Staupilot: Der Zulassungsstau löst sich langsam auf

Das selbstfahrende Auto könnte in einem halben Jahr Realität werden.
Die Bundesregierung rechnet für das kommende Jahr mit der erstmaligen Zulassung selbstfahrender Serienautos für deutsche Straßen. Auf Anfrage von Golem.de teilte das Bundesverkehrsministerium mit, dass auf UN-Ebene erste Vorschriften für einen automatischen Spurhalteassistenten „für Mitte 2020 erwartet“ würden. „Damit können Fahrzeuge mit Level-3-Systemen bald auf die Straßen kommen“, hieß es weiter.

Solche Systeme können bestimmte Fahraufgaben, wie das Fahren auf einer Autobahn oder im Stau, selbstständig übernehmen, ohne dass Fahrer jederzeit das Fahrgeschehen überwachen müssen. Bei Level-4-Systemen will die Regierung hingegen keine internationale Einigung abwarten.

Der Autohersteller Audi wollte mit dem Topmodell A8 schon 2017 das weltweit erste Serienauto mit hochautomatisierten Funktionen auf den Markt bringen. Nachdem sich die zuständige UN-Arbeitsgruppe für die automatische Lenkfunktion Kategorie B2 (englisch: Automatically Commanded Steering Function, ACSF-B2) Ende November in Barcelona zu ihrer 24. Sitzung getroffen hat, neigen sich die Verhandlungen dem Ende entgegen. Nach Angaben des Verkehrsministeriums soll der Entwurf voraussichtlich im Februar 2020 vorliegen.

Maximale Höchstgeschwindigkeit stark reduziert

Der Zeitplan ist nach Angaben des Arbeitsgruppen-Sekretariats durchaus einzuhalten. Dazu müsste ein entsprechender Entwurf auf der kommenden Sitzung Ende Januar 2020 in Tokio beschlossen werden. Die übergeordnete UNECE-Arbeitsgruppe Automatisierte Fahrzeuge (GRVA, früher GRRE) könnte die Regelung dann auf ihrer Sitzung im März 2020 beschließen. Den aktuellen Stand der Diskussion soll ein Referenzdokument zusammenfassen, das entsprechende Vorgaben für das System macht. Vermutlich wird es noch in dieser Woche veröffentlicht.

Die wichtigste Änderung im Vergleich zu früheren Entwürfen: Die maximale Höchstgeschwindigkeit der Systeme wird auf 60 Kilometer pro Stunde (km/h) begrenzt. Damit handelt es sich nicht um einen Autobahnpiloten, sondern lediglich um einen Staupiloten. Dieser soll sich allerdings nur auf autobahnähnlichen Straßen ohne Fußgänger und Fahrradfahrer aktivieren lassen.

Die Mindestreichweite der Sensoren müsste einem deutschen Vorschlag zufolge (PDF) daher nur 46 Meter betragen. Die sogenannte Übernahmezeit soll mindestens 10 Sekunden dauern. Wenn der Fahrer nach 4 Sekunden noch nicht das Steuer übernommen hat, eskaliert das System die Übernahmeaufforderung, beispielsweise durch kurze Kurzbremsungen, Gurtstraffen, oder zusätzliche optische und akustische Warnungen.

Vorgaben für Notfallmanöver

Reagiert der Fahrer dann immer noch nicht, soll das Auto einen „risikominimierten Zustand“ herbeiführen. Damit soll das Fahrzeug schnellstmöglich zum Stillstand gebracht werden. Dabei soll auch ein Spurwechsel möglich sein, um beispielsweise auf einen Seitenstreifen fahren zu können. In diesem Fall sollen die Sensoren nach hinten eine Mindestreichweite aufweisen, um den rückwärtigen Verkehr erkennen zu können.

Weiterhin ist ein Notfallmanöver vorgesehen. Dadurch soll das Auto in der Lage sein, jederzeit einem unerwarteten Hindernis in der Spur auszuweichen oder eine Vollbremsung einzuleiten. Ein Ausweichmanöver über die eigene Spur hinaus soll möglich sein, wenn das Auto über die erforderlichen rückwärtigen Sensoren verfügt.

Doch das Auto soll natürlich alle normalen Verkehrssituationen beherrschen, die in einem Stau auftreten können.

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