Problemzone Wien (Tageszeitung junge Welt)


RTX6IHSS.jpg

Immer gut am Ball, nutzt nur oft nichts: Mateo Barac von Rapid Wien

Foto: Lisi Niesner/REUTERS

In der österreichischen Bundesliga sind jetzt 18 Spieltage absolviert. Die Paarungen vom vergangenen Wochenende waren gleichzeitig die letzten für das Jahr 2018. An der Spitze der Tabelle gibt es dabei wenig Überraschendes zu vermelden, denn dort thront – mal wieder – der Serienmeister Red Bull Salzburg.

Die Mannschaft unter dem deutschen Trainer Marco Rose führt das Tableau mit 14 Punkten Vorsprung vor dem Linzer ASK an. Daran, dass Salzburg sich in dieser Spielzeit zum sechsten Mal in Folge zum österreichischen Meister kürt, wird wohl auch die Reform der Bundesliga nichts ändern, die mit dieser Saison in Kraft trat: Nach dem Grunddurchgang von 22 Spieltagen wird die Tabelle in zwei Gruppen geteilt. Die ersten sechs Teams spielen den Meister aus, während der letzte der sogenannten Qualifikationsgruppe, die ebenfalls aus sechs Teams besteht, den Gang in die zweite Liga antreten muss. Vor dem Start des zweiten Durchgangs werden die Punkte der Mannschaften halbiert.

Von diesen Änderungen versprechen sich die Macher der Bundesliga eine Steigerung der sportlichen Spannung. Ob der Plan bereits in dieser Saison aufgeht, ist aufgrund der drückenden Überlegenheit der Salzburger eher fraglich. 15 Siege aus 18 Spielen und keine Niederlage sprechen eine deutliche Sprache.

Die Erfolge in der Europa League – Salzburg gewann alle sechs Partien, besiegte dabei auch den »Schwesterklub« aus Leipzig zweimal – bestätigen es: Die Mozartstädter spielen in einer Liga für sich. Bei aller zum Teil wohl auch berechtigten Ablehnung gegenüber dem Projekt des Getränkeriesen und dessen Besitzer Dietrich Matteschitz muss man den sportlichen Leistungen der Mannschaft Respekt zollen. Denn trotz der finanziellen Möglichkeiten, welche die der Konkurrenz in der Bundesliga deutlich übersteigen, setzt Salzburg vor allem auf junge, entwicklungsfähige Spieler. Dass die besten Akteure zudem regelmäßig den Verein in Richtung RB Leipzig verlassen, macht das Arbeiten in Salzburg nicht unbedingt leichter.

Trainer Rose, der den Verein nach dieser Saison mit großer Wahrscheinlichkeit in Richtung deutsche Bundesliga verlassen wird, hat seine Mannschaft taktisch auf ein sehr hohes Niveau gehoben; das Pressingverhalten muss sich dabei auch vor den Großen in Europa nicht verstecken, wie u. a. Borussia Dortmund im Achtelfinale der letzten Europa-League-Saison leidvoll erfahren musste. Ein Manko bleibt jedoch: Auch in dieser Saison hat es Salzburg nicht geschafft, sich für die Gruppenphase der Champions League zu qualifizieren.

Der letzte österreichische Verein, dem das gelang, war Austria Wien in der Saison 2012/13 unter Trainer Peter Stöger. Nach einer sportlich missratenen letzten Saison wollte die Austria diesmal eigentlich um die Meisterschaft mitspielen. Danach sieht es aber nicht aus, belegen die Veilchen doch aktuell nur den fünften Tabellenplatz. Der würde zwar zur Qualifikation für die Meisterrunde berechtigen, dass die Mannschaft von Trainer Thomas Letsch Salzburg gefährlich werden könnte, ist eher unwahrscheinlich.

Dennoch endete das Fußballjahr 2018 für die Anhänger der Austria mehr als versöhnlich: Im letzten Wiener Stadtderby gegen den Erzrivalen Rapid setzte sich der Verein aus dem Wiener Bezirk Favoriten mit 6:1 durch. Es war der höchste Derbysieg seit fast 50 Jahren.

Diese Demütigung verschärft hingegen die Probleme des Rekordmeisters Rapid Wien. Mit gerade einmal 20 Punkten und nur einem Sieg aus den letzten sechs Spielen ist die Qualifikation für die Meisterrunde in weite Ferne gerückt: Tabellenrang 8. Für einen Verein, dessen Selbstverständnis es ist, der wichtigste und größte Klub Österreichs zu sein, wäre das Verpassen der Meisterrunde eine Katastrophe.

Dabei hat Rapid in dieser Saison schon einmal den Trainer gewechselt – Dietmar Kühbauer, der den SKN St. Pölten zuvor überraschend auf Platz zwei geführt hatte, ersetzte Anfang Oktober den glücklosen Goran Djuricin. Besser ist es im Stadtteil Hütteldorf nicht geworden. Es wird immer offensichtlicher, dass der Verein ein strukturelles Problem hat, welches durch die ständigen Trainer– und Strategiewechsel nur weiter verschärft wird. Für welchen Fußball Rapid langfristig stehen soll, scheint den Verantwortlichen nicht ganz klar zu sein.

In die Lücke, die der Misserfolg der beiden Wiener Vereine reißt, stoßen Vereine wie der Linzer ASK oder der Wolfsberger AC. Beide verfügen mit Oliver Glasner (LASK) sowie Christian Ilzer (WAC) über junge Trainer, die einen klaren Plan verfolgen und ansehnlichen Fußball spielen lassen. Etwas, von dem man in der Hauptstadt aktuell weit entfernt ist.



Source link

Reply