Sterberaten: Männer sterben vier Jahre früher als Frauen – das hat vier Gründe


Wie geht es den sieben Milliarden Menschen auf der Welt? Diese bescheidene Frage zu beantworten, das versucht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr aufs Neue. Die Antwort in 2019: Es geht ihnen besser als noch vor 20 Jahren. Zumindest, wenn man die Lebenserwartung betrachtet, mit der sich die neueste „Welt-Gesundheits-Statistik“ hauptsächlich auseinandersetzt.

Frauen leben länger – aber die zusätzlichen Jahre sind nicht unbedingt gesund

So lag die durchschnittliche Lebenserwartung eines im Jahr 2000 geborenen Menschen noch bei 66,5 Jahren. Heute wird der Durchschnitts-Mensch immerhin 72 Jahre alt. Frauen, die 2019 auf die Welt kommen, sogar 74,2 Jahre – und damit fast fünf Jahre älter als gleichaltrige Männer. Ihre Lebenserwartung beträgt laut WHO „nur“ 69,8 Jahre.

Allerdings: Die gewonnenen Jahre können den Damen auch zum Verhängnis werden. So steigt die Wahrscheinlichkeit für manche Krankheiten erst mit dem Alter. Und da Frauen älter werden, sind sie auch anfälliger für sie. Zu diesen Krankheiten zählen beispielsweise Alzheimer. Das Risiko dafür ist für Frauen höher – laut WHO deshalb, weil Frauen einfach älter werden als Männer.

Immerhin: 64,8 Jahre bleiben Frauen heute durchschnittlich fit

Insgesamt leben Frauen aber dennoch länger gesünder als Männer. Wie der WHO-Bericht zeigt, liegen vor den heute geborenen Mädchen im Schnitt 64,8 gesunde Lebensjahre. Bei den Männern fangen die kleinen und größeren Wehwehchen durchschnittlich schon mit 62 Jahren an.

Die Antwort, an der sich die WHO deshalb dieses Jahr zudem versucht hat, lautet daher: Warum ist das so – und was können Männer möglicherweise tun, um die Lücke in Sachen Lebenserwartung zu schließen? Das ist im Rahmen der Meta-Analyse der WHO, die sie seit 2005 im Jahresturnus herausgibt, dieses Jahr zum ersten Mal möglich, untersucht sie doch die Daten für Mann und Frau erstmals separat.

Zusammengefasst nennt die WHO diese vier Gründe:

  • Männer leben ungesünder als Frauen.
  • Männer gehen seltener zum Arzt als Frauen.
  • Männer sterben häufiger an unnatürlichen Todesursachen wie Verkehrsunfällen oder Tötungsdelikten.
  • Männer sterben an vielen Krankheiten häufiger als Frauen (insbesondere an koronaren Herzerkrankungen, Lungenkrebs, COPD, Schlaganfällen, Leberzirrhose, Tuberkulose und Prostatakrebs).

Einige dieser Unterschiede lassen sich durch Biologie erklären, schreibt die WHO. So sorgten Prozesse, die mit dem X-Chromosom verbunden sind, das Frauen mehr haben als Männer, etwa dafür, dass Frauen ein besseres Immunsystem hätten als Männer.

Doch die unterschiedliche Lebenserwartung lässt sich nicht nur auf genetische Dispositionen zurückführen. Auch die Rollen, die Frauen und Männer in Sozialleben und Gesellschaft einnehmen, beeinflussen, wie lange sie leben.

Der WHO zufolge arbeiteten Männer etwa viel häufiger als Frauen im Transportsektor und sind folglich viel häufiger dem Risiko ausgesetzt, bei einem Verkehrsunfall Schaden zu nehmen. Entsprechend sterben den Zahlen zufolge ab dem 15. Lebensjahr mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen im Straßenverkehr.

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Inwiefern Gründe allerdings genetischer oder sozialer Natur sind, lässt sich oft nur schwer zuordnen, da sie nicht losgelöst voneinander zum Tragen kommen, erklärt die Weltgesundheitsorganisation.

Weniger rauchen, weniger trinken, mehr Arztbesuche

Darüber hinaus achteten Frauen häufig einfach besser auf sich und ihre Gesundheit als Männer. Sie gehen öfter und früher zum Arzt, trinken weniger Alkohol, rauchen weniger.

Dazu kommen Männer den WHO-Angaben nach häufiger durch unnatürliche Ursachen zu Tode. Die Suizid-Rate liegt laut WHO bei Männern 75 Prozent höher als bei Frauen. Bei den Tötungsdelikten ist die Geschlechterverteilung noch gravierender: Männer werden im Schnitt viermal so oft Opfer von Straftaten mit Todesfolge als Frauen.

Lebenszeit-Plus der Frauen in reichen Ländern stärker ausgeprägt

Die Unterschiede zwischen Mann und Frau sind allerdings nicht in allen Ländern der Welt gleich stark ausgeprägt. Während der Unterschied in den reichen Teilen der Welt bei bis zu sieben Jahren liegt, fällt das Lebenszeit-Plus der Frauen in ärmeren Ländern deutlich geringer aus.

Hauptsächlich verantwortlich dafür seien Komplikationen in der Schwangerschaft, die in weniger entwickelten Ländern deutlich öfter zum Tod führten als in Industriestaaten, erklärt die WHO. Schuld daran ist die schlechte medizinische Versorgung vor Ort.

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Bei den 85-Jährigen kommen auf 100 Frauen nur noch 60 Männer

All das führt dazu, dass es ab einer bestimmten Altersgrenze mehr Frauen als Männer gibt – obwohl zunächst mehr Jungen als Mädchen geboren werden. Auch das zeigt der neue WHO-Report: Von den mehr als 141 Millionen Babys, die 2019 auf die Welt kommen werden, werden laut WHO 73 Millionen männlich sein, 68 Millionen Mädchen. Auf 100 Mädchen kommen somit 107 Jungen.

Doch das Geschlechterverhältnis dreht sich im Laufe der Lebenszeit: Weil die Männer im Schnitt früher sterben, sind die Frauen ab einem Alter von 60 Jahren in der Überzahl. Dann kommen auf 100 Frauen nur noch 95 Männer. Bei den 85- bis 89-Jährigen sind es nur noch 60 Männer, bei den 100+-Jährigen weniger als 30.

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