Stefan Kretzschmar: Aufgepasst! (neues-deutschland.de)


Meinungsvielfalt in Deutschland (Symbolbild)

Meinungsvielfalt in Deutschland (Symbolbild)

Foto: 2016 cydonna / Photocase

Der wegen fragwürdiger Äußerungen zur Meinungsfreiheit soeben in die Schlagzeilen geratene Ex-Handballer Stefan Kretzschmar trägt um sein Handgelenk gern ein schwarz-rot-goldenes Schweißband. Mit »Punk« im ureigenen Sinn hat ein solches Auftreten ungefähr so viel zu tun wie der Wahlwerbespruch »Zukunft durch Leistung« mit dem Slogan »Eat Razorblades«.

Trotzdem wird der arme Mann von zahlreichen Medien jetzt »Handball-Punk« genannt, weil er Ohrringe trägt und in der Vergangenheit bereits mit unterschiedlichen Haarfarben experimentierte. Ja, in unseren Zeitungsredaktionen hat man von Popkultur und ihrer Geschichte so viel Ahnung wie Donald Trump von Teilchenphysik.

In der Talksendung des Journalistendarstellers Markus Lanz hat Kretzschmar bereits vor einigen Jahren dahergeredet wie der prototypische rechte Wutbürger: Deutschland bzw. »wir« seien »amerikanisiert« und nicht »souverän« genug, der homophobe, für eine völkische Gruppierung werbende Schlagersänger Xavier Naidoo sei ein von den Medien verunglimpfter »Systemkritiker«. Dass da, wie so oft in der Glotze, einer saß und sprach, der – sagen wir es mal so – nicht der Hellste ist, konnte damals jeder hören, der einen intakten Verstand und Ohren hatte. Trotzdem hat ihn damals weder jemand gebeten, die Klappe zu halten, noch hat man diesem Unsinn etwas entgegnet.

Doch aufgepasst! Vielleicht hat eine bestimmte Sorte Leute ja doch recht! Vielleicht ist Deutschland eine Meinungsdiktatur: Viele Bürgerinnen und Bürger hierzulande haben keine Chance, sich zu äußern. Ihr aus trüben Internetquellen und rechter Propaganda zusammengeleimtes Weltbild sucht man in den Online-Kommentarspalten der großen Medien vergebens. Und kaum machen sie mal beiläufig den Hitlergruß, kommt – zack! – die Gutmenschen-Geheimpolizei bei ihnen vorbei und holt sie ab zur Umerziehung.

Die Bücher von so unbeirrbaren Wahrheitssuchern wie Onkel Sarrazin, die proppenvoll mit allerlei in Deutschland unterdrückten Wahrheiten sind, werden, wie man weiß, in den hiesigen Buchhandlungen unterm Ladentisch versteckt und nur auf die penetrante Nachfrage mutiger Buchkäufer widerwillig herausgerückt, und auch die Neonazis im Bundestag dürfen dort nicht ununterbrochen ihre Streichholzschachtelweltsicht hinausposaunen, sondern immer nur dann, wenn sie gerade Redezeit haben. Selbst in Talksendungen und Boulevardblättern wird der Themenkomplex Flüchtlinge/Asyl/Ausländer totgeschwiegen. Schlimm!

Deswegen können die wenigen noch nicht verbotenen publizistischen Flaggschiffe der Meinungsfreiheit – beispielsweise die »Bild«-Zeitung (»Maden, Möpse und Moneten«) und andere Publikationen, die sich gegen den linksgrünversifften, kommunistischen Meinungs- und Merkelterror zur Wehr setzen – hierzulande auch nicht am Kiosk erworben werden, sondern müssen im Samisdat erscheinen: Unter tapferen Dissidenten, die etwas gegen den Meinungsholocaust an den Deutschen tun wollen, werden sie heimlich weitergereicht von Hand zu Hand.

Es könnte aber auch sein, dass jene, die eine fortgesetzte Unterdrückung der Meinungsfreiheit am Werk sehen, es nur schwer ertragen können, wenn man anderer Meinung ist als sie.

Und, dies nur am Rande: Vielleicht sind ja Personen, deren wesentliche Qualifikation darin besteht, zum richtigen Zeitpunkt einen Ball in ein dafür vorgesehenes Netz zu werfen, nicht zwingend auch die schlauesten Gesellschaftsanalytiker.



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