Prinzessin Anne – dienen wie die Königin, aber giftig wie Prince Philip

In ihrer Jugend war die selbstbewusste Anne die Rebellin der Familie  ©PAPicture Alliance

„Naff Off“ – „Haut ab“ so soll Prinzessin Anne früher Journalisten verscheucht haben, die ihr im Wege standen. Seit Jahren ist die Prinzessin eines der fleißigsten Mitglieder der Royals – klaglos und mit Bravour absolviert sie die meisten Dienstverpflichtungen der Familie. Früher war sie die Rebellin. Kein anderer Royal wurde jemals strafrechtlich verurteilt, Anne schon, als ihr Hund zwei Kinder anfiel. Wiederholt wurde ihr der Führerschein wegen Raserei abgenommen. Ihr Meisterstück an Kaltschnäuzigkeit lieferte sie 1974 ab. Damals schoss ein Mann auf ihren Rolls-Royce, um sie zu entführen. Zwei Polizeibeamte, der Fahrer und ein Journalist wurden verwundet, doch als der Entführer sie anschrie, sie solle aus dem Wagen steigen, zischte die Prinzessin nur: “Not bloody likely” – „Verdammt unwahrscheinlich“. Sie erinnerte sich später, sie habe versucht kühl und höflich zu bleiben, aber als ihr Kleid in dem Chaos zerriss, sei es eben mit ihr durchgegangen. Sie entkam der Schießerei, in dem sie auf der gegenüberliegenden Autoseite aus dem Wagen flüchtete.

„The Crown“ schaut sie nicht

Außerhalb von Großbritannien stand Prinzessin Anne nicht mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit, nachdem sie ihre Portion an royalen Skandalen für die Boulevardpresse abgeliefert hatte. Erst der Welterfolg der Serie „The Crown“ brachte sie wieder ins Bewusstsein. Erin Doherty zeigte die Prinzessin als moderne junge Frau, die selbstbewusst ihrer Mutter, der Queen, entgegentreten und gänzlich unsentimental über ihre Affären plaudern kann. Prinzessin Anne weiß davon nichts. Sie ignoriert die Serie und hat, so ihr nahestehende Quellen, „kein Interesse daran, zu sehen, wie jemand anders ihr Leben auf dem Bildschirm nachspielt“.

Heute, in den Zeiten der Corona-Krise und den Misshelligkeiten, die die Kontroverse um Meghan und Harry begleiten, suchen viele Briten Halt beim Königshaus. Eine TV-Dokumentation stellt die Rolle der Queen als junge Frau im Zweiten Weltkrieg heraus und Prinzessin Anne, die unermüdliche Stütze der Windsor-Dynastie, gab „Vanity Fair“ eines ihrer seltenen Interviews, denn im August wird die Prinzessin 70. Zum Fernsehen und erst recht zu den Ablenkungen des Internets hat die Prinzessin ein kühles Verhältnis, sagte sie dem Magazin. Sie hält sich selbst für einen Dinosaurier, der die echte Welt der virtuellen vorzieht. „Ich finde es sehr schwer zu verstehen, wieso jemand in Bildschirme und diese Geräte so hineingezogen wird. Das Leben ist, ehrlich gesagt, zu kurz dafür.“

Pflichtgefühl

Wenn sie nicht als Royal geboren worden wäre, wäre sie Ingenieurin geworden, erklärte die Prinzessin mit etwas Bedauern. „Die praktische Seite der Dinge war für mich immer interessant. Aber ich glaube, es war damals zu früh diesen Weg einzuschlagen.“ Stattdessen hat sie sich in ihrer Rolle als Schirmherrin für Frauen eingesetzt. „Ich habe es genossen, ein Teil der Bewegung zu sein und mehr Mädchen zu ermutigen, das Ingenieurwesen als eine realistische Karriere in Betracht zu ziehen.“

Statt der Technik widmete sie sich den Pferden – ein standesgemäßer Sport, der auch die Billigung der Queen fand. „Ich dachte, wenn ich etwas außerhalb der königlichen Familie machen wollte, dann wären Pferde die richtige Wahl“, sagte sie dem Magazin. Sie war das erste Mitglied der Königsfamilie, das an den Olympischen Spielen 1976 in Montreal teilnahm, und die Gewinnerin von drei Medaillen bei Europameisterschaften.

Inzwischen ist Prinzessin eine britische Stilikone.
Inzwischen ist Prinzessin eine britische Stilikone. ©Steve ParsonsPicture Alliance

Stilikone der Familie

Auch mit fast 70 Jahren sitzt sie perfekt auf dem Rücken eines Pferdes – etwa, wenn sie die Parade der Household Cavalry abnimmt. Vermutlich ist Prinzessin Anne die einzige Frau der Welt, die den antiquierten Zweispitz der Uniform mit der größten Selbstverständlichkeit tragen kann. „Prinzessin Anne ist eine wahre Stilikone, und es ging ihr um nachhaltige Mode, bevor der Rest von uns wirklich wusste, was das bedeutet“, sagte der britische Modeexperte Edward Enninful der „Vanity Fair“. Die Prinzessin kommentierte das Kompliment auf ihre eigene Art. Sie kaufe nur selten etwas Neues, gab sie zu, „weil ich ein bisschen gemein bin. Ich nehme Materialien und arbeite sie auf, einfach weil das mehr Spaß macht.“ Außerdem unterstütze sie so die Hersteller, die es noch in Großbritannien gibt.

Zurück zu den Grundlagen der Royals

Niemals würde die Prinzessin die Trennung von Meghan und Harry von der königlichen Familie direkt kommentieren. Doch indirekt gab sie, die alte Rebellin unter den Royals, zu verstehen, dass sie die Pläne des Paares für naiv halte. Sie sagte von sich selbst, dass sie sich wie ein „langweiliger alten Kauz im Hintergrund“ anhöre, der mahne, dass man die Grundlagen nicht vergessen dürfe. Deutlich wird, dass der Moment des Dienens für sie das zentrale Vermächtnis ihrer Eltern ist. Mehr noch von Prinz Philip als von der Queen selbst. „Ich glaube nicht, dass die jüngere Generation versteht, was wir in der Vergangenheit getan haben.“ Das sei normal. Niemand schaue auf die vorangegangene Generation und sage bewundernd: ‚Oh, so habt ihr das gemacht‘.

Die jüngeren wollten eigene Wege ausprobieren. „Und ich bin bereits in der Phase: ‚Bitte erfindet das Rad nicht neu. Das haben wir schon probiert und das auch. Einige dieser Dinge funktionieren einfach nicht. Kehrt zu den Grundlagen zurück‘.“

Source link

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.