Sehen Sie live, wer den Literaturnobelpreis bekommt | ZEIT ONLINE

Die Nobelpreise für Medizin und Physik am Montag und Dienstag mussten
sich noch jeweils drei Forscher teilen, der Literaturpreis und auch das
Preisgeld von umgerechnet 830.000 Euro am Donnerstag dagegen werden
gleich zweimal verliehen: Nach einem Vergewaltigungsskandal im Umfeld
der Schwedischen Akademie, die den Preis auslobt, musste die Vergabe im vergangenen Jahr ausgesetzt werden. Nun wird sie
nachgeholt.

Beobachter rechnen nicht mit umstrittenen Entscheidungen des Nobelpreiskomitees, zumal die 230 Jahre alte Akademie ihr internationales Ansehen wiederherstellen will: Im November 2017 wurde bekannt, dass der Kulturfunktionär Jean-Claude
Arnault
über Jahre hinweg 18 weibliche Mitglieder
der Akademie, Frauen oder Töchter von Akademiemitgliedern und
Mitarbeiterinnen belästigt oder missbraucht hatte. Arnault war mit dem Akademiemitglied Katarina Frostenson verheiratet und ließ
ein von ihm geführtes Kulturinstitut mit hohen Summen von der Akademie
sponsern. Der Franzose sitzt inzwischen eine zweieinhalbjährige
Haftstrafe wegen Vergewaltigung ab, seine Frau verließ die Akademie.

Der
Umgang mit dem Skandal sorgte innerhalb der Akademie für heftigen Streit und erbitterte Machtkämpfe. Sieben der 18 Mitglieder traten zurück,
daraufhin war die Akademie nicht mehr beschlussfähig: Zum ersten Mal
seit 70 Jahren musste die Ernennung des Literaturnobelpreisträgers 2018 verschoben werden.

Inzwischen hat die Akademie einen neuen
Vorsitzenden, neue Mitglieder und neue Statuten, die künftig mehr
Transparenz bringen sollen. Der Erneuerungsprozess und die Kandidatenfindung werden am Donnerstag abgeschlossen sein. Um 13 Uhr werden dann in Stockholm die Literaturnobelpreisträger der Jahre 2018 und 2019 verkündet. 

Wie jedes Jahr überschlagen sich die Spekulationen, wer diesmal den Zuschlag bekommt. Allerdings verraten die Namen, die kursieren, mehr über die Wunschliste der jeweiligen Expertinnen als über die tatsächlichen Neigungen der Akademie. (Wer wäre Ihr Favorit? Spielen Sie Literaturnobelpreis-Akademie mit unserem Nobel-O-Mat.)

Für
2018 hat sich die Akademie 194 Kandidatinnen und Kandidaten
angeschaut, für 2019 insgesamt 189. Diese Namen werden traditionell für
50 Jahre unter Verschluss gehalten. Zu den Anwärtern zählen laut Buchmachern und Experten die polnische
Schriftstellerin und Aktivistin Olga Tokarczuk, die kanadische Dichterin
Anne Carson, der kenianische Autor Ngũgĩ wa Thiong’o, Ismail Kadare aus
Albanien, die französische Schriftstellerin mit karibischen Wurzeln,
Maryse Condé, die experimentelle Autorin aus China, Can Xue, die
russische Erzählerin Ljudmila Ulizkaja – sowie die seit Jahren hoch gehandelten Joyce Carol Oates aus den USA, Margaret Atwood aus Kanada und Haruki Murakami
aus Japan.

Nach den Kontroversen der vergangenen Jahre wird allgemein damit gerechnet, dass die Akademie einem Streit aus dem Weg gehen und eine eher orthodoxe Wahl treffen wird. So wie mit Kazuo Ishiguro vor zwei Jahren. Der britische Schriftsteller japanischer Abstammung galt bei Fachleuten als Konsenskandidat – nach der äußerst umstrittenen Wahl seines Vorgängers: Als sich die Akademie 2016 für den Musikpoeten Bob Dylan entschied, brachte sie fast alle Traditionalisten der Literaturwelt gegen sich auf.

Die gesamte Berichterstattung über die Nobelpreise 2019 finden Sie auf dieser Seite.


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