Sieben Worte, die Millionen kosten

Ein Hoch auf die Weitsicht von David Stern. Er war von 1984 bis 2014 Chef der Nordamerikanischen Basketballiga NBA. Heute ist er im Ruhestand, doch sein Job war es, die NBA zur wichtigsten und lukrativsten Sportliga der Welt aufzubauen. Das gelang ihm, er globalisierte die Liga und baute China zum wichtigsten Markt außerhalb der USA auf.

Und schon 2006 sah Stern, wie kompliziert das ist. Er wisse sehr genau um die politische Situation in China, doch am Ende sei es sein Job, Geld zu verdienen, egal wie er persönlich über die Dinge denke: „Glauben Sie mir, die Situation mit China arbeitet an mir.“ Seinen Sätzen wohnte eine erfrischende Ehrlichkeit inne und es ist kein Zufall, dass sie derzeit wieder kursieren.

Die Liebe der Chinesen zur NBA

Denn die NBA muss ihr Verhältnis zu China klären. Die lässigen Basketballer und die von der KP streng regierten Chinesen haben sich über die Jahre ineinander verliebt, Stern hatte sie in den Neunzigern verkuppelt. Die NBA stieg auf zur wichtigsten Sportliga des Landes, für beide war das eine gute Sache. Die Chinesen wurden zu leidenschaftlichen Basketballfans und die NBA verdiente in den vergangenen Jahren am besten in China mit Merchandise und Streamingabos. Entsprechend reibungslos liefen bisher die Dinge.

Das ist die eine Seite, das Geschäft. China hat 300 Millionen aktive Spielerinnen und Spieler, schätzt die NBA. So viele Einwohner hat die USA. 800 Millionen Zuschauer verfolgten die NBA in der vergangenen Saison am TV oder am Smartphone. Auf der anderen Seite aber: die Politik. Kurz bevor die Los Angeles Lakers und die Brooklyn Nets Anfang Oktober zu ihrer Werbetour nach China aufbrachen, beschädigten sieben Worte ein jahrelang behutsam aufgebautes Geschäftsfeld.

Sie stammen vom Daryl Morey, dem Manager der Houston Rockets. Er twitterte: „Fight for Freedom and stand with Hongkong.“ Womöglich ahnte er schon, was kommen würde. Er löschte den Gruß an die Demonstranten schnell wieder, die seit Monaten gegen den wachsenden Einfluss Chinas und für mehr Demokratie auf der autonom regierten Halbinsel auf die Straße gehen. Morey schob klärende Worte nach, in der Hoffnung, doch noch etwas retten zu können. Knapp zwei Wochen später aber ist klar, dass es in etwa so erfolgreich war wie eine Hausbrandlöschung mit dem Schnapsglas.

Die Rockets sind das beliebteste Team in China, seit Yao Ming von 2002 bis 2011 als „Great Wall of China“ bei ihnen zu einem der bekanntesten NBA-Spieler wurde. Heute ist er Präsident des chinesischen Basketballverbandes und angeblich „sehr wütend“ über sein altes Team, sagte der NBA-Boss Adam Silver.

Der Besitzer der Rockets ging auf Distanz zu seinem Manager, auch der US-Basketballverband. James Harden, der beste Spieler der Rockets, entschuldigte sich umgehend. Die NBA veröffentlichte auch auf Mandarin ein Schreiben, in dem sie sich enttäuscht über Moreys Äußerungen zeigte.

Die Konsequenzen

Seitdem befindet sich die NBA in einer ernsthaften Krise mit den Chinesen, wenig deutet auf eine schnelle Versöhnung hin. Es geht nicht um Peanuts. Milliarden stehen auf dem Spiel, Moreys Tweet könnte allein den Rockets zwischen zehn und fünfundzwanzig Millionen Dollar gekostet haben. Am Dienstag startet die Saison und in China werden keine Spiele der Houston Rockets zu sehen sein.

Die Test- und Werbespiele der Los Angeles Lakers gegen die Brooklyn Nets in Shenzhen und Shanghai hätten um ein Haar nicht stattgefunden, Liveübertragungen wurden gestrichen, Termine der Sportler in Grundschulen ohne Nennung von Gründen abgesagt. Als die Lakers in der Halle mit dem Training anfingen, kamen nach einer halben Stunde Arbeiter in die Arena, um den Boden auszutauschen. Chinesische Sponsoren ließen ihre Logos entfernen.

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