Promi- Geburtstag vom 12. Februar 2020: Angelo Branduardi

Der Mann mit der Geige: Angelo Branduardi wird 70. Foto: picture alliance / dpa ©dpa-infocom GmbH
Bei manchen Dingen ist das erste Mal das schönste. So geht es Angelo Branduardi. Wenn man den italienischen Musiker nach seinem eigenen Lieblingslied fragt, zögert er kurz. Dann ist er sicher: «Ich mag mein erstes Lied am liebsten, das ich mit 18 komponiert habe. Es heißt «Confessioni di un malandrino» (Bekenntnisse eines Rowdys).»

Branduardis weiche Stimme wird noch eine Nuance gefühlvoller: «Es hat wundervolle Worte. Es ist Lyrik von Sergej Jessenin, die ich vertont habe.»

Der Liedermacher und virtuose Geiger, der heute 70 Jahre alt wird, arbeitet oft mit Texten von anderen, teils aus dem Mittelalter. Was der Italiener daraus macht, trägt stets seine unverkennbare Note: Branduardis Mischung aus mystisch anmutenden Klängen, Italo-Pop, Klassik, Ethno-Folk, Schnulzen und Lyrischem hat ihm über Jahrzehnte einen treuen Stamm von Fans erhalten.

Sein Lieblingssong handelt von einem Bauernsohn, den die Eltern nicht verstehen, weil er Dichter wurde. Der aber die Kindheitserinnerungen und die Gradlinigkeit armer Leute preist. Bei Konzerten trägt der Musiker, der häufig ältlich als Barde oder Balladensänger bezeichnet wird, das Stück bisweilen zu gezupftem Gitarrensound vor.

Auch Branduardi, geboren 1950 im kleinen Ort Cuggiono bei Mailand, stammt aus einer eher ländlichen Familie. Doch sein außergewöhnliches Talent fiel früh auf. Also bekam er nach eigenen Angaben als Fünfjähriger Geigenunterricht. Später studierte er – nach einer Zwischenstation an einem Touristik-Institut in Mailand – Philosophie und wandte sich wieder den musikalischen Studien zu.

Seine erste Langspielplatte erschien 1974. Seitdem kreiert er alle paar Jahre etwas Neues. Sein schwungvoll-melodisches Lied vom Wasserfloh «La pulce d’acqua», was später auf kaum einem Konzert fehlen durfte, entwickelte sich zum Radiohit. Der Song von der gleichnamigen Platte (1977) machte den Sänger mit dem Wuschelkopf auch in Deutschland und anderen Ländern bekannt.

In den 80ern schwärmten auch Teile der friedensbewegten jungen Leute für den Liedermacher. Andere kritisierten Branduardi als zu harmlos, zu spirituell. Er selbst sagt oft, er möge sich am liebsten, wenn er nicht zu intellektuell daherkomme.

Schon früh teilte er sich die kreative Arbeit mit seiner Frau Luisa, mit der er seit Mitte der 70er Jahre verheiratet ist. Das Paar hat zwei erwachsene Töchter. «Wir schreiben die Texte vierhändig, und drei davon gehören Luisa», beschrieb er die Zusammenarbeit 2015 in einem Interview der «Berner Zeitung». Branduardi vertonte zum Beispiel den irischen Lyriker William Butler Yeats (1865-1939). Luisa Zappa Branduardi übertrug die Texte ins Italienische.

Mitte der 80er Jahre schuf Angelo Branduardi die Filmmusik zu «Momo» (1986) – nach dem Roman von Michael Ende. Ein anderer zentraler Teil des Werks sind Renaissanceklänge. Und er verwandelte die Schriften des mittelalterlichen Mönchs Franz von Assisi, des Gründers des Ordens der Franziskaner, in Töne («L’Infinitamente piccolo»/2000).

Bei seinem jüngsten Projekt, der CD «Il cammino dell‘anima» (etwa: Der Weg der Seele) von 2019 steht wieder eine Figur der Kirchengeschichte im Zentrum: die deutsche Äbtissin und Dichterin Hildegard von Bingen.

«Ich hatte gehört, dass es da eine Frau gab, die vor etwa 1000 Jahren Musik verfasste. Ich konnte es kaum glauben und habe nach ihr gesucht», erzählt Branduardi. Die Ordensfrau sei ein Universalgenie gewesen. Und zudem ein Idol von Feministinnen der 70er, 80er Jahre – bis heute.

Diese Musik werde er 2020 bei Konzerten in Italien vorstellen. «Aber nächstes Jahr gehe ich wieder auf Europa-Tournee, und dann auch nach Deutschland», verspricht er.

Bevor er zu der Italien-Tour aufbricht, genießt er ausgiebig das Alpenpanorama von seinem Wohnsitz in der Lombardei oberhalb des Lago Maggiore – mit Blick auch in die Schweiz. Das Paar lebt in einem Haus mit Garten und Tonstudio. «Ich habe einen grandiosen Ausblick», sagt Branduardi. Da bleibe er an seinem Geburtstag am liebsten daheim – und ergänzt lachend: «Ich feiere nicht. No! No!»

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