Gewinne sichern: Schützt eine Stop-loss-Order vor Verlusten?

Die Corona-Krise hat die Nerven mancher Aktienanleger strapaziert. Mit einer Stopp-loss-Order kann man Verluste begrenzen. Foto: Boris Roessler/dpa/dpa-tmn. (Quelle: dpa)

Düsseldorf (dpa/tmn) – Für viele Anleger waren die vergangenen Wochen nervenaufreibend. Die Kurse an den Börsen rauschten nach unten. Ein Grund dafür war die Corona-Pandemie. Viele Anleger mussten hohe Buchverluste hinnehmen.

Mitte Februar stand der deutsche Leitindex DAX noch bei über 13 750 Punkten, zwischendurch fiel er um rund 40 Prozent – auf unter 8500 Punkte. „Insgesamt verlor der DAX im ersten Quartal 2020 rund 25 Prozent“, sagt Thomas Strelow von der Börse Düsseldorf. Auch an US-Börsen gab es starke Schwankungen: Beim Dow Jones fiel der Kurs im ersten Quartal um fast 23 Prozent.

Da stellt sich die Frage: Können sich Anleger vor solchen Kurseinbrüchen schützen? Ja, sagt Börsenprofi Strelow: zum Beispiel mit einer Stop-loss-Order.

Was ist eine Stop-loss-Order genau?

„Eine Stop-loss-Order ist eine automatisierte Verkaufsanweisung“, erklärt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Anleger legen ein Limit fest, das unter dem aktuellen Kurs liegt. Fällt der Kurs unter das Limit, wird der Verkauf des Wertpapiers zum nächstmöglichen Kurs ausgelöst.

Thomas Mai spricht von einem Verlust-Stopper. Der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen erklärt: „Damit können Anleger ihre bisher erwirtschafteten Gewinne absichern.“ Das Instrument sei interessant für Anleger, die vor Jahren an der Börse eingestiegen und nun im Plus sind. „Denn sie wollen ihre ersparten Gewinne nicht verlieren.“

Wie können Anleger dieses Instrument nutzen?

Die Stop-loss-Order können Anleger wie einen Wertpapierauftrag einrichten. „Manche Online-Banken bieten dies direkt nach dem Kauf eines Wertpapiers an. So eine Stop-loss-Order gilt für bis zu einem Jahr“, erklärt Strelow.

Neben der klassischen Stop-loss-Order, bei der Anleger eine feste Kursmarke definieren, gibt es auch eine dynamische Variante – die sogenannte Trailing Stop-loss. „Bei steigenden Kursen passt sie sich immer dynamisch an und geht mit“, erklärt Strelow.

Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: eine fixe oder eine prozentuale Limitsetzung. Das Papier wird dann entweder verkauft, wenn der Kurs beispielsweise um 10 Euro oder um 20 Prozent fällt.

Strelow erklärt: Steigt der Kurs eines Papiers im Laufe der Zeit von 100 auf 200 Euro und fällt dann wieder, würde die Verkaufsorder mit einem Limit bei 20 Prozent nicht wie anfangs bei 80 Euro ausgelöst – sondern bereits bei 160 Euro.

Für wen eignet sich so eine Stop-loss-Order?

Für entscheidungsfreudige, aktive Anleger, sagt Kurz: „Denn sie müssen immer wieder prüfen, ob sie das Limit anpassen müssen.“ Es sei denn Anleger haben eine Trailing-Stop-loss gesetzt. „Diesen Service bieten jedoch nicht alle Banken an“, erklärt Strelow.

Und wenn es zum Verkauf kommt, müssen Anleger sich überlegen: Was mache ich mit dem Geld? Wo investiere ich? Wann steige ich wieder ein? „Man muss also ständig Entscheidungen treffen“, erklärt Kurz.

Das Instrument kann für eine weitere Anleger-Gruppe sinnvoll sein. „Für Anleger, die ihr Geld in ein paar Jahren brauchen. Etwa für einen Hauskauf oder weil sie bald in Rente gehen, und den Aktien-Anteil in ihrem Depot reduzieren wollen“, sagt Mai. Nicht alle Anleger haben auch genügend Zeit, um Verluste auszusitzen.

Welche Risiken können sich ergeben?

Ein Nachteil zeigt sich bei stark schwankenden Kursen. „Angenommen, der Kurs fällt um 10 Prozent, steigt kurz darauf aber wieder um 15 Prozent. Dann können Anleger, die die Verkaufsorder bei 10 Prozent gesetzt haben, von dieser Kurssteigerung nicht mehr profitieren“, sagt Mai. Denn auch wenn die Grenze nur kurz gerissen wird, wird der Verkauf ausgelöst.

