Qantas entdeckt Risse im Rumpf nach Sonderüberprüfung älterer Boeing 737

Eine Boeing 737-800 NG der australischen Airline Qantas, die 33 Maschinen diesen Typs überprüft (Getty Images)
Nach dem im März für die Boeing 737 Max verhängten Startverbot gibt es nun auch Probleme mit der Boeing 737 NG, dem tausendfach verkauften Vorgängermodell. Die Federal Aviation Administration (FAA), die Bundesluftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten, hatte vor Kurzem eine dringliche Sonderprüfung für den Maschinentyp NG angeordnet, wobei die Abkürzung für „Next Generation“ steht. Dabei handelt es sich um die dritte Generation der Boeing 737. Diese wird seit 1997 produziert und umfasst die Bezeichnungen 737-600, -700, -800 bis -900.

Weil es an Bauteilen im Übergang von Rumpf und Tragflächen zu Rissen kommen kann, sollten sich die zweistrahligen Jets, die mehr als 30.000 Start und Landungen hinter sich haben, einem zusätzlichen Check unterziehen. Diese Untersuchungen müssen innerhalb von sieben Tagen erfolgen.

Zuvor waren Haarrisse in einer Maschine in China aufgefallen. Am Donnerstag meldete die australische Fluglinie Qantas, dass Ingenieure auch einen Riss an einer Boeing 737 NG entdeckt hatten, die weit weniger als 30.000 Starts und Landungen hinter sich hatte. „Diese Maschine wurde zur Reparatur außer Dienst gestellt“, sagte ein Qantas-Sprecher. Nun werden bei Qantas 33 Flieger dieses Typs kontrolliert, auch wenn die FAA bisher keine raschen Inspektionen für die jüngeren Flieger vorschreibt.

Schlechte Nachrichten zur Unzeit

Damit nicht genug: Der australische Verband von Flugzeug-Ingenieuren hat von Qantas sogar gefordert, alle 77 Passagierflugzeuge diesen Typs am Boden zu lassen. Laut Boeing ergaben die weltweiten Sonderprüfungen, dass bei rund fünf Prozent der untersuchten Jets strukturelle Risse festgestellt wurden. Diese bis zu 50 betroffenen Maschinen müssen erst repariert werden, bevor sie wieder abheben dürfen.

Für Boeing kommt die Nachricht zur Unzeit. Diese Woche wurde Boeing-Chef Dennis Muilenburg von Kongress-Abgeordneten und Senatoren zwei Tage lang bei einem Hearing am Capital in Washington D.C. gegrillt: Gegenüber den bohrenden Fragen der Politiker gestand er Fehler seines Unternehmens im Zusammenhang mit dem Unglücksfliegers 737 Max ein. Wegen anstehender Schadensersatzprozesse von Airlines und Hinterbliebenen von Absturzopfern hat Boeing Rückstellungen in Höhe von 5,6 Milliarden US-Dollar gebildet.

Mehr als 300 neue Jets stehen unverkauft auf diversen Flughäfen und Parkplätzen herum. Der Quartalsumsatz von Boeing brach von 14 auf 4,7 Milliarden US-Dollar ein. Außerdem ist der Zeitplan für den Erstflug und die Zertifizierung der neuen Boeing 777-9 durcheinandergeraten. Und bei der Produktion der Boeing 787 im Werk South Carolina gibt es Qualitätsmängel, über die sich Airline-Kunden beschweren.

Entwarnung aus Deutschland

Die gute Nachricht im Fall der Probleme mit der Boeing 737 NG kommt aus Deutschland: „Wir führen alle Checks gemäß den Herstellervorgaben durch und haben einige Flugzeuge auch vorsorglich überprüft“, sagte am Freitag ein Sprecher von Tuifly in Hannover, die 39 Jets diesen Typs betreiben. „Dabei haben wir keine Auffälligkeiten gefunden.“ Die Flotte ist noch jung und weniger beansprucht als bei Billigfliegern.

Die aus mehr als 400 Exemplaren der Boeing 737-800 NG bestehende Flotte der Ryanair ist ebenfalls nicht von den Problemen betroffen. „Ryanair überprüft ihre Flugzeuge weiterhin in Übereinstimmung mit den Lufttüchtigkeitsanweisungen und erwartet keine Auswirkungen auf unsere Verbindungen oder Flottenverfügbarkeit.“ Entwarnung kommt auch von Sun Express und Norwegian, die keine ihrer 118 Boeing 737 NG stilllegen müssen.

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