Supply Chain Management (SCM) – com! professional


IoT, Blockchain & KI: Digitale Technologien verändern das Supply Chain Management. Smarte Lösungen verkürzen Lieferzeiten, ermöglichen eine vorausschauende Lagerhaltung und vieles mehr.

Die Lieferketten sind in vielen Branchen eng getaktet, insbesondere aber in der Automobilindustrie. Kommt es zu Nachschubproblemen, stehen die Bänder still. Das passierte beispielsweise Ende 2018 bei Volkswagen Sachsen, das wegen fehlender Motorkomponenten in Zwickau die Golf-Produktion zeitweise einstellte. Oder im Mai 2017 bei BMW. Das Unternehmen musste die Produktion für viele BMW-Modelle stoppen. Der Grund: Der große Automobilzulieferer Bosch konnte keine Lenkgetriebe liefern, weil dessen italienischer Partner Lieferprobleme mit den dafür benötigten Gussgehäusen hatte.

Die Just-in-time-Strategie hat ihre Tücken. Da Hersteller und Zulieferer Lagerkosten sparen wollen, muss jedes Bauteil pünktlich zur Montage am Band sein, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Das klappt nur über eine gute Zusammenarbeit aller Lieferanten und Supply-Chain-Verantwortlichen. Doch die Lieferketten und damit auch das Supply Chain Management (SCM) sind durch die Digitalisierung und zunehmende Vernetzung in den letzten Jahren komplexer geworden. Die Supply Chains bestehen nicht mehr nur aus linearen Lieferketten zwischen Original Equipment Manufacturer (OEM) und Lieferant, sondern haben sich zu großen Ökosystemen mit vielen möglichen Produktvarianten und untereinander vernetzten Zulieferern entwickelt – und das alles im globalen Maßstab.

Zudem wurden Supply Chains und die Märkte durch die Digitalisierung immer dynamischer. Neue Produkte gelangen in immer kürzeren Zyklen in immer mehr Varianten auf den Markt. Kein Unternehmen kann sich angesichts des rasanten technischen Fortschritts auf vergangenen Lorbeeren ausruhen. Geschwindigkeit und Flexibilität werden zum Gebot der Stunde. Es gilt, Daten aus verschiedenen Systemen möglichst in Echtzeit zu analysieren, um Supply Chain und Produktion zu optimieren – Stichwort Industrie 4.0. Technologien wie IoT, Blockchain oder Data Analytics mit maschinellem Lernen und KI bieten hier für Unternehmen großes Potenzial. Doch werden diese digitalen Techniken in Supply Chains auch genutzt?

Digitaler Nachholbedarf

Ein ernüchterndes Bild zeichnet die Umfrage „Digitalisierung in Supply Chains“ des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME) vom März dieses Jahres, die der Verband zusammen mit der Hoch­schule Fulda durchgeführt hat. „Wir mussten feststellen, dass es bei der Anwendung und der Nutzung von Digitalisierungstechnologien in der Supply Chain einen immensen Nachholbedarf gibt. Häufig fehlt es an der Kenntnis der Technologien und damit auch an Ideen für den Einsatz“, resümiert Carsten Knauer, Leiter Sektion Logistik beim BME. Und: „Große Unternehmen setzen die neuen Technologien eher ein als kleinere und mittlere Unternehmen.“

Die meistgenutzten digitalen Anwendungen für Supply Chains sind derzeit Cloud-Computing (52 Prozent), Big Data Analytics (47 Prozent) und Roboter beziehungsweise Automatisierung (34 Prozent). Auf den weiteren Plätzen folgen Internet of Things (IoT) und 3D-Druck mit jeweils 17 Prozent sowie der digitale Zwilling mit 16 Prozent. Ein digitaler Zwilling repräsentiert ein reales Objekt oder einen realen Prozess in der digitalen Welt. Er ist aus Daten und Algorithmen aufgebaut und beschreibt die Eigenschaften sowie das Verhalten der realen Objekte unter bestimmten Bedingungen. Digitale Zwillinge können außerdem
über Sensoren in Echtzeit mit der realen Welt in Verbindung stehen.

Vorreiter beim Einsatz digitaler Technologien sind laut BME die Automobil- und Automobilzuliefer-Industrie mit 3D-Druck, Big Data Analytics, IoT und Low-cost Sensor Technology sowie die Pharma- und Chemiebranche. Letztere setzt vor allem auf Cloud-Computing, KI sowie Roboter und Automatisierung. Eher zurückhaltend sind Unternehmen aus dem Lager- und Transportsektor.

Das sollte sich ändern. „Für Firmen öffnen sich durch die Digitalisierung viele Möglichkeiten, sich zu verknüpfen. Die Vernetzung nimmt zu, auch in der Supply Chain. Wir sehen eine grundsätzliche Veränderung. Firmen werden Teil eines Ökosystems, neue Partner kommen hinzu“, erklärt Lynn-Kristin Thorenz, Associate Vice President Research & Consulting bei IDC. Als Beispiel nennt sie Start-ups, die mit ihrer Lösung die Abrechnung der Reisekosten der Lkw-Fahrer mit der Lieferkette verknüpfen. Sie schaffen eine Schnittstelle zwischen der Telematik-Lösung, die genau zeigt, welcher Fahrer wie lange unterwegs war und wo er Pausen eingelegt hat, und der Payroll. „Wenn Firmen zudem in der Logistik andere Technologien wie KI oder maschinelles Lernen nutzen, bietet die Integra­tion der Supply Chain einen großen Mehrwert. Sie können beispielsweise vorausschauender planen“, so Thorenz weiter.



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