Tipps und Termine – Den Sommer feiern – Reise


Cervias Jahreskalender ist geprägt von Festivals, Märkten und Strandevents. Wer Ruhe sucht, setzt sich aufs Rad oder spaziert in den Salinen.

Handgestempelt

C’era una volta, es war einmal, so heißt ein Geschäft in der historischen Altstadt von Cervia. Dort üben die Inhaberin Elisa Drudi und Maurizio Babbi ein altes, in der Emilia-Romagna noch verbreitetes Handwerk aus, die Stoffdruckerei: Mit Holzmodeln bedrucken sie – wie früher – Leinen- und Baumwollstoffe. In die Modeln sind Weinranken, Granatapfel, Blumen und Kornähren geschnitzt, auch der Hahn und nicht zuletzt Flamingos sowie Meerestiere sind traditionelle Motive. Daraus fertigen sie Vorhänge, Badvorleger, Kissen und Tischdecken. Rost und Blau sind die traditionellen Farben, sie werden aus Pflanzenextrakten, aus Rost, Mehl und Essig angerührt. Der Laden ist zugleich Werkstatt, die Kunden können Drudi und Babbi bei der Arbeit über die Schulter schauen. Wer will, kann einen Stoff mitbringen und bedrucken lassen. Das C’era una volta in der Via Luigi Mazzolani 15 ist die letzte noch verbleibende Stamperia in Cervia. Doch in anderen Städten der Emilia Romagna finden sich noch weitere Stamperie.

Maritime Motive sind populär auf den handbedruckten Stoffen. Die Druckmodelle werden in der Manufaktur „C’era una volta“ selbst gefertigt.

(Foto: Cervia Turismo)

Handgedreht

Priesterwürger oder Strozzapreti heißt eine Pastaspezialität in Cervia, die am besten schmeckt, wenn sie wie im Ristorante Romagna Antica in der Viale Nazario Sauro 164 per Hand gemacht wird. Zeit, Geduld und gründliches Kneten sind der Schlüssel zur guten Pasta, in die nur Mehl und Wasser kommt. Es versteht sich, dass die von Hand gerollten Nudeln nicht alle gleich sind, sondern eben so wie sie von der Hand gehen in Länge und Dicke ein wenig variieren. Eine Spezialität sind die Strozzapreti con Vongole e Canocchie – also mit Venusmuscheln und Heuschreckenkrebsen. Letzteres ist aber kein Grund zu erschrecken: Es handelt sich nicht etwa um Wasserinsekten, sondern um eine in flachen Küstengewässern verbreitete und populäre Fangschreckenkrebsart. Eine gewisse äußere Ähnlichkeit mit der Heuschrecke ist zwar da, aber es lohnt sich, die Canocchie zu probieren. Dazu passt ein Krug kühler Pignoletto Frizzante, der für die Emilia-Romagna typische Schaumwein – quasi als Alternative zum allgegenwärtigen Prosecco.

Von der Hand in den Mund

Pizza und Focaccia gibt es wie überall in Italien natürlich auch in Cervia. Aber die echten Cervesi essen zwischendurch viel lieber ihre Piadina, ein Fladenbrot, das in jedem Restaurant zum Essen gereicht wird und das es in der Piadineria zum Mitnehmen gibt. So viel Lokalpatriotismus darf sein. Auch die Touristen schätzen den Snack zwischendurch, wenn sie den Tag am Strand verbringen oder durch die Stadt spazieren. Auf die Hand eignet sich die Piadina bestens, denn ähnlich wie in einen Wrap kann man in den Fladen alles nur Erdenkliche einwickeln: Salami, Schinken, Tomaten, Käse und gegrilltes Gemüse. Besonders populär ist die mit Gewürzsalz von Cervia aromatisierte Piadina.

Meereshochzeit

Der Legende nach ist der Bischof Pietro Barbo im Jahr 1445 von Venedig kommend vor Cervia während eines Gewitters in Seenot geraten. Erst nachdem er seinen Bischofsring ins Meer geworfen hatte, beruhigte sich die See und er war gerettet. Seither feiert die Stadt jedes Jahr zu Pfingsten die Sposalizio del Mare oder Meereshochzeit, an deren Höhepunkt der Erzbischof von Ravenna-Cervia einen gesegneten Ring ins Meer wirft. Wer den Ring aus dem Meer fischt, ist der Held, die Heldin des Tages. Umrahmt wird das Fest von einer historischen Regatta, einem Straßenfest, Märkten und Ausstellungen (29.5 bis 2.6.2019).

Radweg nach Venedig

Der Radweg von Cervia nach Venedig führt an den Salinen vorbei und an der Küste entlang. Er geht durch die Städte Comacchio und Ravenna.

(Foto: rottadelsalebiketrail)

Die Rotta del Sale, die Salzstraße, ist ein 278 Kilometer langer Radweg von Cervia nach Venedig. „Ein demokratischer Weg“, wie Radguide Cristina Merloni augenzwinkernd sagt. Sie meint damit, dass die Route zumeist flach ist und sich deshalb auch für weniger sportliche Menschen und für Familien eignet. Die Drei- oder Viertagestour verläuft durch schattige Pinienwälder, an der Küste und durch den Naturpark Podelta. Stationen sind die Städte Ravenna, Comacchio, Chioggia. In Venedig geht es per Bahn zurück nach Cervia. Die Tour wird auch mit E-Bikes angeboten (www.cristinamerloni.it).

Miesmuschelfest

Fein aufgedeckt: Beim Miesmuschelfest werden viele Varianten von ihr serviert.

(Foto: Cervia Turismo)

Sie hat diesen Namen nicht verdient: Die Miesmuschel lässt sich so fein zubereiten, dass die Stadt Cervia ihr sogar ein Fest widmet. Vom 6. bis 9. Juni feiert man in Cervia Marina und in der Altstadt La Cozzia di Cervia in Festa – das Miesmuschelfest eben.

Ferragosto

Maria Himmelfahrt, der 15. August, ist der Höhepunkt des italienischen Sommersaison. Dann wird Cervias neun Kilometer langer Strand zur Partymeile. Jedes Hotel, jedes Strandbad baut Bühnen auf, lässt Bands spielen. Die Party als Bad in der Menge zu bezeichnen wäre untertrieben – die Menge im Bad beschreibt es besser.

Salzfest

Dem Sale Dolce, dem süßen Salz, widmet sich das Fest Sapore di Sale vom 5. bis 8. September 2019, das in Cervia rund um das historische restaurierte Salzlager stattfindet. Es gibt viel zu Essen, dazu Märkte, Ausstellungen und Aufführungen rund ums Thema Salz.



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