Ubuntu 20.04: LTS-Version mit behutsamen Neuerungen

Der auf Gnome 3.36 basierende Desktop bietet unter anderem ein

Canonical hat am heutigen Donnerstag die Version 20.04 seiner Linux-Distribution Ubuntu veröffentlicht. Auf den Ubuntu-Servern steht „Focal Fossa“, so der Codename der neuen Version, ab sofort zum Download bereit. Turnusgemäß handelt es sich bei dieser Version um eine „Long-Term-Support“(LTS)-Variante, die in den kommenden fünf Jahren mit Updates versorgt wird.

Wie bei einer LTS-Version üblich, verzichtet Canonical auf große Sprünge im Vergleich zur Vorversion und konzentriert sich primär auf die Versionspflege. Herzstück des Systems ist der Linux-Kernel 5.4, der zwar nicht mehr ganz taufrisch ist, mit dem sich aber aktuelle Desktop- und Serverhardware problemlos nutzen lässt. Auch die neue VPN-Technologie WireGuard gehört damit zum Lieferumfang. Kernel-Updates bedingen zudem nicht länger einen Neustart des Systems.

Gefallen ist die Entscheidung für diesen Kernel wohl vorrangig, weil Linux 5.4 selbst ein LTS-Kernel ist, den die Kernel-Entwickler entsprechend lange pflegen. Allerdings versorgt Canonical seine LTS-Releases schon seit Jahren mit sogenannten Hardware Enablement Stacks, die aktuellere Kernelversionen mitbringen. Das dürfte auch bei Ubuntu 20.04 nicht anders sein.

Die Unterstützung mit Updates gibt es allgemein nur für das Haupt-Repository („main“). Bisher war der erweiterte Support (Extended Security Maintenance, ESM) auf zehn Jahre beschränkt und auch für Pakete aus dem Universe-Repository zahlenden Kunden vorbehalten. Canonical will dies nun kostenlos auf Privatpersonen ausweiten, auch für Ubuntu 18.04 LTS. Dazu, wie die Unterscheidung zwischen Privatpersonen und Unternehmen vollzogen wird, äußerte sich Canonical auf Nachfrage nicht. Relevant ist dies frühestens kommendes Jahr.

Wer Ubuntu auf dem Desktop einsetzt, wird in Version 20.04 ein paar optische Neuerungen bemerken. So unterstützt die Distribution nun die Darstellung eines OEM-Vendor-Logos beim Hochfahren. Überhaupt hat Canonical am Bootvorgang ordentlich geschraubt: Kernel und initramfs-Abbild kommen nun im LZ4-Kompressionsformat daher, das viel flinker ist als die Konkurrenz. Weil beide Dateien während des Bootens entpackt werden, ist bei Ubuntu 20.04 der Bootvorgang kürzer als beim Vorgänger.

Neu ist auch, dass der auf Gnome 3.36 basierende Ubuntu-Desktop nun ein „Dark“-Theme bietet. Dieses taucht den Desktop in dunkle Farben, indem es etwa auch den Hintergrundbereich von Fenstern in dunklem Grau darstellt.

Schneller aktivieren lässt sich im Ubuntu-Desktop das „Fractional Scaling“, das die Darstellung des Desktops auf hochauflösenden Displays verbessert. Hierfür ist nun ein eigener Knopf im Display-Dialog vorgesehen. Neu entworfen haben die Entwickler den Login-Bildschirm sowie den Sperrbildschirm, die nun beide deutlich moderner wirken. Zudem hat Canonical in Gnome an der Performance-Schraube gedreht: Die Gnome-Shell ist merklich flotter unterwegs als die Vorgängerversion.

Alternativ zur Ubuntu-Oberfläche stehen auch andere Desktops bereit. Für einige gibt es eigens zusammengestellte Ubuntu-Flavours als offizielle Derivate der Distribution. Sie nutzen dieselbe aktuelle Paketbasis, statten das System aber mit einem eigenen Desktop und einer darauf abgestimmten Software-Auswahl aus.So nutzt Kubuntu den Plasma-Desktop des KDE-Projekts, Xubuntu verwendet das schlanke XFCE, Lubuntu das noch schmalere LXDE/LXQT und Ubuntu Budgie den aus dem Solus-Projekt entliehenen Budgie-Desktop. Ubuntu Mate setzt auf den Mate-Desktop, während Ubuntu Kylin die UKUI-Oberfläche mitbringt. Diese Ausgaben werden allerdings in der Regel nur drei Jahre mit Updates versorgt.

Ubuntu 20.04 ist die erste neue Ubuntu-Version, die komplett ohne den verhassten Amazon-Weblauncher daherkommt. Bereits vor ein paar Wochen hatte Canonical die Komponente aus allen schon bestehenden Ubuntu-Images entfernt. Der Hersteller liefert Ubuntu 20.04 ab Werk ohne irgendeine Amazon-Komponente aus.

Setzte Canonical in Ubuntu bisher vorrangig auf das Debian-Paketformat, kommen in der neuen Version vermehrt Snaps zum Einsatz. Unter der Bezeichnung „Snap“ vermarktet der Hersteller sein containerbasiertes Paketformat, bei dem nicht nur die App selbst, sondern auch die von ihr benötigte Umgebung als Bundle den Weg auf das System finden. Das bewahrt Anwender wie Entwickler vor der berüchtigten Abhängigkeitshölle: Solange auf dem Host eine funktionierende Container-Laufzeitumgebung vorhanden ist, werden die Snaps normal funktionieren. In Ubuntu 20.04 werden GUI-Anwendungen nun häufig als Snap eingerichtet.

Auch auf Servern gibt es Neuerungen. Den ZFS-Support baut Canonical in Ubuntu 20.04 weiter aus, nachdem man schon bisher der einzige große Distributor war, der ZFS überhaupt lieferte. Entscheidet man sich bei der Systeminstallation für die als „experimentell“ markierte Installation auf ZFS, konfiguriert der Installer das System gleich so, dass es vor der Installation neuer Pakete automatisch ZFS-Snapshots anlegt. Den Daemon Zsys, der sich um alle ZFS-Belange kümmert und auch als Frontend für den Admin zur ZFS-Konfiguration dient, haben die Entwickler deutlich überarbeitet.

Fazit: Gelungene Systempflege

Unterm Strich bringt Ubuntu 20.04 LTS keine großen Überraschungen, sondern eher behutsame Neuerungen mit. Detaillierte Informationen zu sämtlichen neuen Features sowie Installations- und Update-Hinweise fassen die Release-Notes zu Ubuntu 20.04 LTS zusammen.

Die Installationsmedien von Ubuntu 20.04 LTS finden Leser auf ubuntu.com. Bei installierten Ubuntu-Systemen werden die Updates fortlaufend angeboten und können über die Paketverwaltung eingespielt werden. Updates von vorherigen Ubuntu-Versionen und insbesondere von Ubuntu 18.04 sind möglich.

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