Semperopernball: Darum sollte der Leiter Konsequenzen ziehen

Hans-Joachim Frey (3.v.l), der künstlerische Leiter des Semperopernballes, übergibt dem ägyptischen Staatspräsidenten Abdel Fattah Al-Sisi (3.v.r) im Präsidentenpalast in Kairo den St.-Georgs-Orden. Dabei wird er von einer Delegation aus Dresden begleitet.   ©Egyptian PresidencyDPA
Bislang galt die Verleihung des St.-Georg-Ordens als der Höhepunkt des seit 2006 jährlich ausgerichteten Semperopernballs. Prominente aus Kultur, Politik, Sport und Wirtschaft werden im Rahmen der Gala ausgezeichnet. In aller Regel nehmen die Geehrten den Preis auch persönlich entgegen. Sogar hochrangige Staatsmänner wie der damalige russische Ministerpräsident Wladimir Putin (2009), EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso (2014) oder König Albert II. von Monaco (2019) waren zu diesen Anlass in die Elbmetropole gekommen. 

In diesem Jahr lief die Ordenübergabe anders ab: Da brach eine Delegation von Dresden nach Kairo auf, um dem ägyptischen Staatspräsidenten persönlich die Ehre zu erweisen und den circa 7000 Euro teuren Orden am 26. Januar persönlich zu überreichen.

Der Leiter des Semperopernballs mit dem ägyptischen Machthaber

Fotos zeigen Hans-Joachim Frey, den Leiter des Semperopernballs, stolz zusammen mit dem ägyptischen Machthaber. Begleitet wurde die Delegation von einer Reporterin des Boulevardportals „Tag 24“, das neben der „Sächsischen Zeitung“ und dem MDR zu den Medienpartnern des Opernballs gehört.

Ihr am 27. Januar veröffentlichter Bericht fällt aber anders aus, als sich die Verantwortlichen das vermutlich erhofft haben. Sie erwähnt die Einschätzung von „Reporter ohne Grenzen“, derzufolge Ägypten unter Al-Sisis Herrschaft zu einem der Länder mit den meisten inhaftierten Journalisten geworden sei und im Ranking für Pressefreiheit mittlerweile Platz 163 von 180 einnehme. Dann lässt sie sächsische Politiker zu Wort kommen, die sich – mit Ausnahme der AfD – entsetzt zeigen von der Verleihung.

„Verneigung vor dem Machthaber“ lautet die Überschrift – und schlägt damit einen kritischen Ton an, der sich in den Tagen nach der Rückkehr der Delegation aus Kairo verschärfen wird.

Frey gibt nach – ein bisschen

Opernball-Chef Hans-Joachim Frey glaubt zunächst, die Debatte mit ein paar lauen Floskeln aus der Welt schaffen zu können. Er nennt Al-Sisi in der Pressekonferenz einen „kontroversen Politiker“. „Entscheidungen können auch mal wehtun, das ist wie beim Fußball“, versucht er die Verleihung an den umstrittenen Politiker herunterzuspielen.

Diese Linie hält Frey jedoch nicht lange durch. Nur einen Tag später gibt Frey unter dem wachsenden öffentlichen Druck nach – zumindest ein Stück weit. „Wir möchten uns für diese Preisverleihung entschuldigen und davon distanzieren. Die Verleihung war ein Fehler“, lässt er nun in einer Presseerklärung verlauten.

Dresdner Opernball erkennt Abdel Fattah al-Sisi Orden ab – der Grund ist Rocker Peter Maffay.

So ganz freiwillig wird dieser Umschwung nicht gekommen sein, denn mittlerweile haben sich die für die Veranstaltung engagierten Moderatoren Judith Rakers und Roland Kaiser irritiert geäußert. Rakers gibt am 29. Januar bekannt, dass sie zwei Tage zuvor um die Auflösung des Vertrages gebeten habe. Mit Mareile Höppner wird zwar zügig eine Nachfolgerin präsentiert, doch die wirft nur wenige Tage später ebenfalls hin. Auch SAP-Gründer Dietmar Hopp und Uli Hoeneß sagen ihr Kommen ab.

Peter Maffay bringt die Wende

Doch noch immer hält Hans-Joachim Frey an der Ehrung für Al-Sisi fest. Es ist wohl Peter Maffay, der letztlich ein Umdenken bewirkt und Frey dazu bewegt, Al-Sisi den Orden abzuerkennen. Der Sänger ist als Mitternachts-Act verpflichtet worden – und macht seine Teilnahme nun von einer Aberkennung der Ehrung abhängig.

So knickt Hans-Joachim Frey letztlich ein. Es ist eine Niederlage auf ganzer Linie. Ob ihn diese Entscheidung retten wird, ist zweifelhaft. Denn sie kommt viel zu spät. Und sie ist wenig glaubwürdig: Frey hat stets auf äußeren Druck reagiert, und immer nur schrittweise nachgegeben. Einsicht sieht anders aus. Der Leiter des Semperopernballs scheint ohne jeden moralische Kompass zu agieren. Damit fügt er der würdevollen Institution schweren Schaden zu. Daraus kann der Kulturmanager nur eine Konsequenz ziehen: Er sollte zurücktreten.

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