wir beziehen seit Jahrzehnten mehr Organe aus der Stiftung Eurotransplant, als wir reingeben. Es warten momentan rund 10.000 Menschen auf eine lebensnotwendige Transplantation. Jeden Tag sterben im Schnitt drei Menschen auf dieser Liste, weil es an Organen fehlt. Eine Betroffene ist die Mama von Florentine. Und jetzt kommen die Jungen Helden wieder ins Spiel.

Ich liebe die Kommunikation des Vereins, es gibt immer neue Ideen, auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Von Florentine zum Beispiel. Ihre Mama wartet auf eine Organspende. Und Florentine hat darüber einen Song geschrieben. Einen Weihnachtssong! Und wer spielt den Weihnachtsmann? Richtig! Moi!

Wenn ich jetzt euer Interesse geweckt habe, weil ihr mich als Weihnachtsmann sehen wollt, dann hat es abermals funktioniert, das trojanische Infopferd. Hier ist der Deal: Ihr holt euch einen Organspenderausweis (wenn ihr noch keinen habt). Vermerkt eure Meinung, und ich sage euch, wie der Song heißt. Done and done: „Earth to Santa“ (I am my own gift) von Floss. Sucht ihn bei Youtube, streamt ihn bei Spotify, kauft ihn bei iTunes. Teilt ihn. Liked ihn. Hört ihn immer wieder. Und erzählt weiter, was ich euch gerade erzählt habe. Danke.

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