Pedelec im Retro-Look: Ruff Cycles Lil‘ Buddy im Test – Auto & Mobil


Ist es ein Fahrrad? Ein Motorrad? Ein E-Bike? Das Lil‘ Buddy ist das perfekte Verkehrsmittel für alle, die die Siebzigerjahre vermissen. Nur allzu lange sollte man nicht damit fahren.

„So ein Fahrrad will ich haben!“, sagt der kleine Junge mit weit aufgerissenen Augen, als das Lil‘ Buddy an ihm vorbeirollt. Sehr zum Entsetzen seiner Eltern, die das Pedelec von Ruff Cycles aus Regensburg schon auf dem Weihnachtswunschzettel auftauchen sehen. Aber es zeigt relativ klar, an wen sich dieses Fahrrad mit den überdimensionierten Reifen richtet: An all jene, die das Kind sein noch nicht verlernt haben. Und die sich noch an die Fahrräder der Siebzigerjahre erinnern können. Da gab es nichts Größeres als das Bonanzarad mit seinem langgezogenen Lenker und dem Bananensattel. Oder die BMX-Räder, die zu Beginn der Achtzigerjahre aus den USA nach Deutschland kamen. Die waren zwar vollkommen unpraktisch und unbequem, weder vernünftig noch sonderlich praktisch, aber Kinder liebten sie. Denn sie machten vor allem eines: Spaß.

Das ist auch das Gefühl, das sich sofort breit macht, wenn man sich auf das Lil‘ Buddy von Ruff Cycles setzt, gepaart mit einer ordentlichen Portion Melancholie. Denn all diese Fahrräder zitiert das Pedelec und kombiniert es mit Elementen aus dem Motorradbau. Die vier Zoll breiten Reifen zum Beispiel, deren Laufgeräusch auf dem Asphalt das Lil‘ Buddy bereits von weitem ankündigen. Oder die langgezogene Sitzbank, die dazu einlädt, noch einen Beifahrer mitzunehmen.

Fahrrad Fehlt eigentlich nur noch der Fuchsschwanz

Fehlt eigentlich nur noch der Fuchsschwanz

Es ist schwer, unpraktisch, sieht aus wie ein Motorrad aus den Siebzigerjahren und ist doch ein Pedelec: das Uni Moke im Test.


Von Felix Reek


Das erinnert optisch sehr an das Super 73 aus den USA oder das ebenfalls aus Deutschland stammende Unimoke, doch Ruff Cycles hat diese Idee konsequenter umgesetzt. Während die Konkurrenten eher ein leichtes Motorrad elektrifiziert und mit Kettenschaltung ausgestattet haben, wirkt das Lil‘ Buddy besser durchdacht. Die Reifen sind kleiner, es ist dadurch etwas leichter und passt in den Kofferraum eines Kombis. Es ist nicht so schwerfällig und ist auch ohne elektrische Unterstützung zu bewegen. Trotz allem ist es aber natürlich weit davon entfernt, ein Fahrrad für Pendler zu sein.

Die Sitzposition ist ungewohnt

Das beginnt mit der Sitzposition, die der auf einem Motorrad ähnelt – nur dass der Fahrer dort nicht treten muss. Eine Höhenverstellung gibt es nicht, stattdessen heißt es auf der Bank vor- und zurückrutschen, bis eine halbwegs bequeme Position gefunden ist. Die ist aber immer noch weit davon entfernt, was die meisten von einem normalen Fahrrad gewohnt sind. Für die Langstrecke ist das nichts. Spätestens nach einer halben Stunde erkennt man den Fahrer des Lil‘ Buddy daran, wie er an jeder Ampel mit verzogenem Gesicht aufsteht, um seinen schmerzenden Hintern zu entlasten. Auch die Tretposition ist nicht wirklich optimal. Die Beine sind stets so stark angewinkelt, dass die Kraft nie optimal übertragen werden kann. Das ist aber auch nicht nötig – dafür gibt es schließlich den Elektromotor von Bosch aus der Active Line Reihe. Das ist zwar der schwächste Antrieb des Herstellers, er reicht aber vollkommen aus für das Lil‘ Buddy. Ab Januar soll es optional einen stärkeren Motor geben.

Eingeschaltet wird der Antrieb am Display am Lenker, je nach Fahrstufe („Eco“, „Tour“ und „Sport“) unterstützt er mal mehr oder weniger beim Treten. Ein wirklicher Schub bleibt aus, der Motor arbeitet eher unterschwellig, so dass er eigentlich nie wirklich zu spüren ist. Das Lil‘ Buddy ist trotz der martialischen Optik also eher Cruiser als Kraftpaket, auch wenn wer mit den breiten Reifen gerade im Gelände auftrumpfen kann. Die federn viele der Unebenheiten ab, übertragen das Profil der Straße aber je nach Beschaffenheit mittels Vibration an die Pedale. Wirklich störend ist das nicht. Das Lil‘ Buddy bleibt erstaunlich ruhig während der Fahrt.

Bis zu 100 Kilometer Reichweite

Auch die Reichweite des 300 Wh Akkus, für die der Hersteller zwischen 30 und 100 Kilometer angibt, ist realistisch: Nach 30 Kilometern und anderthalb Stunden Fahrtzeit zeigt das Display noch immer Dreiviertel der Batteriekapazität an. Wer mehr braucht, kann beim Bestellvorgang einen Akku mit 500 Wh ordern, der allerdings 500 Euro Aufpreis kostet. Ebenso wie Licht (199,95 Euro) oder ein GPS-Tracker (ebenfalls 199,95 Euro). Die Fahrradbranche nähert sich in dieser Hinsicht immer mehr dem Bestellvorgang eines Autos an – schnell steigt der eigentliche Preis dank diverser Extras.

Trotzdem ist das Lil‘ Buddy mit rund 2000 Euro verhältnismäßig günstig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Flaggschiff der Marke, das Ruffian im Look der klassischen US-Motorräder der Fünfzigerjahre, mehr als das doppelte kostet. Eines haben aber beide Pedelecs gemeinsam: Sie zeigen, dass es bei Elektromobilität nicht immer nur um die Verringerung von CO2-Werten und weniger Verkehr gehen muss. Sie darf auch einfach mal Spaß machen.



Source link

Reply