Nach Einschätzung von Kurz sei ein häufiges Problem, dass Anleger ihr Limit zu eng an den Kurs setzen. „Damit sind sie schnell wieder draußen. Wer von einem Wertpapier überzeugt ist, muss es dann zu einem höheren Kurs als ursprünglich nachkaufen“, erklärt Kurz.

Ein weiteres Risiko besteht in Krisenzeiten, beispielsweise wenn der Kurs plötzlich nach unten rauscht. Was es genau bedeutet, erklärt Strelow beispielhaft an der Wertpapierkennummer ETF001 – einem an der Börse Düsseldorf gehandelten Indexfonds, der die Wertentwicklung des DAX nachbildet.

Am Jahresanfang stand das Papier bei 119 Euro. „In unserem Beispiel setzt ein Anleger die Stop-loss-Order bei 15 Prozent. Das Papier soll also bei 101,15 Euro verkauft werden. Im Februar erreichte der Fonds einen Höchstkurs von 122,94 Euro“, sagt Strelow.

Am 6. März, einem Freitag, lag der Schlusskurs bei 103,30 Euro. Am nächsten Handelstag, dem 9. März, stand der Eröffnungskurs in Düsseldorf bei 96,03 Euro. Mit der Folge, dass die Stop-loss-Order sofort aktiviert wurde. „Das Papier wurde dann zum nächstmöglichen Kurs abgestoßen, in diesem Fall für 95,40 Euro.“

Das zeigt: Der tatsächliche Verkaufskurs kann weit unter dem festgelegten Limit liegen. „Wenn der Crash über Nacht oder am Wochenende kommt, müssen Anleger meist mehr Verluste als geplant hinnehmen“, sagt Strelow. In dem Beispiel lag der Verlust im Vergleich zum Jahresanfang bei 19,8 Prozent statt den gewählten 15 Prozent.

Warum also überhaupt eine Stop-loss-Order setzen?

Wer keine Stop-loss-Order hat oder sein Limit zu tief setzt, nimmt unter Umständen unnötig hohe Verluste in Kauf. Der Kurs fiel bei dem Beispielfonds in den folgenden Tagen noch weiter – am 18. März erreichte er laut Strelow sein Sieben-Jahres-Tief von 73,42 Euro.

„Angenommen der Anleger hätte da die Nerven verloren und das Papier verkauft. Dann hätte er einen Verlust von mehr als 45 Euro hinnehmen müssen“, erläutert Strelow. Und damit seit Jahresbeginn 38 Prozent verloren – statt 19,8 oder der geplanten 15 Prozent.

Ansonsten hätten Privatanleger wenig Möglichkeiten, aktiv beim Börsengeschehen einzugreifen. „Sie können ja nicht ständig rund um die Uhr ihr Depot kontrollieren“, sagt Strelow. Er könne die Stop-loss-Order nur empfehlen – weil sie einen besser schlafen lässt.

INFO-KASTEN: Was raten die Experten für turbulente Börsenzeiten?

Halten, aussitzen, die Geldanlage langfristig planen – und zusätzlich einen kühlen Kopf bewahren, rät Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen. „Einige Verbraucher bekommen derzeit kalte Füße und melden sich bei uns“, erzählt er aus seiner Beratungspraxis. Dann empfiehlt er Anlegern, ihrer Strategie zu vertrauen und sich vor Augen zu führen: „Ich habe einen Plan. Ich habe zehn Jahre oder mehr Zeit. Was habe ich bisher erreicht?“

„In der Regel tut ein Verlust Anlegern mehr weh, als sie sich über einen Gewinn freuen“, sagt Thomas Strelow von der Börse Düsseldorf. Wenn ein Kurs um 50 Prozent fällt, brauche es eine Steigerung um 100 Prozent, damit er wieder beim ursprünglichen Kurs steht. Anlegern sollte aber auch klar sein: „Wer an der Börse einsteigt, muss mit Schwankungen von 10 bis 15 Prozent rechnen und diese ertragen können“, sagt Strelow.

„Betrachtet man die Entwicklung der Kurse im Rückblick, wurden Tiefpunkte meist nach acht, neun Jahren wieder ausgeglichen“. Natürlich könne man daraus keine Entwicklungen für die Zukunft vorhersagen. Deshalb sei eine langfristige Anlage an der Börse wichtig – zehn Jahre oder mehr. Und, da sind sich beide Experten einig, Anleger müssen ihre Geldanlage breit streuen, um Schwankungen auszugleichen und Risiken zu verteilen.

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